Freitag, 28. April 2017

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Die «EHCO-Buebe» tricksten im Wallis


Die Oltner holen beim 6:3-Sieg in Visp in einem packenden NLB-Match verdient drei Punkte.

BILDER
Oltens Kanadier Shayne Wiebe (links), der zwar viele kernige Checks austeilte, bezüglich Torszenen aber relativ wirkungslos blieb, setzt sich an der blauen Linie gegen Visps Verteidiger Marwin Leu durch. (Bild: Yann Schlegel)

Visp - Olten 3:6 (1:0, 2:3, 0:3)

Litterna. – 3621 Zuschauer. – SR: Peer/Grossen, Mauron/Tscherrig. – Tore: 2. Heynen (Schmutz) 1:0. 21. (20:58) Burki (Parati, Brunner) 1:1. 25. (24:11) Heldstab (Ausschluss Schwarzenbach) 2:1. 26. (25:24) Studer (Wüst, Hirt) 2:2. 27. (26:10) Desmarais (Rapuzzi, Altorfer) 3:2. 33. Schneuwly (Ganz, Parati) 3:3. 54. Truttmann (Meister, El Assaoui/Ausschlüsse Desmarais, Schwarzenbach) 3:4. 56. Feser (Truttmann, Ganz/Ausschlüsse Desmarais, Keller, Schwarzenbach) 3:5. 59. Wüst (Schnyder, Schneuwly/Eigentor, Visp ohne Goalie) 3:6. – Strafen: 6-mal 2 Minuten gegen Visp, 8-mal 2 Minuten gegen Olten.

Visp: Schoder; Bucher, Geiger; Wiedmer, Wollgast; Heynen, Heldstab; Guyenet, Leu; Altorfer, Desmarais, Rapuzzi; Dolana, Brunold, Botta; Schmutz, Keller, Michailow; Meyer, Alihodzic, Furrer.

Olten: Tobler; Meister, El Assaoui; Ganz, Parati; Bagnoud, Schnyder; Rampazzo; Schwarzenbach, Feser, Truttmann; Brunner, Burki, Wiebe; Wüst, Schneuwly, Hirt; Wüthrich, Studer, Lüthi; Ruhnke.

Bemerkungen: Visp ohne Witschard, Moren, Zeiter (alle verletzt), Müller (SC Bern) und Hischier (U20-Nationalmannschaft). Olten ohne Pargätzi, Schild, Marolf, Ulmer, Aeschlimann (alle verletzt), Leone (Kloten Flyers) und Weber (überzählig). Heynen und Schneuwly als beste Spieler ihres Teams ausgezeichnet.

Ende gut, alles gut für den EHC Olten bei NLB-Dauerrivale Visp. Das soll aber keinesfalls heissen, dass für die Gäste nur das Resultat oder die letzten Minuten in diesem hoch intensiven und spannenden Spiel gepasst hätten. Es waren zwar die drei Treffer zwischen der 54. und 59. Minute, welche dem Spiel die entscheidende Wende gaben, doch bereits zuvor zeigten die Oltner, dass sie weiter auf dem Vormarsch sind. Nicht nur punktemässig, sondern vor allem spielerisch, obwohl mit dem EHC Visp ein sehr unangenehmer Gegner wartete.

Oltens Fehlstart
Zu spüren bekam der EHCO die flotte Visper Gangart von der ersten Minute an, denn die Partie verlief zuerst überhaupt nicht nach den dessen Vorstellungen. Kaum war nämlich angespielt, hiess es bereits 1:0 – EHCO-Goalie Michael Tobler war beim Weitschuss von Fernando Heynen die Sicht völlig verdeckt. Dann glichen sich zumindest die (Chancen-)Verhältnisse auf dem Eis aber ziemlich rasch aus. Obwohl in Unterzahl, kamen die Oltner in der 3. Minute zur goldenen Ausgleichschance, doch Topscorer Marco Truttmann scheiterte alleine vor Matthias Schoder. Es sollte, in diesem ersten Abschnitt, das Muster bezüglich Torchancen bleiben: Der EHCO versuchte sich mit teils sehr gefährlichen Solovorstössen aus der Umklammerung zu lösen, der EHC Visp hingegen mit gut getimten Schüssen aus der Distanz. Beide Varianten beschworen zwar immer wieder Gefahr herauf, alleine, es wollten keine weiteren Tore mehr fallen in den ersten 20 Minuten.

