Freitag, 21. Juli 2017

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Ein «Diesel» ohne Nerven


Der EHC Olten liegt in der Playoff-Halbfinalserie gegen Ajoie vorne – auch dank Penaltyheld Martin Wüthrich.

BILDER
Arbeitstier mit Riesenpensum: Martin Wüthrich. (Bild: Hr. Aeschbacher)

Nationalliga B, Playoff-Halbfinal (best-of-7):
Zweite Runde: Sonntag, 6. März: Ajoie - Olten (18.15 Uhr); Stand: 0:1. Martigny - Rapperswil-Jona (18.15); Stand: 0:1.

Der Diesel ackerte und rackerte, bis kein Treibstoff mehr im Tank war. Und mit den letzten Tropfen rettete er seine Mannschaft sprichwörtlich noch ins Ziel. Martin Wüthrich, Übername «Disu», musste am Freitagabend im ersten Playoff-Halbfinalspiel des EHC Olten gegen Ajoie für seine Verhältnisse ein Mammutpensum absolvieren. Er, der normalerweise im vierten Block und im Penalty-Killing die Rolle als fleissiger Arbeiter spielt und im Stile eines Diesel-betriebenen Traktors ackert, wurde plötzlich in eine prominente und arbeitsintensivere Rolle befördert.

Nachdem Shayne Wiebe früh mit einer Steissbeinprellung ausschied, reduzierte EHCO-Trainer Heikki Leime sein Team ab dem zweiten Drittel auf drei Sturmlinien. Und Wüthrich kam anstelle des Kanadiers im nominell ersten Sturm an der Seite von Topskorer Justin Feser und von Martin Ulmer zum Einsatz. Da das Spiel inklusive Verlängerung und Penaltyschiessen weit über drei Stunden dauerte, kam am Ende eine beträchtliche Eiszeit für den «Diesel» zusammen – weit mehr, als er sich normalerweise gewohnt ist. «Ich spüre meine Beine schon mehr als sonst», erklärte das Oltner Eigengewächs zu später Stunde mit einem Lächeln auf den Lippen.

Als Penaltyschütze verblüfft
Seine gute Laune hatte auch einen guten Grund. Seine Mannschaft hatte kurz vorher das dramatische, über zehn Runden dauernde Penaltyschiessen gegen Ajoie zu ihren Gunsten entschieden. Martin Wüthrich war mit zwei verwandelten Versuchen massgeblich daran beteiligt, dass der EHCO mit einem 1:0-Siegpolster zum zweiten Halbfinalspiel nach Pruntrut reisen darf. Vor allem die Art und Weise, wie der 33-Jährige seine Penaltys versenkte, war verblüffend. Zweimal verlud er den exzellenten Gauthier Descloux im Tor der Ajoulots mit demselben Trick, zweimal traf er Backhand – mit einer Coolness sondergleichen.

Zumal bei einem seiner beiden Anläufe die Niederlage auf dem Spiel stand. Hätte er nicht getroffen, wäre der HC Ajoie der Sieger des ersten Playoff-Duells gewesen. Wie man in so einer delikaten Situation die Nerven im Griff behält? «Ich war nicht zum ersten Mal in meiner Karriere in so einer Lage», erzählt Wüthrich, der jeweils mit einem fixen Plan auf den Goalie zuzufahren pflegt. «Man muss aber trotzdem noch reagieren können, wenn sich der Torhüter anders verhält», verrät er sein Erfolgsgeheimnis.

Als das Penaltyschiessen nach jeweils fünf fixen Schützen ebenfalls in die Verlängerung ging, gehörte auch Martin Wüthrich zu den Spielern, die Trainer Heikki Leime wahlweise aufs Eis schickte – gemäss Reglement darf der Trainer nach den ersten fünf Versuchen im Prinzip immer denselben Schützen auswählen. Für Wüthrich war diese Spontaneität kein Problem: «Er gibt einem kurz vor dem Penalty ein Zeichen. Das ist gut so, weil man dann gar nicht erst dazu kommt, lange herumzustudieren oder nervös zu werden.» 

Regeneration im Fokus
Den Sieg in Spiel eins mag Martin Wüthrich, so schön und süss er am Ende war, allerdings keinesfalls überbewerten: «Es ist gut, haben wir diesen Punkt im Sack. Aber die Serie gegen Visp hat gezeigt, dass man selbst nach einer 2:0-Führung nach Siegen über sieben Spiele gehen kann.» Der Samstag nach Spiel eins stand nach dem strapaziösen Auftritt deshalb ganz im Zeichen der Regeneration. «Die Beine ein wenig bewegen, danach am Nachmittag so gut erholen wie möglich», umschrieb Wüthrich seinen Plan, damit die (Diesel-)Kraftreserven in Pruntrut wieder einigermassen intakt sind. 

Nach einer 30 Minuten dauernden lockeren Einheit auf dem Eis zeichnete sich ab, dass die Oltner im zweiten Halbfinal einige personelle Rochaden vornehmen müssen. Nicht nur Shayne Wiebe überstand den ersten Halbfinal nur beschädigt, sondern auch noch Matteo Romanenghi, der sich einen Fuss überdehnte. Die Lugano-Leihgabe wird in Pruntrut sicher fehlen und durch Luca Homberger ersetzt. Über Wiebes Einsatz wird erst nach dem Warm-up entschieden. Eric Beaudoin würde als Ersatz bereitstehen, ist selber aber auch angeschlagen.

Fehlen dürfte mit allergrösster Wahrscheinlichkeit auch Reto Kobach, der krank ist und schon am Freitag kurz nach Spielbeginn Forfait geben musste. Marco Truttmann wird erneut nur zuschauen. Seine Fussverletzung hat sich zwar nicht verschlimmert – aber eben auch noch nicht nachhaltig verbessert. (von Marcel Kuchta)

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