Sonntag, 25. Juni 2017

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«Es gibt nur noch die Flucht nach vorne»


Der EHC Olten ist mit der drohenden Neuausrichtung der NLB alles andere als glücklich.

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Bald ein Bild der Vergangenheit? NLB-Eishockey – wie hier in Olten – vor vollen Zuschauerrängen. (Bild: Hansruedi Aeschbacher)

Die Mitteilung, die am Donnerstag veröffentlicht wurde, war kurz und trocken: «Neu werden ab Saison 2016/2017 mit den beiden Farmteams EVZ Academy (Zug) und HCB Ticino Rockets (Biasca) zwei neue Teams an der NLB-Meisterschaft teilnehmen», informierte der Schweizerische Eishockeyverband (SIHF) per Communiqué. Die Nationalliga B wird mit diesen beiden neuen Teams endlich wieder zwölf Mannschaften umfassen und ihre Wunschgrösse erreichen.

Was auf den ersten Blick also eine gute Nachricht ist, erweist sich beim zweiten Hinschauen als entzündete Lunte, die ein Pulverfass in die Luft sprengen könnte. Denn längst nicht alle NLB-Teams sind glücklich mit dieser Entwicklung. Allen voran nicht vier Klubs, die ihrem Ärger am Freitag ihrerseits mit einem Communiqué Luft verschafften. Unterzeichnet wurde das Papier von den Vertretern des EHC Olten, der Rapperswil-Jona Lakers, des HC Thurgau und des EHC Visp.

Kein Mitspracherecht
Rädelsführer der ganzen Aktion ist Oltens Geschäftsführer Peter Rötheli. Und der sagt ganz deutlich: «Wir wurden von der Nationalliga über den Tisch gezogen und vor vollendete Tatsachen gestellt. Wir NLB-Teams hatten null Mitspracherecht, obwohl uns das ursprünglich zugesichert worden war.» Für Rötheli stellen sich nach dem Entscheid, Zug und Biasca in die NLB aufzunehmen, einige grundsätzliche Fragen. Zum Beispiel jene der sportlichen Qualität der Liga: «Bleibt die hoch genug, damit die B-Teams auch in Zukunft eine reelle Chance haben, sich unter dem aktuellen Modus gegen ein A-Team durchzusetzen?» Immerhin haben sich mit Biel, Lausanne und Langnau drei Aufsteiger der letzten zehn Jahre inzwischen in der höchsten Liga etabliert. 

Peter Rötheli macht sich auch Sorgen betreffend die Attraktivität der Liga. «Ist die mit zwei zusätzlichen Farmteams noch gegeben?», fragt er – und das nicht ganz zu Unrecht. Die Erfahrung mit den GCK Lions hat gezeigt, dass diese Teams nicht einmal eigene Zuschauer anlocken – geschweige denn Fans in die gegnerischen Stadien mitbringen. «Das kann nicht im Sinne einer starken NLB sein», so Oltens Geschäftsführer.

Fragezeichen setzt Peter Rötheli auch betreffend Lizenzkommission. «Wie schafft es Ambri, das jahrelang selber um seine Lizenzerteilungen kämpfen musste, ein Partnerteam für drei Jahre zur Hälfte zu finanzieren, wenn es nicht einmal der SC Bern schafft?» Dieses Vorgehen sei umso zweifelhafter, als dass man das Aufstiegsbegehren des EHC Arosa im Vorjahr abgewiesen habe. «Dabei war das ursprüngliche Ziel der Aufstockung, Traditionsklubs eine Chance zu geben, in die NLB einzusteigen. Wir haben Winterthur unterstützt. Arosa auch. Aber es war nie die Idee, die Liga mit Farm-Retortenbabys zu ergänzen.» 

Verlust an Einfluss
Die Stimmung unter den ambitionierten NLB-Teams ist angespannt, auch wenn sich noch nicht alle öffentlich äusserten. Denn es ist absehbar, dass nun ein Glaubenskrieg über die Ausrichtung der NLB entbrennen wird. Sportlich starker NLA-Unterbau oder reine Ausbildungsliga? Für Rötheli ist klar, wohin die Reise gehen wird. Die A-Ligisten können ihre sowieso schon grosse Macht mit eigenen B-Klubs noch vergrössern: «Was passiert jetzt bei Abstimmungen mit dem Stimmrecht? Diese Farm-B-Klubs entscheiden ja sicher wie ihre A-Klubs oder enthalten sich der Stimme. Wir B-Teams verlieren so noch mehr an Kraft und Einfluss.» 

Peter Rötheli macht kein Geheimnis daraus, dass er für einen ambitionierten B-Ligisten angesichts der drohenden Perspektiven nur einen Weg sieht: «Meine persönliche Meinung ist klar: für den EHCO gibt es nur die Flucht nach vorne. Wir müssen innerhalb der kommenden zwei, drei Jahre aufsteigen. Wenn wir es nicht schaffen, sehe ich für unsere Zukunft in der NLB schwarz.» (von Marcel Kuchta)

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