Sonntag, 28. Mai 2017

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«In Olten liegt einiges Potenzial brach»


Nach dem Saisonende in den NLB-Playoff-Halbfinals stehen beim EHC Olten Fragen im Vordergrund. Wie kann man sich gegen finanziell offensichtlich sehr potente Gegner zur Wehr setzen? Und wie blickt man der Farmteam-Liga oder einer möglichen Schliessungder NLA entgegen? VR-Präsident Benvenuto Savoldelli äussert sich auch zum Spannungsfeld, in welchem sich der EHC Olten befindet.

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Will trotz unsicherer NLB-Zukunft nicht von seinen finanziellen Prinzipien abweichen: Benvenuto Savoldelli. (Hr. Aeschbacher)

Es ist auffällig, welche Summe andere NLB-Vereine in neue Spieler investieren. Fabian Ganz zum Beispiel hat zu La Chaux-de-Fonds gewechselt, obwohl der EHC Olten ihm einen neuen Vertrag im sechsstelligen Bereich offerierte. Dasselbe gilt für Tobias Bucher, welcher sich für drei Jahre im Wallis beim EHC Visp verpflichtet hat. Wie ist es möglich, dass andere Vereine noch einmal derart stark verbesserte Saläre offerieren können? 
Benvenuto Savoldelli: Ich staune immer wieder, wie gewisse Vereine, letztes Jahr war das Langenthal, derart überrissene Löhne zahlen können. Es gibt immer wieder neue: Was Martigny derzeit zahlt, das ist gestört. Aber es läuft immer gleich: Entweder wird ein Spieler teilweise oder ganz privat finanziert oder die bekannt gegebenen Budgets stimmen nicht. Es geht ja nicht auf, dass man mit viel tieferen Budgets die viel höheren Löhne als wir zahlen kann. 

Was bedeutet das für den EHCO?
Nichts. Ausser, dass wir so weitermachen wie bisher. Wenn man das Geld für solche Leute nicht hat, holt man sie auch nicht. 

Ist die Verlockung nicht dennoch da?
Sehen Sie, irgendwann geht das nicht mehr auf. Die Frage ist natürlich, ob man damit alle zufriedenstellt. Manchmal macht es mir nicht den Eindruck, wenn man sieht, was rund um den Verein für Meinungen herrschen. Da werde ich schon mal als Kleinsparer bezeichnet … 

Lässt man sich auch nicht von den Ängsten einer Farmteam-Liga oder einer geschlossenen NLA dazu verleiten, vielleicht doch ein wenig von der eigenen Linie abzuweichen und etwas mehr zu riskieren? 
Das kann man nicht. Wir können es uns im Moment nicht leisten: Wir haben 1,5 Millionen ins Stadion investiert. Hinzu kommt die Zahlungsmoral einiger Sponsoren, hier haben wir zum Teil erhebliche Ausstände. Wenn da alles Geld reinkommen würde, hätten wir auch etwas mehr Möglichkeiten. 

Ist das Umfeld schlechter geworden in den letzten Jahren oder sind das Leute, die unbedingt auf den EHCO-Zug aufspringen wollten, es sich aber gar nicht leisten können? 
Das kann beides sein –, obwohl es wirtschaftlich im Moment sicher nicht einfach ist. 

Man befindet sich in diesem Spannungsfeld in einer ungewissen Zukunft. Ihr Geschäftsführer hat mit dem NLA-Aufstieg ein glasklares kurzfristiges Ziel formuliert. Nur dürfte das kaum die aktuellen Möglichkeiten widerspiegeln.
In der jetzigen Situation wäre es wohl relativ hart, finanziell bestehen zu können. Was uns fehlt, sind Leute, welche das Portemonnaie öffnen und sagen «Diesen Spieler holen wir jetzt ganz einfach, koste es, was es wolle.» Solche Leute haben andere Vereine. Kloten, Lugano – selbst in Langnau hat man plötzlich wieder Geld, wenn es darauf ankommt. Bei uns ist es schwierig. Auch Olten hätte wohl Potenzial, aber es liegt brach. 

Wie könnte man es denn aktivieren?
Nun, wir sind dran, den VR zu erweitern, damit wir in ein anderes Umfeld vorstossen können. 

Ist in anderen Regionen wie in der Ajoie oder im Wallis die Identifikation mit dem Hockey-Vverein so viel grösser, dass man sich dadurch finanziell stärker engagiert? 
Ich glaube nicht, dass es damit zu tun hat. Ich kann es mir auch nicht erklären. Letzthin hat mir jemand gesagt, Visp verfüge effektiv über ein Budget von 7 Millionen … Die können ja nicht jedem Spieler 40 Prozent mehr bezahlen als wir. Wenn ich nur schon sehe, was ihre beiden Ausländer im Vergleich zu uns verdienen. Das ist ein Riesenunterschied. 

Visp weist ein rund halb so hohes Budget aus wie Olten … 
Ich kann nur für uns sprechen: Wir weisen jeden einzelnen Franken aus, den wir einnehmen. Ich weiss halt nicht, ob das in allen Vereinen so läuft. 

