Dienstag, 27. Juni 2017

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«Ich habe noch diese und nächste Saison»


Nach einem schwierigen Saisonstart ist Oltens Marco Truttmann «zurück im Geschäft».

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In der Rolle des Scorers sieht sich Marco Truttmann am liebsten. (Bild: ae)

Nach einem Viertel der Qualifikation musste man sich beim EHC Olten Sorgen um Sie machen. Nach dem zweiten Viertel begann sich die Konkurrenz auf einmal Sorgen zu machen wegen Ihnen. Wie schaut es nach dem dritten Viertel aus?
So, wie es jetzt ist, kann es weiterlaufen, es kann vielleicht noch ein wenig mehr kommen.

Normalerweise schimpft man in Olten ziemlich schnell über einen Spieler, wenn er die Erwartungen nicht erfüllt. In Ihrem Fall war man vielmehr besorgt, man hat fast mit Ihnen gelitten. Wieso ist das so?
Das müsste man die Fans fragen. (überlegt) Die wissen ja, was ich kann, wenn alles stimmt. Ich bin einer, für den muss auch das Drumherum stimmen. Da war etwas neben dem Sport; als ich da Klarheit hatte, lief es wieder besser. Man lernt daraus.

Woraus denn?
Es war privat etwas vorgefallen, das hat mich belastet, ich hatte den Kopf nicht frei. Jetzt ist es wieder gut (lacht)

Man sieht als Zuschauer nur die Leistung auf dem Eis. Hat man als Spieler nicht manchmal das Bedürfnis, hinzustehen und zu sagen, wie es genau ist?
Man sollte das Private vom Sport trennen. Wenn nur eine Flasche zerbrochen wäre oder so, dann hätte ich das sicher sagen können.

Innerhalb der Mannschaft wusste man um Ihre Situation?
Einige wussten um meine Probleme, aber ich will nicht, dass sich alle damit beschäftigen müssen.
Wichtig ist ja vor allem, dass die Trainer wissen, woran sie sind. Mit Dino Stecher tausche ich mich regelmässig aus. Ich nehme schon an, dass er das dem Coach weitergegeben hat.

Abgesehen von der Phase zu Beginn dieser Meisterschaft: Ihre Auftritte bewegen sich häufig zwischen Genialität und – empfundener – Lustlosigkeit. Ist da etwas dran?
Nein. Wenn es Lustlosigkeit wäre – das mag von oben so aussehen –, dann müsste ich nicht mehr Eishockey spielen. Vielleicht ist es auch eine gewollte Beeinflussung des Gegners, um dann im richtigen Moment zuzuschlagen.

Also eher eine taktische Massnahme.
Genau. Man muss nicht immer mit 200 Stundenkilometer unterwegs sein, so lange, bis der Gegner das Tempo angenommen hat. Ich bin lieber zwischendurch langsam, um dann, in Scheibenbesitz oder im entscheidenden Moment, Gas zu geben. Damit hat der Gegenspieler mehr Mühe. Es ist auch das Schicksal des Leistungsträgers, dass man von ihm dauerhaft Glanzlichter erwartet. Es sind nun mal die Routiniers oder die Punktelieferanten, an welche man hohe Erwartungen hat. Wobei in Olten grundsätzlich hohe Erwartungen herrschen.

Sie sind bekannt dafür, gewisse Sachen beim Namen zu nennen. Ecken Sie manchmal an mit Ihrer Art? Vielleicht gar bewusst?
Ich habe das immer betont: Es ist besser, offen und ehrlich zu sein, denn alles in sich hineinzufressen. Damit mache ich mich nur kaputt. Wenn mir etwas nicht passt am Spielerischen oder Taktischen, dann teile ich meine Meinung mit dem Coach. Dazu habe ich auch das Recht, und meistens kann man auch darüber reden und eine Lösung finden. Es mag nicht immer gut sein, zu sagen, was man denkt, gerade im ersten Moment. Doch das kann schon am nächsten Tag anders aussehen, wenn beide Seiten darüber nachgedacht haben.

Es entspricht ganz einfach nicht der Schweizer Mentalität.
Meistens sagt niemand etwas und viele trauen sich wohl auch nicht. Wenn ich ein 4.-Linien-Spieler mit zehn Einsätzen pro Spiel wäre, wäre das wohl auch ein wenig anders.

