Mittwoch, 23. August 2017

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Das Erdbeben nach dem Offenbarungseid


Der EHC Olten geht am Sonntag (18.15 Uhr) mit einem neuen Trainerduo in das fünfte Playoff-Halbfinalspiel gegen den HC Ajoie. Ersatzausländer Eric Beaudoin und Sportchef Köbi Kölliker sollen für den EHCO retten, was noch zu retten ist – ein Sieg muss her, sonst ist die Saison zu Ende.

BILDER
Steht im fünften Halbfinalspiel nicht mehr an der Bande des EHC Olten: Headcoach Heikki Leime. (Bild: Hr. Aeschbacher)

Nationalliga B, Playoff-Halbfinals (best of 7):
Fünfte Runde: Sonntag, 13. März: Olten - Ajoie (18.15 Uhr); Stand: 1:3. – Rapperswil-Jona steht nach dem 4:0 gegen Martigny bereits im Playoff-Final. 

Olten ohne Bagnoud, Ajoie wohl ohne Descloux
Chris Bagnoud war einer der wenigen Oltner Spieler, denen am Freitag in Pruntrut der Kragen platzte und die eine Gefühlsregung zeigten. Den Frust des EHCO-Verteidigers bekam Ajoie-Stürmer Steve Barras zu spüren, der mit einem gebrochenen Nasenbein vom Feld musste. Bagnoud erhielt für seinen Ausraster eine Matchstrafe und wird deshalb am Sonntagabend sicher in Spiel Nummer fünf der Playoff-Serie fehlen. Da noch ein Verfahren gegen ihn eingeleitet wurde, sind weitere Sperren wahrscheinlich. Neben Bagnoud ist auch der Einsatz von Verteidiger Remo Meister fraglich, der am Samstag krankheitshalber passen musste. Klar ist: Das neue Trainerduo wird die Linien kräftig durcheinanderwirbeln. In welcher Formation der EHCO antritt, wird sich erst nach dem Warm-up am Mittag entscheiden. Deshalb ist auch noch unklar, ob es auf der Goalieposition einen Wechsel vom bisher wenig überzeugenden Matthias Mischler zu Kevin Huber geben wird. Bei Ajoie zeichnet sich indes eine gewichtige Personalrochade ab. Der bisher überragende Goalie Gauthier Descloux erlitt bei einem Zusammenprall mit Philipp Wüst offenbar eine Gehirnerschütterung. Sein Einsatz ist deshalb unwahrscheinlich. Bagnoud-Opfer Barras dürfte indes wieder dabei sein. (ku) 

Hoffnungslos, trostlos, desolat. Der Auftritt des EHC Olten in Pruntrut am Freitagabend lässt sich auf mannigfaltige Art und Weise beschreiben. Mit 6:1 überfuhr der HC Ajoie die Oltner – es war für alle mitgereisten Fans des EHCO eine Qual, dabei zuzusehen, wie sich ihre Mannschaft von einem – zugegebenermassen – sehr guten Gegner nach Strich und Faden auseinandernehmen liess.

Wie weiter? Diese Frage stellten sich aufseiten der Solothurner nach diesem Offenbarungseid alle Beteiligten. Denn eines war klar. Geht es in diesem Stil weiter, dann ist die Saison des EHC Olten am Sonntagabend zu Ende. 

Die Antwort auf die Frage kommt im Verlauf des Samstag-Vormittags, als der EHCO offiziell die Freistellung von Trainer Heikki Leime und die Beurlaubung von Assistent Dino Stecher bekannt gibt. «Die Mannschaft trat zuletzt völlig verunsichert und destabilisiert auf und geriet in eine Negativspirale, die von Spiel zu Spiel immer heftiger zu drehen begann. Diese beunruhigende Entwicklung sowie die Art und Weise, wie die Niederlagen zustande kamen, liessen Verwaltungsrat und Geschäftsleitung einstimmig zur Überzeugung kommen, dass mit dem aktuellen Coachingstaff keine Wende mehr möglich ist», so die Begründung.

