Sonntag, 28. Mai 2017

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Die Powerplay-Könige sind zurück


Der EHC Olten demontiert auswärts den SC Langenthal dank drei Überzahltoren mit 6:1.

BILDER
Die Oltner Defensive mit Goalie Michael Tobler, Remo Meister (Nummer 15) und Tim Grossniklaus (29) musste sich nur ein einziges Mal geschlagen geben. (Bild: Ruedi Trachsel)

Langenthal – Olten 1:6 (1:1, 0:4, 0:1)
Schoren. – 3531 Zuschauer. – SR: Grossen/Mollard, Kehrli/Wermeille. – Tore: 1. (0:49) Wüst (Truttmann, Schwarzenbach/Ausschluss Mike Küng) 0:1. 4. Tschannen (Campbell, Kelly) 1:1. 27. (26:27) Feser (Truttmann, Ganz/Ausschluss Marchon) 1:2. 27. (27:00) Wiebe (Brunner, Burki) 1:3. 30. (29:04) Lüthi (Ruhnke, Feser) 1:4. 31. (30:32) El Assaoui (Burki, Brunner/Ausschluss Schäublin) 1:5. 50. Weber (Hirt) 1:6. – Strafen: 8-mal 2 Minuten gegen Langenthal, 4-mal 2 Minuten plus 10 Minuten (El Assaoui) gegen Olten.
Langenthal: Eichmann (30. Mathis); Collenberg, Mike Küng; Pienitz, Schäublin; Fröhlicher Welti; Kelly, Campbell, Tschannen; Spieller, Marchon, Kämpf; Ranov, Vincenzo Küng, Hobi; Triulzi, Lüssy, Füglister.
Olten: Tobler; Bagnoud, Parati; Pargätzi, Ganz;  Simon Schnyder, El Assaoui; Grossniklaus, Meister; Truttmann, Feser, Schwarzenbach; Brunner, Burki, Wiebe; Wüst, Weber, Hirt; Ruhnke, Schneuwly, Lüthi.
Bemerkungen: Langenthal ohne Schefer, Carbis, Schüpbach (alle verletzt), Gemperli (krank), Stämpfli, Dünner (beide EV Zug) und Stefan Schnyder (überzählig). Olten ohne Marolf, Ulmer, Wüthrich, Aeschlimann, Schild (alle verletzt), und Thomas Studer (überzählig). Hans Pienitz und Marco Truttmann zu den besten Spielern ihrer Teams gewählt.

Die Voraussetzungen für das fünfte Derby in dieser Saison waren aus Sicht des EHC Olten alles andere als ideal. Der SC Langenthal hatte zuletzt zweimal gewonnen – darunter gar zweistellig gegen den souveränen Leader SCL Tigers. Und die Oberaargauer hatten 45 Stunden Pause nach ihrem Heimspiel am Freitag gegen Martigny. Die Oltner hingegen hatten zuletzt drei empfindliche Niederlagen einstecken müssen und standen gut 16 Stunden nach ihrer Rückkehr aus La Chaux-de-Fonds schon wieder in einer fremden Halle auf dem Eis.

Eklatante Dominanz
Beim EHCO war auf der Schoren aber weder von Müdigkeit noch von einer Formbaisse etwas zu erkennen. Im Gegenteil. Als wären nicht die Langenthaler, sondern die Oltner selber zuletzt von einer Erfolgswelle getragen, dominierten die Gäste ihren Gegner nach Belieben und sorgten für den ersten Derby-Auswärtssieg in dieser Saison. Schon im ersten Drittel war Oltens Dominanz eklatant, und der 1:1-Zwischenstand nach 20 Minuten war schlicht ein Witz. 19:5 lautete das Schussverhältnis, SCL-Keeper Marc Eichmann hatte also viermal mehr zu tun als sein Gegenüber Michael Tobler.

