Samstag, 19. August 2017

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Der EHC Olten gewinnt auch das zweite Spiel der Viertelfinalserie gegen Visp, diesmal mit 3:2.

BILDER
Romano Pargätzi behauptet sich gegen Visp-Ausländer Corey Locke, welcher erneut nicht zu überzeugen vermochte. (Bild: André Grossenbacher)

Visp - Olten 2:3 (1:1, 1:1, 0:1)

Litterna. – 4012 Zuschauer. – SR: Müller/Wirth, Huggenberger/Obwegeser. – Tore: 6. Altorfer (Schmutz, Locke/Ausschlüsse Bagnoud, Beaudoin) 1:0. 15. Schwarzenbach (Ulmer, Feser/Ausschlüsse Bucher, Locke) 1:1. 23. Bagnoud (Hirt, Aeschlimann/Ausschluss Altorfer) 1:2. 38. Dolana (Wiedmer, Neher/Ausschluss Bagnoud) 2:2. 51. Hirt (Wüst) 2:3. – Strafen: 7-mal 2 Minuten plus 10 Minuten Disziplinarstrafe (Altorfer) gegen Visp, 6-mal 2 Minuten gegen Olten

Visp: Schoder; Bucher, Wollgast; Wiedmer, Geiger; Leu, Heynen; Guyenet; Dolana, Neher, Botta; Schmutz, Locke, Rapuzzi; Altorfer, Brunold, Furrer; Habestich, Alihodzic, Schmidli; Hischier.

Olten: Mischler; Kobach, Pargätzi; Meister, El Assaoui; Bagnoud, Schnyder; Schmuckli; Schwarzenbach, Feser, Beaudoin; Hürlimann, Romanenghi, Ulmer; Wüst, Schneuwly, Hirt; Scherwey, Wüthrich, Aeschlimann; Homberger.

Bemerkungen: Visp komplett; Olten ohne Burki, Truttmann, Ganz (alle verletzt), Ast, Morini, U. Huber und Wiebe (alle überzählig). Dolana und Hirt als beste Spieler ihres Teams ausgezeichnet. 58:22. Timeout Visp, ab diesem Zeitpunkt bis 58:57 sowie ab 59:12 ohne Torhüter.

Zwar gilt der vierte Sieg in einer Playoff-Serie gemeinhin als der schwierigste. Mit dem gestrigen 3:2-Erfolg und damit der 2:0-Führung in der Serie hat der EHC Olten in Visp aber einen sehr grossen Schritt in Richtung Halbfinal-Qualifikation gemacht. So wollte Captain Stefan Hürlimann noch nicht von einer Vorentscheidung reden, sprach aber, wie auch Coach Heikki Leime, von einem sehr wichtigen Sieg. «Jetzt wollen wir am Sonntag gewinnen, um dann hoffentlich am Dienstag in Visp die Lichter zu löschen.»

Der 6. Playoff-Erfolg des EHCO über Visp in Folge war ein absolut verdienter. Waren die Oberwalliser am Dienstag in Olten (noch) absolut chancenlos, so stimmte diesmal die Einstellung. Der Wille war zumindest über zwei Drittel zu sehen, dann verliessen die Walliser wohl auch ein wenig die Kräfte. Als sie nämlich, spätestens nach dem 3:2 durch Remo Hirt, die Karten hätten auf den Tisch legen und einen Gang hochschalten müssen, kam von ihnen praktisch nichts mehr. Kann der EHC Visp ganz einfach nicht mehr? «Sie hatten tatsächlich fast keine klaren Chancen», meinte Hürlimann, «im Gegenzug haben wir ihnen auch fast nichts zugestanden. Auch dank eines wiederum sehr starken Mischler im Tor.»

