Mittwoch, 20. September 2017

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Wie ein Falke ohne Killerinstinkt


Der EHC Olten nach der grossen Aufholjagd gegen Visp: Zwischen Stolz und Nachdenklichkeit.

BILDER
Fand die richtigen Worte für seine verschlafene Mannschaft: EHCO-Trainer Heikki Leime. (Bild: Hr. Aeschbacher)

Ueli Huber und Paolo Morini in die 1. Liga
Sowohl Ueli Huber (zwei NLB-Spiele) als auch Paolo Morini kamen bisher nur zu sporadischen beziehungsweise gar nicht zu Einsätzen beim EHC Olten. Die beiden Stürmer werden zwar weiterhin mit der ersten Mannschaft des EHCO trainieren und bleiben somit voll integriert. Um zu Spielpraxis zu kommen, werden sie aber gewisse Spiele in der 1. Liga bestreiten. Ueli Huber wird dabei für Biasca auf Punktejagd gehen, Paolo Morini für den EHC Basel.

In nächster Zeit werden weitere überzählige Spieler folgen, damit alle im Spielrhythmus bleiben und ohne Leistungseinbusse jederzeit ins Team integriert werden können. Im weiteren nimmt Codey Burki voraussichtlich nächste Woche das Eistraining mit dem Team wieder auf. In dieser Woche wagte er bereits erste Versuche auf dem Eis, welche erfolgreich verliefen. Wann Burki genau in den Meisterschaftsbetrieb eingreifen kann, ist hingegen noch offen. (MM)

Es gab Zuschauer, die den Tatort Kleinholz-Stadion schon nach zwei Dritteln vorzeitig fluchtartig verliessen. 0:4 lag der EHC Olten nach 40 Minuten gegen den EHC Visp im Hintertreffen. Besonders angesichts der lamentablen Vorstellung im zweiten Durchgang war das Verhalten besagter Fans irgendwie nachvollziehbar. Und doch war die Schadenfreude derjenigen Anhänger, die durchgehalten hatten, später natürlich umso grösser.

Wer die grosse Aufholjagd der Oltner live miterleben durfte, der ging mit einem besonders ausgeprägten Gefühl der Befriedigung nach Hause. Wie oft sieht man schon eine solche Wende, vom 0:4 zum 5:4 – und das noch in den letzten zehn Spielminuten plus Verlängerung? EHCO-Trainer Heikki Leime war am Tag nach dem Comeback-Triumph immer noch etwas gespalten, wie er die Leistung seiner Mannschaft nun einstufen soll. Da war einerseits natürlich der Beweis, welch Kampfgeist und Moral im Team steckt. Da war andererseits aber auch dieses zweite Drittel, in welchem seine Spieler so ziemlich alle Tugenden vermissen und sich vom Gegner phasenweise vorführen liessen. 

Energie zum Packen fehlt
Was sich seit Saisonbeginn wie ein roter Faden durch die Oltner Auftritte zieht, ist die Tatsache, dass man es nicht fertigbringt, 60 Minuten lang ein konstant hohes Niveau durchzuziehen. Leime verglich die Auftritte seiner Spieler mit dem Verhalten eines Falken ohne Killerinstinkt. «Der Falke ist ein unglaublich eleganter Jäger, der wunderbar und schnell durch die Luft fliegt. Aber wenn er seine Beute im Visier hat, dann packt er gnadenlos zu. Auf unsere Mannschaft übertragen heisst das: Wir fliegen zwar sehr schön übers Eis, aber uns fehlt die Energie, den Gegner im entscheidenden Moment zu packen.» 

Auch deshalb habe er in seiner Kabinenansprache nach dem desolaten zweiten Drittel vor allem an die Emotionen der Spieler appelliert. «Wir haben eigentlich genügend Leute im Team, die diese Energie aufs Feld bringen können.» Entsprechend zufrieden war er mit der Reaktion, welche schliesslich in dieser unglaublichen Aufholjagd mündete. Die fehlende Konstanz seiner Mannschaft bereitet dem Finnen derzeit noch kein Kopfzerbrechen. «Wir sind noch lange nicht perfekt. Das wäre zum jetzigen Zeitpunkt der Saison auch sehr ungewöhnlich. Aber wir schaffen es trotzdem, in jedem Spiel mitzuhalten. Das werte ich als sehr positives Zeichen.»

EHCO als Wundertüte
Tatsächlich gleichen die Oltner, die bisher in allen fünf Spielen gepunktet haben, dieser Tage eher einer Wundertüte. Während Spieler wie der Hattrick-Torschütze Remo Hirt, der mit seinen Treffern vom 0:4 zum 3:4 innert knapp vier Minuten die Grundlage für die Aufholjagd gegen Visp legte, über sich hinauswachsen, haben einige weitere designierte Leistungsträger des EHCO noch erhebliches Steigerungspotenzial: Angefangen bei Goalie Matthias Mischler, der auch gegen Visp nicht über alle Zweifel erhaben war und in 5 Spielen schon 16 Gegentore kassiert hat bis hin zu den beiden Ausländern Shayne Wiebe und Justin Feser – auch wenn Letzterer in der Verlängerung den Siegtreffer erzielte. 

Klar ist: das brachliegende Potenzial gilt es ab jetzt langsam aber sicher auszuschöpfen. Am Samstag wartet der schwierige Gang zum NLA-Absteiger und Leader Rapperswil-Jona Lakers. Und am kommenden Dienstag folgt der Cup-Knaller gegen den EV Zug. Die Oltner Falken müssen zupacken, wenn sie den Favoriten ein Bein stellen wollen. (von Marcel Kuchta)

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