Aber weil die Oltner im Abschluss wieder mal schwer sündigten – Philipp Wüst scheiterte in der 13. Minute mit fünf gegen vier gleich zweimal innerhalb weniger Sekunden an Marc Eichmann, ebenso Codey Burki in der 15. Minute –, blieb es bei einem einzigen Tor. Dieses erzielte Philipp Wüst bereits nach 49 Sekunden in Überzahl, weil Mike Küng nach nur gerade neun Sekunden wegen übertriebener Härte auf die Strafbank geschickt worden war. Die Langenthaler ihrerseits glänzten mit Effizienz: Mit seiner einzigen Chance kam der Gastgeber nach einem Gegenstoss durch Stefan Tschannen zum 1:1.

Magistrales Mitteldrittel
Kurioserweise fielen die Oltner Tore dann just zu einem Zeitpunkt wie reife Früchte, als die Langenthaler die Partie etwas ausgeglichener gestalteten und durch Brent Kelly in der 21. Minute gleich zwei dicke Chancen hatten. Innerhalb von 245 Sekunden zogen die Gäste dank Toren von Justin Feser (27. Minute), Shayne Wiebe (27.), Raffael Lüthi (30.) und Sami El Assaoui (31.) auf 5:1 davon. Magistral war jedoch nicht nur das Mitteldrittel, sondern auch Oltens Powerplay. Drei der fünf Tore – das 1:0, 2:1 und 5:1 – schossen die Oltner, als sie einen Mann mehr auf dem Eis hatten. In der vergangenen Saison hatten sie ihren Gegnern während der langen Siegesphase mit effizientem Überzahlspiel das Fürchten gelehrt. Auf der Schoren waren die Powerplay-Könige (endlich) wieder zurück.

Derweil konnten die Langenthaler kurz nach dem 1:6 durch Tim Weber im Schlussdrittel während 106 Sekunden mit fünf gegen drei spielen, als Romano Pargätzi und Sami El Assaoui auf der Strafbank sassen, ohne jedoch etwas Zählbares zustande zu bringen. Es war fünf Tage nach dem Galaabend gegen die SCL Tigers definitiv nicht der Abend der Oberaargauer, die nach dem 1:4 gar ihr Goalie-Idol Marc Eichmann durch Marco Mathis ersetzten. Doch schon am Dienstag haben sie im Kleinholz die Chance, sich für die misslungene Derbyvorstellung zu rehabilitieren. «Wir werden bestimmt disziplinierter auftreten und besser fokussiert sein», schickte SCL-Interimstrainer Jason O’Leary eine Warnung Richtung Olten. 

Von Müdigkeit keine Spur
«Wir sind Profis – da sind zwei Auswärtsspiele innerhalb von 21 Stunden eine reine Kopfsache», wischte EHCO-Topscorer Marco Truttmann nach dem Spiel die Frage nach der Müdigkeit wegen der kurzen Nacht nach dem Match in La Chaux-de-Fonds routiniert weg. Um im gleichen Atemzug anzufügen: «Offensichtlich waren wir besser im Rhythmus als Langenthal.» Dass es so lange bis zur Vorentscheidung ging, machte sein Team nicht nervös: «Natürlich hätten wir schon nach dem ersten Drittel mindestens 3:1 führen müssen. Doch danach haben wir noch gezielter geschossen und den Puck noch besser vors Tor gebracht.» Hinsichtlich der Revanche vom Dienstag beginne jedoch alles wieder bei null, so Truttmann. «Aber ich hoffe natürlich, dass nun noch mehr Zuschauer ins Kleinholz kommen.»

EHCO-Verteidiger Remo Meister war der Ansicht, dass «wir unsere Beine mehr bewegt und so einen grösseren Speed draufgehabt haben.» Das offensive Feuerwerk im Mitteldrittel führte Meister darauf zurück, «dass wir weiterhin konsequent aufs Tor schossen. Manchmal muss man das Glück eben erzwingen.» Weil EHCO-Trainer Heikki Leime gegenüber dem Vortag alle vier Verteidiger-Paare änderte, spielte Remo Meister erstmals mit Tim Grossniklaus. «Der Trainer hat die Veränderungen nicht begründet. Aber er wollte nach den letzten Niederlagen wohl etwas frischen Wind in die Mannschaft bringen.» Was ihm angesichts des Oltner Kantersiegs glanzvoll gelungen ist. (von Markus Angst) 

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