Samstag, 29. April 2017

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Erich Kühnhakl: Eine fitte Legende


Die Deutsche Eishockey-Legende Erich Kühnhakl war im Rahmen des EHCO-Cups zu Gast im Kleinholz. Er prägte den Club 1985 bis 1987 und ist mit 65 Jahren topfit und feierte unlängst mit seinem Sohn Tom dessen Stanley-Cup-Sieg.

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Erich Kühnhakl war seit längerem mal wieder im Kleinholz zu Gast. (Bild:gam)

Erich Kühnhakl, ein kleines Gedankenspiel: Wir lassen Sie nachher im Finale des EHCO-Cups einlaufen und mittun – was würde passieren?
Ich würde selbstverständlich mitspielen. Ich bin fit.

In der Deutschen Bundesliga trafen Sie in 774 Partien 724 Mal. Wie viele Tore würden Sie heute schiessen?
Sie müssten halt zuschauen. Nein, Scherz beiseite. Mitspielen würde ich. Aber die andern könnten ja meine Söhne sein, sind 30 Jahre jünger als ich. Gegen andere alte Herren wäre es spannend. Aber muss Realist bleiben, immer mit beiden Beinen auf dem Boden stehen.

Das Eishockey hat sich ja auch ziemlich verändert seit Ihren erfolgreichen Zeiten, in denen Sie von 1985 bis 1987 beim EHC Olten spielten.
Ja, Es ist athletischer, dynamischer, schneller, härter, aggressiver, in vielen Dingen für den Einzelnen und für die Mannschaft als Ganzes noch anspruchsvoller geworden.

Sie sagten vorher, Sie seien fit, wie hält sich der „Deutsche Eishockeyspieler des Jahrhunderts“ heute in Form?
Ich bin fünfmal in der Woche eineinhalb bis zwei Stunden unterwegs mit dem Fahrrad. Laufen habe ich schon früher nicht gern gemacht, also auf dem Eis schon, aber draussen nicht. Dann spiele ich ein-, zweimal die Woche eine Runde Golf, gehe regelmässig Schwimmen mit meinen Enkelkindern, spiele auch mal Fussball mit. Ich könnte es nicht haben, wenn ich Übergewicht hätte, und meine Frau auch nicht. Früher war ich bei 1 Meter 95 stets 98,5 Kilogramm schwer, also immer unter 100 Kilo. Heute heisst es „Alarm“ wenn ich hundert bin. Ich will drunter sein. Da halte ich mich dran, bin sehr diszipliniert. Das habe ich ja gelernt im Sport.

Wie kam es dazu, dass Sie im Kleinholz sind und beim Finale des EHCO-Cups den Puckeinwurf vornehmen?
Die Jungs vom Verein haben mich angefragt und ich hatte gerade Zeit. Ich bin gern in Olten. Früher war ich noch oft hier, heute seltener, weil ich anderweitig viel unterwegs bin. Wann immer ich hier in der Gegend bin, besuche ich aber meine Freunde, zu denen ich seit meiner Zeit beim EHC Olten Kontakt halte.

Wann waren Sie letztmals bei einem Spiel des EHC Olten?
Schwierige Frage. Das ist sehr lange her. Ich war mal bei einem Nachwuchsspiel, aber bei der ersten Mannschaft – das ist ewig her, das weiss ich gar nicht mehr.

Das Stadion sieht völlig anders aus als 1985, als Sie für zwei Jahre beim EHC Olten spielten. Was halten Sie davon?
Der Grundriss ist ja noch derselbe. Ich kenne das Kleinholz also noch. Aber es hat sich unglaublich viel verändert hier im Stadion. So ist es halt. In der heutigen Zeit sollte sich ja alles weiterentwickeln.

Woran erinnern Sie sich, wenn Sie an Ihre Zeit in der Dreitannenstadt zurückdenken?
Dass es eine gute Zeit war, an die ersten Spiele und wenn ich beim Schwimmbad vorbeifahren an den hier. Den kennen Sie nicht, oder? (Zeigt einen goldfarbigen Pin mit dem Konterfei eines Mannes).

Nein, noch nie gesehen.
Das ist Peter „Beppo" Andreani. Der damalige Masseur des EHC Olten. Den Pin hat mir vorhin einer geschenkt. Beppo, ein kleiner Italiener, ist leider verstorben. Er kochte immer Essen für mich und meine Familie, wenn mich diese hier in Olten besuchte.

