Freitag, 28. April 2017

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«Wir wollen die Liga gewinnen»


Sportchef Köbi Kölliker zieht Bilanz und fordert beim EHC Olten eine Steigerung in allen Bereichen.

BILDER
Der 62-jährige EHCO-Sportchef Köbi Kölliker will den Druck von der Mannschaft fernhalten. (Bild: Bruno Kissling)

Nationalliga B, aktuelle Spiele:
Freitag, 4. Dezember: Visp - Thurgau (19.45 Uhr). Ajoie - Martigny (20.00). Langenthal - GCK Lions (20.00). Olten - Rapperswil-Jona (20.00). La Chaux-de-Fonds - Winterthur (20.00). 

Die Tabelle finden Sie hier.

Welche Note würden Sie der Mannschaft für die erste Qualifikationshälfte geben? 
Köbi Kölliker: Eine 4–5. 

Was hat Ihnen bislang gefallen?
Wenn wir unsere Leistung abrufen, konzentriert spielen, das Engagement da ist, können wir jeden Gegner schlagen in dieser Liga. Zweifellos. Andererseits können wir auch gegen jeden verlieren. Das ist sicher jener Punkt, der den Gesamteindruck trübt.

Woran liegt das?
An der Konstanz. Wir müssen wissen, wer wir sind, woher wir kommen und wohin wir wollen – und, was es dazu braucht. Diese Ziele haben wir definiert. Wir müssen unseren Weg, unsere Leistung, unsere Identität finden, daran mangelt es bestimmt noch ein wenig. Es gibt viele Wege, die zu unserem Ziel führen. Im letzten Jahr hat man ein schönes Beispiel gesehen, als wir erst auf Abwege gerieten, am Ende aber dennoch dort waren, wo wir hin wollten.

Wie lautet denn ein «typisches» Feedback von Ihnen an die Trainer?
Ein wichtiger Punkt ist sicher die hohe Fehleranfälligkeit: Wir machen viel zu viele naive Fehler. Die müssen wir abstellen können, denn daraus entstehen am Ende Gegentreffer. Es ist ein alter Hut, dass es einfacher ist, ein Tor zu verhindern, als eines zu erzielen. Da müssen wir sicher über die Bücher, damit wir konsequenter werden in gewissen Situationen.

Ist die Mannschaft so zusammengestellt, dass sie defensiv so kompakt spielen kann?
Manchmal macht es den Eindruck, dass es viele Künstler hat, dafür fast zu wenig Arbeiter, die hinten dichthalten. Durchaus. Man muss es einfach richtig handhaben. Wenn ein Künstler seine Künste am richtigen Ort anbringt, ist das wegweisend. Sogenannte Arbeiter braucht es in einer Mannschaft sicher auch, doch davon haben wir genügend. Mit Blick auf unser Kader haben wir sicher sieben «Chrampfer» – und fünf Künstler. Wir müssen ganz einfach, wie bereits erwähnt, wissen, wer wir sind, was wir können, und wie wir das umsetzen können. Häufig liegen wir hier in der Einschätzung noch daneben. 

Ist es eine Überschätzung?
Vielleicht auch, bei gewissen Leuten. Deshalb ist es wichtig, dass man zwischendurch eine Ohrfeige kassiert und wieder weiss, wer man ist – und von wo man kommt.

Letzte Saison sollte diesbezüglich eigentlich ein «Lehrblätz» sein. 
Ich hoffe es, ja.

Im Moment fehlt dieser Lerneffekt aber ein wenig.
Jein. Wenn man den 6:3-Sieg in der Ajoie gesehen hat – das war wieder einmal ein ansprechender Match. Ich bin immer sehr kritisch, wenn wir gewinnen. Wenn wir verlieren, drücke ich beide Augen zu und versuche, das Positive herauszunehmen. 

Ist in Olten die Erwartungshaltung zu hoch?
Nein, man muss hohe Ziele haben, ansonsten kommt man nicht weiter. Natürlich muss man zuerst einmal Vierter werden und es in den Playoff-Halbfinal schaffen – aber wir wollen mehr. Wir wollen die Liga gewinnen, alles andere wäre für mich persönlich eine Enttäuschung.