Zur Rede gestellt
Das Erdbeben findet indes schon in der Nacht auf Samstag statt. Als die Mannschaft nach dem Spiel in Pruntrut kurz nach Mitternacht wieder in Olten ankommt, müssen die Spieler zunächst einmal an etwa 50 erbosten Fans vorbei, die die Protagonisten nach dem miserablen Auftritt zur Rede stellen wollen. Captain Stefan Hürlimann hört sich die (berechtigten) Klagen der Anhänger an, die vor allem den mangelnden Einsatz und das fehlende Herzblut der EHCO-Cracks kritisieren. «Mit den Emotionen war es schwierig, eine Diskussion zu führen», erzählt Hürlimann. «Aber es war gut, konnten wir kurz miteinander reden.»

In der Zwischenzeit treffen sich Heikki Leime und Dino Stecher im Stadion mit Geschäftsführer Peter Rötheli, Verwaltungsrat Roger Rettenmund und Sportchef Köbi Kölliker zu einer Notsitzung, in deren Verlauf dem Trainerduo mitgeteilt wird, dass man ab sofort auf seine Dienste verzichten wird. Kurz darauf wird die Mannschaft in der Kabine informiert. «Die Spieler haben das Verdikt ruhig zur Kenntnis genommen», erzählt Rötheli. Die folgenden Reaktionen einzelner Akteure bewegen sich gemäss dem EHCO-Geschäftsführer zwischen «schade» und «endlich». 

Einzelgespräche und Taktikbesprechungen
Am Samstagvormittag treffen sich Spieler und der neue Trainerstaff zu einer kurzen Einheit auf dem Eis. Im Mittelpunkt steht dabei die Taktikschulung. Beaudoin und Kölliker versuchen, ein Gegenmittel gegen das aggressive Forechecking der Ajoulots zu finden und den Cracks Lösungsansätze zu vermitteln. Etwas, was dem alten Coachingduo offensichtlich nicht gelungen ist. Nach der Trainingslektion, welche neben einer Handvoll Zuschauer auch von VR-Präsident Benvenuto Savoldelli, Rettenmund und Rötheli verfolgt wird, gibt es noch Einzelgespräche und weitere Taktikbesprechungen.

Das Bemühen, frische Impulse zu geben, ist an diesem Samstag-Vormittag spürbar. Captain Stefan Hürlimann ist der einzige Spieler, der öffentlich Stellung nehmen darf. Für ihn kommt der Wechsel an der Bande, auch wenn er ihn nicht erwartet hat, letztlich nicht überraschend: «Das ist ein Teil des Business. Es war klar, dass wir etwas ändern müssen. Nun wurde Heikki und Dino die Entscheidung abgenommen.»

«Keine Ausreden mehr» 
Für den Oltner Captain gilt ab sofort nur noch der Blick nach vorne. «Was gewesen ist, müssen wir vergessen. Wir haben das Messer am Hals. Es gibt keine Ausreden mehr. Jetzt liegt es an uns Spielern.» Zuversichtlich stimmt Hürlimann dabei die Tatsache, «dass die Mannschaft unter Druck immer die besten Leistungen abgeliefert hat». 

Was man bei den Aufräumarbeiten des Erdbebens und angesichts der zuletzt desolaten Leistungen trotz allem nicht aus den Augen verlieren darf, ist die Tatsache, dass der EHC Olten noch nicht aus den Playoffs ausgeschieden ist. Die Mannschaft hat am SonntagaAbend die Chance, mit einem Heimsieg wieder in die Serie gegen den HC Ajoie zurückzukehren. Dann kann plötzlich alles ganz anders aussehen. Dafür muss aber auf dem Eis auch alles ganz anders werden. (von Marcel Kuchta)

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