Mit den Waffen des Gegners
Und das war, aus Sicht der Gäste, gar kein so schlechtes Verdikt. Dauerte es nämlich zu Spielbeginn 90 Sekunden bis zum Visper Führungstreffer, verstrichen im mittleren Abschnitt nur noch deren 58, ehe die Oltner ausgeglichen hatten – und zwar quasi mit den Waffen des Gegners. Es war nämlich Codey Burki, welcher einen Weitschuss von Patrick Parati entscheidend ablenkte. Jetzt holten die Akteure nach, was im ersten Drittel zu kurz gekommen war: das Toreschiessen. Zuerst erhöhte Beat Heldstab in Überzahl wieder auf 2:1, ehe Thomas Studer sich hinter dem Tor entscheidend löste und den erneuten Ausgleich mit einer Art «Buebetrickli» erzwang. Dass der jüngste Gäste-Akteur auf diese Art und Weise reüssierte, passte irgendwie zur speziellen Bezeichnung. Umso mehr, als dass auch der nächste erfolgreiche Gäste-Abschluss zum 3:3, zustande gekommen auf die genau gleiche Art und Weise, auf das Konto des immerhin noch viertjüngsten Oltners ging: Cédric Schneuly. Die Jungen rissen also das Ruder im zweiten Abschnitt herum und gaben der Hoffnung auf einen erfolgreichen Abend damit neue Nahrung.

Intensiv, aber vorsichtig
Der letzte Abschnitt war dann nicht zuletzt eine Geduldfrage. Beide Mannschaften waren ihrem Gegenüber in den ersten zwei Dritteln zu Beginn je einmal ins offene Messer gelaufen, und das sollte kein weiteres Mal passieren. So agierte man zwar ein bisschen vorsichtiger, nicht aber weniger intensiv. Sowohl Visp als auch Olten provozierten mit ihrem aufsässigen Forechecking immer wieder Fehler, zudem häuften sich ab Drittelsmitte die Strafen. Zwar waren diese mit je vier kleinen Ausschlüssen gleichmässig verteilt, das Score hingegen schraubten nur noch die Gäste in die Höhe. Vorentscheidend war dabei das 4:3 durch Topscorer Marco Truttmann, welcher einen bilderbuchmässigen Angriff backhand abschloss.

Am Ursprung des Gamewinners stand Sami El Assaoui, der sich mit einem energischen Antritt durch die Mitte der «Doppeldeckung» entledigte, steil auf Remo Meister passte, der Marco Truttmann vor dem Visper Gehäuse bediente. Es war die einfachste Lösung, den massiven Walliser Offensivriegel zu durchkreuzen, und bei diesem Angriff funktionierte das beispielhaft. Zu diesem Zeitpunkt waren noch gut sechs Minuten zu spielen, die Gastgeber gerieten also langsam unter Zugzwang. Umso mehr, als das Unparteiischen-Duo Samuel Keller nach einem Handgemenge mit Chris Bagnoud eine Zweiminuten-Strafe mehr aufbrummte – sehr zum Unmut des Walliser Anhangs. Dieser wurde nur gerade 15 Sekunden später noch grösser, als Justin Feser beim 5:3 seine Qualitäten als starker Distanzschüsse aufblitzen liess und dem Gegner den zweitletzten Funken Hoffnung nahm.

«Mehr fürs Spiel gemacht»
Den endgültigen Schlusspunkt setzten die Visper dann gleich selber. Matthias Schoder hatte sein Gehäuse bereits verlassen, als eine Art Rückpass, aufreizend gemächlich, den Weg durch die neutrale Zone und das eigene Drittel ins verlassene Gehäuse fand. Nach kurzer Abklärung wurde der Treffer zum 6:3-Endstand schliesslich Philipp Wüst gutgeschrieben – plus zwei Assists für Simon Schnyder und Cédric Schneuwly obendrauf. «Es war wichtig für uns, den Schaden in den ersten 20 Minuten begrenzen zu können», meinte Letzterer, der zu Oltens Best-Player ausgezeichnet wurde, nach dem in jeder Beziehung intensiven Match in Visp. Mit, oder trotz dem 0:1 war das Teilziel erreicht, denn der Auftakt gelang den Gästen alles andere als nach Wunsch. «Wir starteten schlecht, es war fast ein wenig, als hätten wir die Beine im Bus liegen gelassen», formulierte es Cédric Schneuwly leicht überspitzt. «In der Folge haben wir dann aber deutlich mehr fürs Spiel gemacht, einfacher gespielt und sind so immer besser in Fahrt gekommen», sagte der 22-jährige Center. von Michael Forster

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