Freitag, 21. Juli 2017

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«Wir haben in ein paar Monaten Spass»


Ein Tag auf den Spuren des EHC Olten: Vom Warm-up am Morgen bis zur abendlichen 1:2-Niederlage beim Derby in Langenthal.

BILDER
Die grosszügige Garderobe des EHC Olten: Hier drinnen hat normalerweise kein Aussenstehender etwas zu suchen. Und schon gar kein Fotograf. (Bild: Fabio Baranzini)

Matchtag. Derbytag. Es sind diese Spiele, vor welchen das Kribbeln bei den Spielern schon ein wenig früher beginnt. Wenn um 17.30 Uhr der erste Puck eingeworfen wird im Langenthaler Schoren, sind seit dem ersten Aufeinandertreffen von Spielern und Staff beinahe acht Stunden vergangen. Um 10 Uhr ist offizieller Treffpunkt im Kleinholz. Viele Spieler sind schon deutlich früher anwesend, bereiten sich individuell auf das Warm-up vor.

Cyrille Scherwey kehrt soeben vom Einlaufen im Schnee zurück, andere haben sich für die Indoor-Variante entschieden und absolvieren ihre Einheiten auf einer Stadion-Treppe. Einbeinig, mehrere Tritte gleichzeitig. Noch bevor zum ersten Mal an diesem Tag das Eis betreten wird, lassen sich ein paar Spieler massieren. Doch nur leicht – schliesslich soll die Muskelspannung nicht verloren gehen. 

Details im Fokus
In der Garderobe, in den heiligen vier Wänden jeder Eishockeymannschaft, ist die Stimmung relaxed. Getränke stehen bereit, daneben kleinere Snacks. Einige Akteure nehmen sich scheinbar endlos Zeit beim Ankleiden, ähnlich einem Ritual. Bei anderen geht es schneller. Muss es auch: Pünktlich um 10.45 Uhr geht es los. «Viel muss ich nicht sagen: it’s Langenthal!», fasst sich Heikki Leime kurz. Die Spieler wissen, um was es geht. Der Coach versucht in dieser Phase einzig, sie für Details zu sensibilisieren, auf gewisse Punkte besonders gut zu achten.

Im Warm-up geht es zur Sache. Viel Laufen, viel Tempo, hohe Intensität. 20 Minuten, dann ist Schluss. Leime richtet ein paar Worte an die Spieler. «Wir wissen, dass wir körperlich bereit sind. Aber wir müssen auch mental bereit sein – sonst reicht es gegen diesen Gegner nicht.»

Eine Stunde Freizeit
Nächster Treffpunkt: das gemeinsame Mittagessen im «Salmen». Ein gemischter Salat, eine klare Suppe und Piccata mit Teigwaren und Gemüsebouquet, dazu Kaffee und Süssgebäck. Nach einer Stunde gehen die Spieler ihrer Wege, durch den frisch gefallenen Schnee. Der eine oder andere Schneeballwurf darf nicht fehlen. Es wird gelacht. Die folgenden 90 Minuten sind die einzig freien des Arbeitstages, bevor sich der Mannschaftscar langsam füllt.

Auch jetzt gilt: Alle sind pünktlich, die Abfahrt ist auf 14.45 Uhr festgesetzt. Auf der Anreise, der mit Abstand kürzesten an ein Auswärtsspiel in der NLB, ist es ruhig. Die Spieler legen einen ersten Konzentrationsblock ein, hören Musik, schliessen kurz die Augen. In Langenthal schwört Heikki Leime seine Spieler ein erstes Mal richtig auf den grossen Auftritt am Abend ein. «Achtet auf die Passqualität, die habt ihr in den eigenen Händen.» Der Finne spricht klar und deutlich, emotional, aber doch kontrolliert. «Schlittschuhlaufen, bewegen, schnell reagieren, aufmerksam sein: Das sind Dinge, die heute ganz wichtig sein werden. All das könnt ihr selber beeinflussen. Ihr müsst die Scheibe wollen. Bringt euch ein, unterstützt den Partner. Das sind die Momente der Wahrheit.»

Den Gegner «nicht töten»
Kurz wird es mucksmäuschenstill. Dann spricht Leime weiter, kommt auf die drei Zonen zu sprechen. Das Nicht-aus-den-Augen-Lassen des Gegenspielers in der neutralen Zone zum Beispiel oder das Verhalten vor dem eigenen Tor. «You don’t have to kill him», sagt er über den Gegner, «aber ihr müsst bei ihm sein.» Einmal in Puckbesitz: Ruhe bewahren. Manchmal ist der schnelle Pass nur die zweitbeste Lösung. Die Spieler sitzen ruhig da, einige haben den Kopf in den Händen vergraben. Es folgen entspannte Minuten der individuellen Match-Vorbereitung, mit einem leichten Aufwärmen und dem Einspielen auf dem Eis.

Jetzt kommt die Konzentration, ja die Anspannung in grossen Schritten näher. Auch bei Heikki Leime, welcher den ganzen Tag über einen durchaus entspannten Eindruck machte. «Jetzt kommt der Moment. Steigt mit der grösstmöglichen Freude in jeden einzelnen Einsatz», fordert er. Einzelne Spieler melden sich zu Wort. «Gewinnt die Zweikämpfe», sagt Captain Hürlimann energisch, Fabian Ganz fordert einen guten Start und sagt: «Seid bereit.»

Blicke bleiben unten
In der ersten Drittelspause wird viel diskutiert. Heikki Leime ist zufrieden, fordert aber, vor dem eigenen Tor konsequenter aufzuräumen. Zweite Pause: Soeben wurden fünf Unterzahlminuten schadlos überstanden, nach Justin Fesers Aussetzer und dem üblen Bandencheck gegen Stefan Tschannen. Auf dem Weg zurück in die Garderobe müssen sich Spieler und Trainer nicht ganz druckreife Schimpfwörter von der Tribüne anhören. Doch die Blicke gehen erst gar nicht nach oben. Vielmehr hat die Konzentrationsphase für den letzten Abschnitt bereits begonnen.

Es ist viel ruhiger als in der Pause zuvor. «Beruhigt euch», beginnt Heikki Leime. Herunterfahren. Man ist sich bewusst: Es steht 1:2, aber es ist noch nichts verloren. «Dä holemer no», sagt Fabian Ganz. Am Ende soll es trotz allem nicht sein. Es sei keine Schande, so zu verlieren, sagt Leime ruhig. Die Niederlage, nach sehr intensiven 60 Derby-Minuten schmerzt. Aber sie ist verkraftbar. «Heute haben sie Spass», schliesst Heikki Leime. «Lassen wir sie Spass haben. Wir haben dann in ein paar Monaten Spass.» (von Michael Forster)

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