Wie kann man in einem Umfeld, in dem die Gegner offenbar so viel besser offerieren können, bestehen?
Wir haben den Vorteil, dass wir zentral gelegen sind. Dann gilt es, den Spielern Perspektiven aufzuzeigen. Ich weiss nicht, ob die anderen Vereine diese Hauruck-Übungen langfristig durchziehen können. Immer, wenn Vereine ein paar Jahre sportlich untendurch müssen, probieren sie, mit Geld den Erfolg zu kaufen. 

Sind Sie denn schon einmal vor dem Punkt gestanden, eine ebensolche Hauruck-Übung durchzuziehen?
Nein, noch nie. Ich habe das in Olten während zehn Jahren miterlebt, als man immer wieder versuchte, mit einem sportlich teuren Team den Erfolg zu kaufen. Und jedes Mal ging es in die Hosen. 

Wie erklären Sie sich diese Hauruckübungen, mit einer Flucht nach vorne in Richtung NLA wegen der bekannten drohenden Gefahren? 
Nein, das hat damit nichts zu tun, das war immer so in den letzten Jahren. Das sieht man ja im A, dass jemand kommt und Geld reinbuttert. Es ist komisch: Sobald man in einem Sportverein Leute aus der Wirtschaft hat, werden einige zum Teil völlig irrational, machen sie genau das Gegenteil davon, was sie sich in ihrer Berufswelt gewohnt sind. 

Ist es anstrengend, stets den Bremsklotz zu spielen?
Bremsklotz ist das falsche Wort. Wir haben über die letzten zwölf Jahre etwas aufgebaut. Wenn man jetzt plötzlich von diesem Weg abkommt, würde man all das aufs Spiel setzen. Wir hätten eine super Mannschaft kaufen können, für die Playoffs zusätzliche Spieler holen – und wären trotzdem im Halbfinal raus. Da wären wir vor einem grossen finanziellen Loch gestanden. Das geht schnell. 

In Olten hat man in der Vergangenheit mittelfristige Ziele formuliert. In der aktuellen Zielsetzung gab man sich relativ zurückhaltend – wird der Ton in Zukunft forscher? 
Wir haben das Ziel für nächstes Jahr herausgegeben und wollen nach der Qualifikation unter die ersten zwei sowie in den Playoff-Final. Wir werden bewusst offensiver, obwohl genau das in Langenthal in dieser Saison komplett in die Hosen gegangen ist. Über die Strategie der nächsten Jahre setzen wir uns ab Mai zusammen und diskutieren, wie wir vorwärtsgehen wollen. Das hängt auch ein wenig von den Leuten ab, welche in den VR kommen möchten. 

Gibt es konkrete Personalien, bei welchen man sagen kann, dass sie einen Geldsäckel mitbringen würden? Oder ist das Wunschdenken? 
Wir stehen ständig mit solchen Leuten in Kontakt, damit sich, wer weiss, einmal etwas ergibt. 

Zurück zur Zukunft, zum Thema NLA-Schliessung: Was würde dieses Szenario für den EHCO bedeuten?
Ich glaube nicht, dass es kommen wird. Es würde der Liga die ganze Attraktivität entziehen. 

Das wäre den betroffenen Klubs wohl egal. Hauptsache, sie haben die Gewissheit, dass sie oben bleiben.
Schon, aber es sind vor allem die Schwanzklubs, welche immer wieder mit diesem «Chabis» kommen. Jene, welche vorne mitspielen, sehen das etwas anders. Eine Zweidrittelmehrheit kommt da kaum zustande. Das einzig Vernünftige wäre, die NLA um zwei Teams zu reduzieren. Das würde die Personalkosten um 30 Prozent senken, weil es plötzlich viel mehr NLA-Spieler auf dem Markt hätte; jetzt hat es zu wenige, was den Preis in die Höhe treibt. 

Mit welchen Gefühlen blicken Sie der nächsten NLB-Saison mit zwei neuen Farmteams entgegen?
Ich finde das eine schlechte Lösung. Sie hätten es machen können, wie im Fussball, und sie in die 1. Liga integrieren. So hingegen müssen wir vor leeren Rängen spielen. Es ist ja in Küsnacht schon tragisch mit den 200 Zuschauern, obwohl die ja wirklich sehr gutes Hockey spielen. Wenn man hingegen zwei Mannschaften aus dem A herunterholen würde, hätte man eine super B-Liga. 

Können Sie denn die Ängste zum Beispiel eines Kloten nachvollziehen?
Gerade Langnau hat zuletzt gezeigt, dass ein, zwei Jahre in der NLB nichts Schlechtes bedeuten müssen. Ich kann das nicht begreifen. Rappi beweist ja gerade, wie schlecht es ist, im A immer ein Schwanzklub zu sein. Wenn die jetzt in den Playoffs 4000 Zuschauer haben, ist das viel. Für Ambri oder Kloten wäre es vielleicht gut, einmal eine NLB-Schlaufe drehen zu müssen.

Weshalb also die Ängste?
Es ist in der NLA halt schon viel attraktiver, man hat die Fernsehpräsenz, man kann die Werbung viel besser verkaufen, kriegt Geld von der Liga. Es ist schon viel einfacher, es hat zum Beispiel Sponsoren aus unserer Region, welche bei Davos auf dem Leibchen sind. Die sagen: Was sollen wir bei euch werben, wenn wir mit Davos im Fernsehen kommen? (von Michael Forster, Marcel Kuchta)

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