Sie spüren wohl aber auch, dass Ihr Wort in Olten ein gewisses Gewicht hat.
Sicher auch, weil ich spielerisch ein wenig Ahnung habe. Ich habe schon mit Biel viel erlebt: Meistertitel, Liga-Quali und das ganze Drumherum, ich weiss, was es braucht, einen Schritt weiter zu machen. Deshalb will ich auch etwas sagen.

Wie viele von Ihrer «Sorte» mag es leiden in einer Mannschaft?
Wir haben schon fast zu viele davon (lacht) Zwei, drei sind sicher gut, aber zu viele …

… diesen Eindruck konnte man zuletzt durchaus gewinnen!
Es ist schwierig zu sagen. Jetzt ist es an der Grenze. Es braucht vielleicht noch ein wenig mehr Aggressivität im Team; spielerische Qualität hat es genug, mit Hirt, Ulmer, Feser, Diego und mit mir. Wir können alle Tore schiessen. Wir brauchen keinen Jungen aus den Elite-Junioren; einen Typen wie Primeau könnten wir dagegen gut gebrauchen.

Vor allem in Hinblick auf die Playoffs.
Dort brauchen wir Spieler, die uns wirklich weiterbringen können. Stichwort Wasserverdrängung; es kann nicht sein, dass sich Spieler wie ich raufen und Ausschlüsse provozieren müssen. In einem solchen Fall könnte ich meinen eigentlichen Job nicht mehr erledigen.

Allerdings: In den letzten Playoffs stimmte der Mix gar nicht schlecht – ohne zusätzliche Verstärkungen.
Ja, aber da war das System exzellent, defensiv standen wir äusserst kompakt, der Zusammenhalt war super. Damit kommt man weit. Die Wasserverdrängung fehlte aber dennoch. Für die Phase ab Februar sollte die Verpflichtung eines neuen Spielers sicher darauf abzielen.

Ist das etwas, was Sie beispielsweise auch bei Köbi Kölliker platzieren?
Nein. Köbi weiss das, er ist erfahren genug.

Sie waren Playoff-Finalist in Olten, Quali-Sieger, NLB-Topscorer: Sind Sie zufrieden damit, was Sie bislang mit dem EHCO erreicht haben?
Abgesehen von den letzten Playoffs, ja. Ich mag mich aber noch erinnern, dass ich gesagt habe, mit Olten zweimal Meister werden zu wollen. Wenn ich in den letzten Playoffs ein wenig besser gespielt hätte, wäre es vielleicht anders herausgekommen. Aber da kann ich nichts mehr ändern. Jetzt habe ich noch diese und die nächste Saison, ich hoffe, dass es bereits in dieser klappt. Doch die Konkurrenz ist sackstark, Chaux-de-Fonds ist gut, Rappi auch – ich stelle mir nur schon den Halbfinal als Riesenpartie vor.

Ein Titelgewinn ist zumeist ein längerer Prozess, eine schrittweise Annäherung. So gesehen wäre er in der letzten Saison wohl zu früh gekommen: In den Jahren zuvor war man ja nie so richtig nahe dran.
Mit dem Aufstieg ist es dasselbe. Man kann nicht drei Schritte miteinander nehmen. Olten war ja noch nie Meister. Zuerst müssen dieses Ziel erreichen und erfahren, was da alles auf einen zukommt. Auch die Liga-Quali, wird noch einmal eine Riesenherausforderung.

Sie haben das Drumherum angetönt: Spüren Sie denn, dass Olten bereit wäre für eine Liga-Quali, einen Aufstieg gar?
Die Finalerfahrung haben wir jetzt. Schön wäre sicher einmal, einen Meistertitel feiern und die Liga-Quali spielen zu können. Aber ich kann mich noch an meine Zeit in Biel erinnern, als man eine halbe Million investierte, um Spieler extra für diese Phase zu holen. Gute Schweizer, zusätzliche Ausländer. Und doch hat es am Ende nicht gereicht für den Aufstieg. Oder wenn ich an Lausanne denke bei ihrem Aufstieg, die hatten sicher 35 Spieler im Kader. Es braucht schon viel. Und wenn man dann Schweizer Meister ist, nach einer harten Serie, geht es zwei Tage später weiter mit der Liga-Quali. Viele sind am Anschlag, verletzt.

Bezüglich Kadergrösse ist man in Olten bestimmt am unteren Limit.
Es wird vielleicht auch ein wenig unterschätzt, man weiss gar nicht, wie man sich richtig vorbereitet auf die Liga-Quali. (Interview: Michael Forster)

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