Spüren auch die Spieler ein wenig diesen Druck?
Ich denke schon. Die Spieler sind sich bewusst, weshalb sie hierher geholt worden sind. Jeder will etwas erreichen.

Manchmal wäre, gerade in Olten, etwas mehr Gelassenheit angesagt, anstatt bereits während der Qualifikation unnötig viel Druck aufzusetzen – vor allem auch intern. Wie steht es damit?
Ich spüre auf jeden Fall Druck. Doch es gehört zu meinen Aufgaben, diesen wegzubringen. Vor allem den internen; mit dem externen müssen wir so oder so leben.

Wie nehmen Sie Druck weg?
Es ist es an mir, intern gewisse Dinge zu kommunizieren, negativen Druck und Stimmen zu eliminieren. Auch ich muss mir meine Schritte gut überlegen. Natürlich kann ich nach einem schlechten Spiel in die Kabine, um Dampf abzulassen. Eine Lohnreduktion oder Straftrainings fordern. Zuallererst muss ich mir aber überlegen, was ich der Mannschaft mitgeben kann, damit sie besser wird, sie ihre Leistung bringen kann. Das müssen alle machen. Der Materialwart, der Präsident, der Türsteher, ich als Sportchef. Jeder, der in unserer Organisation mithilft, muss sich Gedanken darüber machen, was er persönlich dazu beitragen kann, damit wir Erfolg haben können. 

Die Forderungen, dass Sie Druck machen, sind also da.
Es sind ein paar Stimmen da, doch das sind keine Forderungen. Aber wir müssen das untereinander offen und ehrlich besprechen und dann schauen, was möglich ist. 

Schauen wir auf die einzelnen Mannschaftsteile. Die Ausländer sind immer ein Thema, sie stehen in der öffentlichen Kritik und waren bislang noch zu wenig konstant. Wie lautet Ihre Einschätzung?
Wie die Leistung des Teams ist auch jene der Ausländer noch zu wenig konstant. Sie haben sehr gute Phasen, aber auch weniger gute. Justin Feser und Shayne Wiebe sind relativ junge Leute auf dieser Position, welche sich ständig entwickeln. Ich habe keine Angst um sie: Sie können ihren Part spielen und ich bin ganz sicher nicht unglücklich, dass wir auf dieser Position so besetzt sind.

Ist ein dritter Ausländer ein Thema? 
Auf jeden Fall. Wir holen aber keinen, um Druck zu machen, sondern, um uns abzusichern. Und er muss uns weiterbringen. Da sind wir seit geraumer Zeit dran. 

Auf der Goalieposition hat sich ein richtiger Zweikampf entwickelt. 
Hier sind wir mit Matthias Mischler und Kevin Huber gut aufgestellt, wir können beide bringen, ohne schlechtes Gewissen. Die zwei werden nur noch besser, wenngleich beide noch nicht auf ihrem Top-Level spielen. In einem neuen Umfeld ist es nie einfach, sich von Anfang an durchzusetzen. Ich habe aber überhaupt kein Bauchweh. 

Ursprünglich hatten Sie Matthias Mischler als Nummer 1 vorgesehen. 
Schon, ja. 

Sind Sie überrascht, wie es jetzt herausgekommen ist? 
Nein. Denn bei Kevin Huber hat man gewusst: Das ist ein guter Goalie, ein Junger, der sich noch nie so recht hat beweisen können. Aber er ist sicher eine gute Nummer 2. 

EHCO-Trainer Heikki Leime sagte zuletzt, er vermisse ein wenig den Leadership innerhalb der Mannschaft. Einen Spieler, der das Heft in die Hand nimmt. Wie sehen Sie das?
Ich weiss nicht genau, was sich in den vier Mauern der Mannschaft abspielt. Wir verfügen sicher über genügend Leader. Doch was ist das genau? Einer, der in der Kabine den Clown spielt und «Let’s go» ruft?

