Freitag, 28. April 2017

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Aufbaugegner Thurgau – das war einmal


Der EHC Olten muss sich beim NLB-Schlusslicht mit 3:6 diskussionslos geschlagen geben.

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Topscorer Derek Damon findet die Lücke und erzielt das 2:1 für Hockey Thurgau. (Bild: Adriana Gubler)

«Wie auf einem Sonntagsausflug»
Nebst dem Kollektiv gab es im Thurgau einen klaren, wenngleich unschuldigen Verlierer aufseiten der Oltner: Thomas Bäumle. Während die vielen verletzungsbedingten Absenzen die Nominationen der Feldspieler quasi vorgeben, spitzt sich der Kampf um die Nummer 1 auf der Goalieposition kurz vor den Playoffs zu. «Bäumle oder Tobler» lautet die Frage für Trainer Heikki Leime, so gesehen musste Bäumle mit den fünf Gegentreffern beim Schlusslicht einen Dämpfer hinnehmen. Er sei aber keinesfalls verärgert über die mangelnde Unterstützung seiner Teamkollegen, meinte er relativ gelassen: «Ich versuche, meinen Job zu machen, egal, wie meine Vorderleute spielen. Würde mir das nicht passen, müsste ich zum Einzelsport wechseln», sagte Bäumle. Der edlen Zurückhaltung zum Trotz hob er aber den Mahnfinger bezüglich der Leistung seiner Mannschaft. «Wir waren heute nicht parat, ich bin mir vorgekommen, wie auf einem Sonntagsausflug.»

Damit bestätigte Thomas Bäumle den Eindruck, welchen man als neutraler Beobachter während der 60 Minuten zuvor erhalten hatte. Der Wille, drei Spiele vor Qualifikationsschluss alles in die Waagschale zu werfen, fehlte gänzlich. «So spielt man Playoffs», schickte Bäumle ein Lob in Richtung des Gegners, welcher sich mit dem Vollerfolg bis auf einen Punkt an die spielfreien GCK Lions herankämpfte. «Thurgau hat verdient gewonnen, weil es in allen Belangen besser war als wir. Für uns gilt es, den Schalter umzulegen» – ansonsten, legte er nach, sei die Saison ähnlich früh zu Ende wie im letzten Jahr.

Nur: Auch damals sprachen alle von diesem ominösen Schalter, davon, in der entscheidenden Phase den nötigen Zacken zulegen zu können. Klappt es diesmal denn tatsächlich? «Daran zweifle ich nicht», erwiderte Thomas Bäumle selbstbewusst. «Wir haben viel Qualität, jeder kann ein Brikett drauflegen. In den Playoffs wird es für alle Teams hart, doch für uns, und damit für gute Playoffs, spricht nicht zuletzt auch der Teamgeist.» Doch, und davon ist auch Bäumle überzeugt: Zwei weitere Auftritte, wie jener gestern im Thurgau, mag es gegen Langnau und Ajoie nicht mehr leiden. Sonst wird mit dem Umlegen des Schalters definitiv nichts. (von Michael Forster)

Thurgau – Olten 6:3 (2:1, 2:1, 2:1) 
Güttingersreuti. – 930 Zuschauer. – SR: Durussel/Mollard, Jetzer/Pitton. – Tore: 8. Damon (Andersons, Schmutz) 1:0. 11. (10:30) Schneuwly (Hirt, Pargätzi) 1:1. 12. (11:15) Damon (Eigenmann, Schmutz/Ausschluss Wüst) 2:1. 22. Rohner 3:1. 27. Wüst (Pargätzi/Ausschluss Bahar) 3:2. 35. Spurgeon 4:2 (Ausschluss Eigenmann!). 51. Spurgeon (Wichser, Damon/Ausschluss Weber) 5:2. 58. Truttmann (Courchaine, Schwarzenbach/Ausschluss Maier) 5:3. 60. (59:01) Bahar (Rohner, Kühni/Olten ohne Torhüter) 6:3. – Strafen: 4-mal 2 Minuten gegen Thurgau, 7-mal 2 Minuten gegen Olten.
Thurgau: Nyffeler; Winkler, Büsser; Kühni, Maier; Urech, Bloch; Mettler; Bahar, Damon, F. Lemm; Andersons, Spurgeon, Rohner; A. Lemm, Küng, Bischofberger; Wichser, Fuhrer.
Olten: Bäumle; Meister, Pargätzi; Ganz, Parati; Schnyder, El Assaoui; Bagnoud; Schwarzenbach, Courchaine, Truttmann; Wüst, Weber, Wiebe; Wüthrich, Schneuwly, Hirt; Lüthi, Studer, Aeschlimann.
Bemerkungen: Thurgau ohne Weber, Blasbalg, Roos (alle verletzt), Irmen (überzähliger Ausländer) und Hüsler (überzählig); Olten ohne Marolf, Schild, Ulmer, Ruhnke, Brunner, Burki (alle verletzt) und Feser (überzähliger Ausländer). Damon und Pargätzi als beste Spieler ihres Teams ausgezeichnet. 57:30 Timeout Olten. Olten ab 58:00 bis 59:01 ohne Torhüter.

