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«Was uns fehlt, ist ein Götti»


EHC-Olten-Präsident Benvenuto Savoldelli äussert sich im Interview über die NLB, den Aufstieg in die NLA und die Konsequenzen.

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«Ich will nicht sagen, dass wir den Aufstieg in die NLA nicht mit aller Konsequenz angehen», sagt Benvenuto Savoldelli. (Bild: Hr. Aeschbacher)

Den EHCO in stille Gewässer geführt
19 Jahre lang ist Benvenuto Savoldelli, der Oltner Stadtrat mit einem eigenen Büro als Rechtsanwalt und Notar, bereits für den EHC Olten tätig – seit 2009 als Verwaltungsrats-Präsident. Seit dem Eintritt 1996 hat er mitgeholfen, den Verein vor dem Konkurs zu retten und in finanziell stille Gewässer zu führen. Für die Zukunft der NLB erachtet er eine Reduktion der NLA auf 10 Mannschaften als einzig richtige Lösung: «Dann hätte man eine attraktive NLB – doch genau das wollen die NLA-Vereine natürlich nicht.» Immerhin traut er Aufsteiger Winterthur jede Menge zu. «Wenn sie nicht gerade hinten abfallen, könnte eine Euphorie entstehen. Mit der Stadt haben sie Potenzial, zudem verfügen sie über eine schöne Halle.» (MF)

Ist man zufrieden, ein guter NLB-Verein zu sein? 
Man ist sicher glücklich, wenn man ein guter NLB-Verein ist. Aber das kann ja nicht das Ziel sein. 

Sondern?
Wenn man ehrlich sein will: Mit den Fortschritten der letzten zehn Jahre, muss das Ziel, früher oder später, einmal NLA lauten. Wenn wir uns ständig an der Spitze aufhalten und jedes Mal den Final erreichen würden – ob wir denn einen davon gewinnen, ist eine andere Frage –, werden die Leute schon langsam unruhig. Man muss immer nach Höherem streben. 

Wie nimmt man den Mann im Stadion wahr: Will er rauf, oder eben gerade nicht?
Es ist unterschiedlich. Ich höre oft Leute die sagen, lieber in der NLB vorne mitzuspielen als in der NLA hinten ab zu sein und finanziell wieder kaputt zu gehen. Dann gibt es solche, die ganz klar die NLA zum Ziel haben. Es wäre natürlich eine ganz andere Liga, mit anderen Gegnern und einem anderen Reiz. Nichts gegen GC oder Thurgau, aber es ist sicher etwas ganz anderes, gegen Bern oder Zürich spielen zu können.

In Olten verfolgte man in der Mittel- bis Langfristplanung einst einen 5-Jahres-Plan. Der dürfte mittlerweile ausgelaufen sein.
Nein, nein, der ist noch nicht ausgelaufen (lacht). Das war vor rund zwei Jahren, als man den erwähnte.

Das bedeutete dann, dass man immer noch auf Kurs ist?
Wir müssen uns sicher einmal festigen, dass wir regelmässig unter die ersten vier kommen und zumindest den Halbfinal erreichen. Wir waren zweimal im Final, vordere Saison schieden wir im Viertelfinal aus. Es gilt, sich sportlich zu festigen, bevor man vom Aufstieg spricht. Sollte ein Zufallsaufstieg resultieren, weiss ich nicht, ob das nachhaltig wäre.

Gewisse Leute wollen ein hörbares Aufatmen gespürt haben nach der Niederlage gegen SCL Tigers im siebten Finalspiel?
Angenommen, wir hätten die Finalserie gegen die SCL Tigers gewonnen und wären auf Rapperswil in der damaligen Form getroffen, so wären die Chancen auf einen Aufstieg wohl nicht allzu schlecht gestanden. Er wäre aber ganz klar ein paar Jahre zu früh gekommen. Wir hatten zuletzt riesige Investitionen mit dem Stadionumbau, haben die Matchuhr gekauft, ins Stadion und jetzt auch noch in die Fondue-Tribüne investiert. Auch sie kostet uns eine halbe Million. Im Moment findet ein Umbau statt, weshalb jetzt für einen Aufstieg nicht der richtige Zeitpunkt gewesen wäre. Hätte es hingegen geklappt, hätten wir die neuen Anforderungen angepackt und versucht, in der NLA das Beste daraus zu machen.

Sie haben all die Investitionen angetönt: Trägt man die mit links oder bedeuteten sie eine echte Belastung für den Verein?
Alles, was wir in den letzten zehn Jahren versuchten, zur Seite zu legen, wurde jetzt investiert. Es ist ein riesengrosser Betrag für einen Sportclub von unserer Grösse. Aber es ist eine Investition in die Zukunft.

Fühlt man sich denn im Moment in der NLB noch am richtigen Ort?
Wenn wir vorne mitspielen, schon, sonst nicht. Das Ziel muss es wirklich sein, dass wir uns jedes Jahr steigern können.