Er hatte wohl eher an Leader auf dem Eis gedacht.
Da ist es natürlich schwierig. Wir sind recht homogen, ausgeglichen aufgestellt und verfügen nicht über eine Superlinie, welche diese Rolle übernehmen könnte. Und doch braucht es auf dem Eis Leader, die hinstehen. Gerade, wenn es nicht läuft. In diesem Bereich haben wir vielleicht tatsächlich Defizite. In Winterthur zum Beispiel, als Marco Truttmann drei Tore erzielte, konnte er diesen Schritt machen. 

Ist es auch die Sache des Trainers, das durchaus vorhandene Potenzial auszuschöpfen?
Klar, die Teamzusammenstellung ist immer ein grosses Thema. Welche Leute forciere ich, wie stelle ich die Mannschaft zusammen, was erwarte ich von den einzelnen Spielern und Rollen? Das ist die grosse Kunst des Trainers. 

Wie beurteilen Sie grundsätzlich seine Arbeit?
Da kann man noch nichts sagen oder kritisieren. Heikki Leime will ein Spielsystem installieren. Das funktioniert noch nicht immer, doch er soll die nötige Zeit bekommen. Am Schluss wird abgerechnet. 

Erkennen Sie denn bereits eine Handschrift?
Auf jeden Fall. Aber wir spielen unser System noch nicht immer gleich konsequent, deshalb fallen wir regelmässig in diese Löcher. Das System ist mir bekannt, ich weiss durchaus, wie es funktionieren sollte.

Passt es denn zu dieser Mannschaft?
Teilweise schon, ja. Teilweise ginge es vielleicht auch anders. Aber Heikki Leime will explizit eine Struktur aufbauen, welche im Spiel zwei, drei Varianten lässt. Auf längere Sicht kann das zum Vorteil werden, man wird unberechenbarer und es ermöglicht, verschiedene Arten Hockey zu spielen. 

Ist es nicht so, dass es die Spieler zuweilen überfordert?
 Das ist möglich. Aber ich will nicht nur das Kurzfristige sehen. Das Ganze ist ein Prozess. Zu denken gibt mir grundsätzlich, dass die Mannschaft in dieser Phase des Jahres, wie schon 2014, in ein «November-Loch» fiel. Das gilt es, auf jeden Fall zu analysieren, gerade auch bezüglich Trainingsaufbau. 

Abgesehen von den Ausländern: Ist grundsätzlich noch etwas geplant in Sachen Transfers?
Nun, dass Codey Burki wohl nicht mehr spielt diese Saison, bedeutet für uns einen grossen Rückschlag. Ein Center dieses Kalibers fehlt Olten. Wenn wir die Lücke mit einem Schweizer Spieler kompensieren können, umso besser. Bei den Ausländern ist der Markt aber viel grösser, Schweizer sind derzeit kaum verfügbar. 

Was ist vom Partnerteam Lugano noch zu erwarten?
Nicht mehr viel. Mit dem Trainerwechsel hat sich die angedachte Planung ziemlich zerschlagen. Wir sind nur schon froh, dass wir «Jack» (Giacomo Dal Pian, Anm.d. Red.) noch behalten können. Man muss sehen: Es ist als NLA-Spieler, als junger zumal, nicht einfach, in der NLB Fuss zu fassen. Es ist verdammt schwierig in dieser Liga, das wird oft unterschätzt. Dafür hat er sich sehr gut entwickelt. Wenn er zurückmüsste, wäre das für uns ganz schlecht. 

Wie ist denn die Integration bei Reto Kobach und Stefan Hürlimann gelungen, die ebenfalls aus der NLA nach Olten gewechselt haben?
Kobach hat sich überraschend schnell adaptiert, Hürlimann hat etwas mehr zu kämpfen. Um ihn habe ich aber überhaupt keine Angst, er wird in dieser Saison noch seinen Part spielen. (von Michael Forster und Marcel Kuchta)

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