Auffallend war, dass die Visper das doch sehr gepflegte Herausspielen aus dem eigenen Drittel auch im zweiten Spiel überhaupt nicht in den Griff bekamen. Zwar deckten sie die Mitte ein wenig besser ab und verhinderten damit, dass der EHCO, wie noch in Spiel 1, bei praktisch jedem Angriff bereits mit viel Schwung in die neutrale Zone fahren konnte. Doch insgesamt konnten sie die grünweissen Auslösungen noch immer viel zu wenig effizient stören. Dabei hatte Visp-Trainer Scott Beattie genau das gefordert: dem Gegner weniger Raum zu geben, noch höher im Drittel des EHCO zu stehen. «Sie spielten tatsächlich ein bisschen aggressiver», fand Hürlimann, «doch wir spielten die Scheibe schnell, was ihnen das Forechecking sichtlich erschwerte.»

Zumindest befolgten die Beattie-Schützlinge den zweiten «Ratschlag» ihres Trainers und brachten Emotionen ins Spiel. Zuerst positive, dank Altorfers Führungstreffer in doppelter Überzahl, dann negative, als sich nacheinander Geiger, Bucher und Locke zu Verfehlungen hinreissen liessen. Zuerst reagierte das Publikum mit einem Pfeifkonzert auf die Entscheidungen der beiden Referees, dann traf Schwarzenbach, ebenfalls in doppelter Überzahl, zum 1:1-Ausgleich. Es war der «Mindestlohn», welchen die Oltner im ersten Abschnitt einfuhren, denn sie spielten das gepflegtere Hockey und hatten ein Chancenplus zu verzeichnen.

Je länger das Spiel dauerte, desto mehr profitierten die Gäste von den Emotionen, weil die Visper diese mit Aggressionen vertauschten. Bestes Beispiel dafür war Torschütze Altorfer, welcher, abseits des Spielgeschehens, auf Pargätzi zufuhr und eine offensichtliche Tätlichkeit beging. 61 Sekunden später stand es 2:1 für die Gäste – nach einem satten Weitschuss Bagnouds. Visp hielt in der Folge mit und hatte kurz vor Spielmitte die bislang besten Momente. Und nachdem die 4. Linie der Oltner gleich mehrfach das 3:1 vergeben hatte, hatte Schmutz plötzlich den Ausgleich auf dem Stock. Bei seinem Alleingang hatte er viel Zeit und Tempo, vergab aber eher kläglich.

Dass es nach zwei Abschnitten dennoch 2:2 stand, dazu hätte es aus Sicht der Gäste nicht kommen dürfen. Zwar fasste Bagnoud nach 33 Minuten gleich zwei kleine Strafen aufs Mal, doch es waren die Oltner, welche mit ihren schnellen Breaks das 3:1 gleich mehrfach vergaben. Stattdessen stand Dolana, welcher bereits in Olten den einzigen Treffer seines Teams erzielt hatte, bei einem Wiedmer-Schuss (38.) genau richtig und fälschte unhaltbar ab.

«Jetzt brauchen wir Charakter»

Der Schwung in dieser Partie ging, ob dieses Treffers, irgendwie verloren. Es dauerte bis tief in den dritten Abschnitt, ehe Gelegenheitsaktionen wieder herausgespielten Aktionen wichen. Doch selbst die kontrollierte Vorgehensweise hinderte die Oltner nicht daran, ein zweites entscheidendes Mal vorzulegen. Remo Hirt nutzte die bislang beste Gelegenheit und liess Schoder mit seinem Hocheckschuss keine Chance. «Wir wussten genau: Würden wir geduldig weiterspielen, bekommen wir unsere Chancen», so der Sieg-Torschütze.

So stehen die Visper nach zwei Partien mit dem Rücken zur Wand und müssen morgen im Kleinholz unbedingt gewinnen. Man habe zu viele Strafen genommen, sagte Visp-Trainer Scott Beattie, äusserte sich aber bewusst nicht zur Leistung der Unparteiischen. «Was wir jetzt brauchen, ist Charakter.» (Michael Forster)

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