Liegt denn in der NLB überhaupt noch eine Steigerung drin? Immerhin hatte man im Playoff-Final gegen Langnau dreimal ausverkauftes Haus.
Absolut, wenn die Gebäudeversicherung die Vorschriften ein wenig lockern würde. Ich kann das zu wenig beurteilen, doch ein Fachmann bestätigte mir gegenüber, dass, so, wie das Stadion ausgebaut ist, eigentlich 11 000 Leute Platz fänden. Wenn man nur 6200 Zuschauer reinlassen kann, ist das schon bescheiden. 

Sieht man denn Möglichkeiten, diese Zahl zumindest ein wenig nach oben zu korrigieren – oder handelt es sich hierbei um eine starre Kapazität?
Vielleicht nach Abschluss der Arbeiten am Nordtrakt, mit zusätzlichen Notausgängen, dass wir vielleicht noch ein bisschen mehr Leute reinlassen können. Ich bin aber nicht allzu optimistisch, wie auch das Beispiel Fondue-Tribüne zeigt. Obwohl sie jetzt 20 Jahre lang stand und nie etwas passierte, mussten wir sie abreissen, um wieder etwas Gleiches zu bauen. In Stahl, für eine halbe Million.

Wie steht es denn um den einst angedachten VIP-Bereich oberhalb der Längsgeraden – ist dieser vom Tisch?
Im Moment hat man das nach hinten geschoben. Man hätte in die Dachkonstruktion eingreifen müssen, das wäre teuer geworden. Dass wir weitere «VIP-Räumlichkeiten» haben müssen, ist uns bewusst. Man kann nur mehr Geld einnehmen, wenn man Leuten, die bereit sind, mehr auszugeben, auch etwas bieten kann.

Die Platzverhältnisse auf dem Kleinholz-Areal gaben und geben immer wieder zu Diskussionen Anlass. Könnte man diesbezüglich in der NLA überhaupt bestehen?
Nein, wir müssen unbedingt mehr Platz haben. Es gab ja das Projekt, auf dem Boden des jetzigen Curling-Restaurants die Treppe respektive den Zugang vom öffentlichen Eislauf zum Stadionrestaurant zu machen. Das wäre ideal gewesen, das hätte die Wege verkürzt. So, wie sich das Ganze von den Platzverhältnissen her im Moment für uns präsentiert, ist es alles andere als optimal. 

Jetzt wäre zumindest die Curlinghalle frei, respektive der Platz, auf dem sie steht.
In diesem Jahr können wir sie nutzen als Übergangslösung, allerdings muss das Heimfallrecht ausgeübt werden. Da streiten sich die Sportpark AG und der Curlingclub um den Betrag, das wird wohl noch eine Weile dauern. Wenn wir die Halle übernehmen könnten, wäre das natürlich super.

Wo liegt die Gefahr, wenn man den Aufstieg jetzt nicht mit aller Konsequenz angeht?
Ich will nicht sagen, dass man ihn nicht mit aller Konsequenz angeht. Die Mannschaft will gewinnen. Ob es wirtschaftlich tragbar ist, ist etwas anderes. Was uns fehlt, ist ein Götti. Bern finanziert sich selber mit dem Gastrobetrieb, die anderen Vereine haben einen Götti, der am Schluss das Portemonnaie öffnet und den Fehlbetrag deckt. Das haben wir nicht, und genau das ist die Problematik. Wir finanzieren uns selber. Bis zu einem gewissen Betrag geht das, wir haben dieses Jahr wieder einen rechten Sprung gemacht bei den Einnahmen. Wenn man aber ein NLA-Budget stemmen will, so braucht es ganz einfach einen Götti – oder noch besser deren zwei.

Ist denn tatsächlich kein Götti in Sicht – oder tauchte der auf, sollte man den Aufstieg realisieren?
Das weiss ich nicht, ich hoffe es (lacht). Dass wir heuer in den Final gekommen sind, ist auch ein Segen. Es gibt sie noch, die Gerechtigkeit im Leben. Wir haben genau in diesem Jahr das Geld gebraucht, Investitionen zu tätigen, sind relativ weit gekommen und es hat doch ein wenig eingeschenkt.

Bewegt man sich budgetmässig in Richtung fünf Millionen?
Das ist schwierig zu sagen. Wir budgetieren ja immer ohne Playoffs und liegen deshalb meist relativ tief. Wenn wir weit kommen, schenkt es ein. Wenn wir die NLA anstreben wollen, müssen wir gegen sechs Millionen kommen. Aber es ist hart, neue Sponsoren zu finden. Wir grasen mehr oder weniger die ganze Gegend ab, es ist nicht ganz einfach.

Würden Sie sich denn ein NLA-Abenteuer in Ihrer jetzigen Position antun?
Das kommt darauf an, wie alt ich bin. Nächstes Jahr feiere ich das 20-jährige Jubiläum beim EHC Olten, da wäre es schon einmal an der Zeit, aufzuhören ...

... oder dass der EHC Olten aufsteigt.
Genau, das auch (lacht). 

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