Mittwoch, 23. August 2017

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Drei Punkte, aber kein Geld für Beattie?


Ein starker EHC Olten besiegt in einem spektakulären NLB-Match die GCK Lions 5:4. Fast so interessant wie das formidable Spiel sind die juristischen Playoffs neben dem Eis. Denn die Oltner haben die Gehaltszahlungen an ihren Ex-Trainer Scott Beattie eingestellt.

BILDER
Cyrille Scherwey (links) klärt gegen GCK-Akteur Jari Allevi und läutet den Gegenangriff ein. (Bild: André Grossenbacher)

GCK Lions - Olten 4:5 (1:2, 1:2, 2:1)
KEB Küsnacht. – 280 Zuschauer. – SR: Boverio, Ambrosetti/Jetzer. – Tore: 2. Neuenschwander (Schmidli, Bryan) 1:0. 12. Wüst (Wüthrich) 1:1. 14. Hürlimann (Ulmer, Wüst) 1:2. 29. Wüst (Ulmer, Hürlimann) 1:3. 29. Foucault (Ulmann, Schmuckli) 2:3. 34. Feser (Wiebe) 2:4. 43. Ulmer (Hürlimann) 2:5. 51. Miranda (Prassl) 3:5. 52. Diem (Luchsinger) 4:5. – Strafen: je 4-mal 2 Minuten.
GCK Lions: Leimbacher, Guntern; Sørvik, Luchsinger; Peter, Schmuckli; Maurer, Breiter; Oejdemark; Sitje, Ulmann, Foucault; Schmidli, Diem Ramón, Neuenschwander; Bachofner, Nägeli, Allevi; Miranda, Prassl, Puntus.
Olten: Mischler, Huber; Pargätzi, Ganz; Meister, Kobach; Bagnoud, El Assaoui; Schnyder; Wiebe, Feser, Hirt; Schwarzenbach, Schneuwly, Truttmann; Wüst, Hürlimann, Ulmer; Wüthrich, Dal Pian, Scherwey; Huber.
Bemerkungen: GCK Lions ohne Senteler, Suter, Molina, Schlegel (alle ZSC Lions), Hunziker, Diem Dominik, Hinterkircher und Braun (alle verletzt). Olten ohne Burki (verletzt), Morini, Aeschlimann und Ast (alle überzählig). 59:10 Time-Out GCK Lions. GCK Lions ab 58:34 ohne Torhüter. 

Es ist ein Paradoxon der Hockeygeschichte, dass jenes Team, das am spektakulärsten spielt, niemand sehen will. Gerade mal 280 waren gekommen, um die jungen, wilden GCK Lions gegen den grossen EHC Olten zu sehen. Die Unentwegten sahen, wie meistens, ein enorm schnelles Spiel. Das Tempo in lichten Augenblicken sicherlich so hoch wie in der NLA, und es gab dazu ein Finale mit viel Adrenalin. Die Gäste, die für den Leichtsinn nach der 5:2-Führung mit zwei Gegentreffern bestraft worden waren, behielten ob dem gegnerischen Ansturm kühlen Kopf und brachten das 5:4 mit bemerkenswerter Coolness über die Zeit. 

Bei den Oltnern wird eine vielversprechende Entwicklung von einem guten zu einem grossen NLB-Team in ersten Umrissen erkennbar. In der NLB reichen in der Regel überdurchschnittliche Ausländer für das Prädikat «gute Mannschaft.» Eine grosses NLB-Team kann hingegen mit drei Linien offensive Akzente setzen. In diese Richtung entwickelt sich Olten. Die beiden in einer Linie zusammengefassten jungen kanadischen Stürmer Shayne Wiebe und Justin Feser sind tüchtige ausländische Arbeitnehmer – aber ohne das Charisma der grossen Leitwölfe.

Hürlimann, der «Königstransfer»
Gegen die GCK Lions hat eine rein helvetische Formation zum Tanz aufgespielt: der von Stefan Hürlimann geführte Sturm mit Philipp Wüst und Martin Ulmer auf den Aussenbahnen. Wüst dürfte mit seinem geradlinigen Tempospiel einer der schnellsten NLB-Stürmer sein, und diese Partie gegen die GCK Lions hat einmal mehr gezeigt, dass der Zuzug von Hürlimann der «Königstransfer» der Oltner ist. Der ehemalige Captain der Rapperswil-Jona Lakers hat als Leitwolf einen ähnlichen Einfluss aufs Spiel wie Martin Plüss beim SC Bern.

Und schliesslich haben die Oltner ja noch einen schlummernden Titanen in der Offensive. Marco Truttmann, der NLB-Topscorer der Saison 2012/13. Er buchte gegen die GCK Lions nicht und auf seinem Statistikblatt finden wir nach vier Partien «nur» ein Tor und einen Assistpunkt. Was auch damit zusammenhängt, dass er nicht, wie es sonst sein Privileg war, neben einem ausländischen Stürmer über die Aussenbahnen fegen darf. «Er könnte neben den Ausländern spielen», sagt Trainer Heikki Leime. «Aber er macht sich eben auch sehr gut neben Schneuwly und Schwarzenbach.»

Der wilde Brecher Cédric Schneuwly und dazu Diego Schwarzenbach und Marco Truttmann, zwei Philosophen des Skorens, beide einen Kopf kleiner als Schneuwly – daraus könnte schon ein Trio Grande werden. Und wenn es dem finnischen Trainer gelingt, im Laufe der Qualifikation drei feuerkräftige Linien einzuschulen – dann ist Olten in den Playoffs ein grosses Team. 

Juristische Playoffs
Neben dem Eis haben die Playoffs für den EHC Olten sowieso schon angefangen. Juristische Playoffs. Am 21. November 2014 ist Scott Beattie als Cheftrainer abgesetzt worden. Da sein Vertrag bis Ende der Saison 2017/18 läuft, erhält er nach wie vor seinen Lohn. Nun sind offensichtlich die Playoffs eröffnet worden. Geschäftsführer Peter Rötheli war für eine Stellungnahme zwar nicht erreichbar. Er kehrt erst am Montag von einer Auslandreise zurück. Und Sportchef Jakob Kölliker weiss von nichts. Es hat sich ja alles vor seiner Zeit zugetragen.

Aber wie verlässliche Gewährsleute aus der Altstadt melden, hat Olten vor zwei Monaten die Gehaltszahlung eingestellt. Es ist ein schlaues, aber riskantes Vorgehen: Vielleicht bringt man so Scott Beattie dazu, in eine kostengünstige Auflösung des Vertrages einzuwilligen und auf einen Teil des Geldes zu verzichten. Aber es kann auch anders kommen. Was, wenn der zornige Ex-Trainer mit seinem wasserdichten Arbeitsvertrag den Rechtsweg beschreitet? Das könnte die Oltner teuer zu stehen kommen. (von Klaus Zaugg)

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