Wie gut sind Sie noch informiert, was der EHC Olten so treibt?
In der heutigen Zeit ist es ja einfach, an Informationen zu kommen. Im Internet, im Facebook, über die neuen Medien lese ich viel. Übers Schweizer Eishockey lese ich auch in Deutschen Zeitungen und da ich Kontakt habe zu Leuten hier oder Bekannte an Länderspielen treffe, weiss ich schon, wie es dem EHC Olten geht. So litt ich mit in Krisenzeiten. Schliesslich habe ich mich in den 80er-Jahren stark mit dem Verein identifiziert. Das finde ich sehr wichtig. Wenn man irgendwo spielt, muss man sich voll identifizieren mit dem Verein, da kann man vieles besser erreichen, mehr bewegen, sich einbringen. Was man macht, soll man richtig machen.

Ihr Sohn Tom gewann heuer in der NHL mit Pittsburgh den Stanley-Cup. Sie selber haben zwar mit der Deutschen Nationalmannschaft Bronze geholt bei Olympia, aber nie in der NHL gespielt. Was war es für ein Gefühl, als Sie mit Tom die Stanley-Cup-Trophäe halten durften?
Sensationell. Sehen Sie (krempelt Hemdsärmel hoch), ich hab gleich wieder Gänsehaut. Wir waren bei mehreren Spielen dabei. Ich kenne ja schon einige Ligen, einige Stadien in verschiedenen Ländern. Aber was da abgeht, das ist eine ganz andere Welt. Unbeschreiblich.

Sie sagten einmal, dass Sie es bereuen, selber nie den Schritt in die NHL gewagt zu haben. Auch der Familie zuliebe spielten Sie lieber in Deutschland. Ist diese „Reue“ nun, wo Sie sehen was Ihr Sohn erlebt, stärker geworden?
Nein. Ich hab ja da gespielt und den Stanley-Cup gewonnen. Durch meinen Sohn. Irgendwie. Mein Weg war eben ein anderer, und der war genau richtig so.

Sie haben eine Stiftung, die sich für den Nachwuchs einsetzt. Was können Sie da bewegen?
Der Nachwuchs ist der wichtigste Bestandteil jeder Sportart. Je besser der Nachwuchs ausgebildet ist, desto besser ist deine Sportart. Für mich haben sich in meiner Aktivzeit sehr viele eingesetzt, die Eltern, Geschwister, Verwandte, Freunde, Trainer. Ich habe wahnsinnig viel gelernt, indem ich diesen wunderbaren Sport betreiben konnte. Mit der Stiftung versuche ich auf meine Art und Weise, ideell und finanziell etwas zurückzugeben. Anstoss dazu gaben Briefe von Jugendlichen wie jenem, der mir mitteilte, dass er sich nicht traue, seine alleinerziehende Mamma um neue Schlittschuhe zu bitten. Er trug mit 14 zwei Jahre lang dieselben Schuhe, keine Ahnung, wie er seine Füsse da in der pubertären Wachstumsphase noch reingekriegt hat. Ich schickte ihm Schuhe. Wir unterstützen den Nachwuchs mit etwa 400 000 Euro pro Jahr. Aber was du auf dem Eis, in der Kabine, in der Mannschaft lernst, ist nicht zu bezahlen.

Sie werden bald 66, da fängt das Leben bekanntlich an – und ich habe gelesen, dass etwas Wichtiges auf Ihrer To-Do-Liste steht: Die Hochzeitsreise. Oder haben Sie diese mittlerweile geniessen können?
Ich bin ja ein sehr gründlicher Mensch, aber das haben wir tatsächlich immer noch nicht gemacht.

Olten hätte schöne Hotels…
Nein! Das ist ja das Ding, ich habe meiner Frau versprochen, dass es nach ihrem Wunsch nach Hawaii geht. Wir heirateten um Weihnachten rum an einem Dienstag, Mittwoch fuhr ich bereits wieder weg. Nur standesamtlich, nicht mal kirchlich. Das holen wir alles nach, du kannst aussuchen, wo du kirchlich heiraten willst, sagte ich zu meiner Frau. Maui. Das löse ich noch ein. Vielleicht sogar nächstes Jahr. Wenn wir nach Pittsburgh fliegen zu Tom. Dann ist es immer noch weit, aber nicht mehr ganz so weit bis Hawaii. (Interview: Melanie Gamma)

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