Sonntag, 28. Mai 2017

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Eine unglaubliche Aufholjagd


In einer verrückten NLB-Partie schafft der EHC Olten nach einem Hattrick Remo Hirts die für unmöglich geglaubte Wende und bezwingt Visp mit 5:4 nach Verlängerung.

BILDER
Oltens Stürmer Sami El Assaoui (links) versucht gegen den Visper Torhüter Matthias Schoder das «Buebetrickli». (Bild: Gerry Frei)

Olten – Visp 5:4 n.V. (0:1, 0:3, 4:0, 1:0)
Kleinholz. – 3043 Zuschauer. – SR: Clément/Dipietro, Gnemmi/Rohrer. – Tore: 10. Rapuzzi (Aliholdzic, Wollgast) 0:1. 32. Bast (Rapuzzi) 0:2. 34. Neher (Schmutz) 0:3. 35. Dolana (Botta, Brunold) 0:4. 50. Hirt (Ulmer, Ast/Ausschluss Furrer) 1:4. 53. Hirt 2:4. 54. (53:44) Hirt (Feser, El Assaoui) 3:4. 55. (54:47) Hürlimann (Ganz) 4:4. 63. Feser (Pargätzi, Wüst) 5:4. – Strafen: Je 6-mal 2 Minuten.
Olten: Mischler; Ganz, Pargätzi; Kobach, Ast; Bagnoud, El Assaoui; Schnyder; Meister; Wiebe, Feser, Hirt; Schwarzenbach, Schneuwly; Truttmann; Wüst, Hürlimann, Ulmer; Scherwey, Dal Pian, Wüthrich.
Visp: Schoder; Leu, Geiger; Bucher, Wollgast; Guyenet, Heynen; Wyssen, Montandon; Altorfer, Bast, Furrer; Dolana; Brunold, Botta; Schmutz; Neher, Rapuzzi, Burgener, Privet, Alihodzic.
Bemerkungen: Olten ohne Burki (verletzt), Aeschlimann, Huber und Paolo Morini (alle überzählig). Visp ohne Wiedmer (verletzt). 15. Pfostenschuss Rapuzzi, 40. Pfostenschuss El Assaoui. 54. Lattenschuss Wiebe. 35. Time-out Olten. 52. Time-out Visp.

Wenn sich bereits Ende September vier Vertreter der Chefetage aus dem Wallis zu einem Dienstagsauswärtsspiel nach Olten begeben, so ist dies ein Indiz dafür, dass beim EHC Visp früh in der Saison nicht alles am Schnürchen läuft. «Es sieht schlimm aus», stellte sich jedoch EHCO-Captain Stefan Hürlimann nach vierzig Minuten beim Spielstand von 0:4 der unangenehmen Pausenfrage. Nicht bei den Wallisern deuteten die Zeichen zu diesem Zeitpunkt auf Krise – Olten schien klinisch tot und so gut wie bezwungen.

Doch im Schlussabschnitt folgte unter der Führung von Remo Hirt die wundersame Auferstehung: Noch im Frühling hatte der Rücktritt Hirts nach zehn Saisons als so gut wie sicher gegolten – nun zauberte der Ur-Oltner innert weniger als vier Minuten einen Hattrick aufs Kleinholzeis und brachte die Einheimischen im Nu wieder ins Geschäft zurück. Prompt gelang es den nun eklatant überlegenen Oltnern in der Verlängerung das Spiel zu seinen Gunsten zu entscheiden. Mehr Nervenkitzel hätte die Dramaturgie der Partie kaum bieten können.

Verunsicherung abgekupfert
Eigentlich hätte im Vorfeld angenommen werden können, dass bereits nach vier Saisonspielen der Trainersitz von Kim Collins wackeln würde, kamen doch die Visper mit dem ärmlichen Leistungsausweis von zwei Heimniederlagen gegen die Aussenseiter Winterthur und Thurgau in die Dreitannenstadt. Die Lonzastädter hatten den Vertrag mit dem Kanadier unmittelbar vor dem Playoff-Viertelfinal gegen Olten verlängert, worauf sie bekanntlich gegen Powermäuse untergegangen waren.

Mit Blick auf den Saisonauftakt war es nicht überraschend, dass die 3043 Zuschauer in den Anfangsminuten ein überaus verunsichertes Visp zu Gesicht bekamen. Doch Olten traf nicht und zerfiel in der Folge zusehends selbst, kupferte die Verunsicherung der Gäste ab und stärkte gleichzeitig deren Selbstvertrauen. Olten zelebrierte zu Beginn sein aufwendiges Offensivhockey und wollte das Duell mit kunstvollen Kombinationen entscheiden – nur fand der Puck nie den Weg am auftrumpfenden Matthias Schoder im Visp-Tor vorbei.

Totaler Zerfall angebahnt
Die Oltner Dominanz schien Ursprung purer Leichtigkeit, doch der Grat zur Überheblichkeit und der Nonchalance war ein schmaler. So fahrlässig wie Leimes Ensemble in der Offensive mit seinen Möglichkeiten umging, so nachlässig agierten die Oltner in der Defensive, was die Visper nach erstmaliger Führung mit plötzlicher Selbstverständlichkeit ausnutzten. Im Mittelabschnitt bahnte sich der totale Zerfall der Oltner Mannschaft an: Visp nutzte einige der haarsträubenden Fehler Oltens konsequent aus und zog auf 0:4 davon. Die Walliser blühten auf, das Defensivkonzept brachte Oltens Angriffsspiel praktisch zum Stillstand. 

Ein erstes Signal sandte EHCO-Trainer Heikki Leime nach dem 0:4 mit einem Time-out aus, das zweite hatte in der Kabine anlässlich der zweiten Pause seine Wirkung nicht verfehlt. Während zwanzig Minuten schnürten die Oltner die ans Ende ihrer Kräfte gelangenden Visper ein. Auf Remo Hirts Hattrick hin war die Wende einer verrückten Partie nur noch eine Frage der Zeit.

Auch ein bemitleidenswerter Kim Collins konnte mit einem Time-out die Oltner Angriffslawinen nicht bremsen. Stefan Hürlimann glich keine Minute nach Hirts drittem Streich zum 4:4 aus. Olten zeigte den Vispern bis zum Schlusspunkt durch Justin Feser schonungslos die Limiten auf, und kam selbst nur kurzzeitig in Unterzahl nochmals in Schwierigkeiten. (von Yann Schlegel)

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