Zweimal in dieser Saison hatte sich Hockey Thurgau als «idealer Aufbaugegner» (Originalton Adrian Fetscherin, Geschäftsführer der Ostschweizer) für die Oltner erwiesen: nach drei Niederlagen zu Saisonbeginn sowie im ersten Spiel nach der Ära Scott Beattie. Es waren zwei deutliche Auswärtssiege zur richtigen Zeit für den EHC Olten, der am Sonntag mit einem erneuten Vollerfolg die noch immer recht kleine Chance auf das Playoff-Heimrecht hätte wahren können. Es zeigte sich aber bald, dass die Gäste mit einem dritten Entgegenkommen nicht mehr rechnen konnten. Schliesslich ging es für Thurgau um deutlich mehr, sprich die Qualifikation für die Playoffs.

Und dies war in der Güttingersreuti ganz offensichtlich das bessere Argument. Zwar gehörte die erste elegante Aktion des Abends Tim Weber, doch der Oltner verpasste die Führung nach einer Zeigerumdrehung ebenso wie zwei Minuten später Diego Schwarzenbach, welcher im letzten Moment – allerdings nur mittels Stockschlag – gebremst werden konnte. Weil das Kombinationsspiel zu wenig gut funktionierte und auf der kämpferischen Ebene ein mehr als ebenbürtiger Gegner wartete, versuchte man es beim EHCO immer wieder mit Distanzschüssen. Doch ohne Erfolg, weil einige Versuche das Ziel knapp verfehlten oder dann eine Beute von Dominic Nyffeler wurden. 

Damon trifft doppelt
Mit Schüssen aus der Distanz erfolgreich waren dagegen die Thurgauer. Zuerst profitierte Topscorer Derek Damon davon, dass ihn die Oltner Paradelinie gewähren liess, und dann doppelte er in Überzahl nach. Diesmal profitierte der Kanadier von der perfekten Mitarbeit seiner Linienkollegen, welche EHCO-Keeper Thomas Bäumle komplett die Sicht nahmen. Das 2:1 symptomatisch für den gesamten gestrigen Auftritt der Oltner, welche die besten Plätze meistens dem Gegner überlassen mussten und zu wenig überzeugt und konsequent für ebenjene Positionen arbeiteten. Dabei war die Welt zwischenzeitlich wieder in Ordnung für den Tabellenfünften, der, nach einem Missverständnis in der Thurgauer Defensive, durch Cédric Schneuwly zum 1:1 ausgleichen konnte.

Daneben gaben jedoch die Gastgeber den Ton an, verbuchten ein deutliches Plus an Chancen und gingen, kaum war in Abschnitt zwei wieder angespielt, folgerichtig mit 3:1 in Führung. Allerdings halfen die Oltner kräftig nach, mit einem ärgerlichen Puckverlust an der Bande und dem anschliessenden Ablenker von Fabian Ganz ins eigene Tor. Doch Fehler passierten auch aufseiten der Ostschweizer. Nyffeler, ansonsten ein solider Rückhalt, griff in der 27. Minute daneben und ermöglichte Philipp Wüst den Anschluss zum 2:3. Es war ein frühes, letztes Aufflackern der Gäste, welche mit dem 2:4 nach 34 Minuten, kassiert in Überzahl (es war bereits der vierte Shorthander der Thurgauer in dieser Qualifikation gegen Olten), noch gut bedient waren: Diego Schwarzenbach verlor an der gegnerischen blauen Linie die Scheibe an Thurgau-Ausländer Tyler Spurgeon, und dieser stellte den 2-Tore-Vorsprung im Alleingang wieder her. Dass der Kanadier sogar noch einen mitlaufenden Kollegen hätte bedienen können, zeigt, wie ungenügend das Rückwärtsorientieren auch in dieser Szene wieder war. 

EHCO zu nonchalant
Auf die längst fällige Reaktion der Gäste wartete man im letzten Abschnitt vergebens. Alain Bahar, Andreas Küng, Toms Andersons und Tyler Spurgeon vergaben im Minutentakt, ehe letzterer doch noch traf – und mit seinem Powerplay-Treffer nach 51 Minuten die Entscheidung herbeiführte. Zwar verkürzte Marco Truttmann in Überzahl noch einmal auf 3:5 und traf damit auch im sechsten Aufeinandertreffen mit Thurgau zumindest einmal. Am Gesamteindruck, dass die Gäste den Auftritt in der Ostschweizer viel zu nonchalant angingen und damit leichtfertig den Sprung auf Rang vier in der Tabelle vergaben, änderte dieses persönliche Erfolgserlebnis nichts mehr – zumal Bahar eine Minute vor Schluss gar noch zum 6:3 traf. Damit hatten die Oltner in diesem wohl letzten Vergleich mit Thurgau gleich viele Tore kassiert wie in den fünf Spielen zuvor in dieser Saison. (von Michael Forster)

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