Freitag, 24. März 2017

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Der Cup als Aufstiegsschlüssel?


Bei einer Sensation gegen Zug könnte der EHC Olten Mehreinnahmen im sechsstelligen Bereich erzielen.

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Publikumsmagnet Schweizer Cup: Wenn NLA-Klubs zu Gast sind, lockt für die NLB-Vereine das grosse Geld. Bruno Kissling

«Die Einnahmen reichen bei weitem, um Scott Beattie auszuzahlen», gab sich Geschäftsführer Peter Rötheli vor einem Jahr humorvoll, als der NLA-Spitzenklub Zug im Kleinholz gastierte. Denn dannzumal versuchten die Oltner Verantwortlichen die Causa Beattie zu einem Ende zu bringen. Was nach lockerem Witz vom CEO klang, mag in Wirklichkeit womöglich Ernst gewesen sein.

Denn auch im dritten Bestehungsjahr ist der Schweizer Eishockey-Cup zumindest für NLB-Vereine eine im Budget nicht berücksichtigte, lukrative Einnahmequelle. Wie vor Jahresfrist im Sechzehntelfinal, macht heuer wiederum der Tross des EV Zug im Kleinholz halt. «Unseren Erfahrungswerten aus dem Vorverkauf zufolge, erwarten wir gegen 5000 Zuschauer», soll der Vergleich mit dem NLA-Vertreter gemäss Rötheli auch in diesem Jahr wiederum als Publikumsmagnet wirken.

Lukratives Geschäft für NLB-Klubs
Neben einer fixen Antrittsprämie von 20 000 Franken, spült ein Heimspiel bei der oben prognostizierten Zuschauerzahl Einnahmen von rund 120 000 Franken in die Klubkasse. «Abzüglich der Sicherheit- und Personalkosten», so EHCO-Finanzchef Stefan Scherrer, «können wir uns gegen einen attraktiven Gegner rund 50 bis 70 000 Franken Gewinn erhoffen». Nicht berücksichtigt sind dabei die Zusatzeinnahmen im Gastrobereich. Könnte sich der Cup letztlich gar als goldenes Werkzeug erweisen, um für die entscheidende Saisonphase im Frühjahr wegweisende Mittel in Richtung Aufstieg freizuschaufeln?

Zumindest liess es sich Verwaltungsratspräsident Benvenuto Savoldelli am Dienstagmittag nicht nehmen, das Kleinholz aufzusuchen, um der Mannschaft beim Abschlusstraining viel Glück zu wünschen. Damit nicht genug: «Wir haben eine Prämie ausgestellt, die im Siegesfall ausgeschüttet wird.» Savoldelli weiss, dass in einem allfälligen Viertelfinal abermals die Kassen klingeln könnten und setzt daher bei seinen Schützlingen, neben den ohnehin schon grossen sportlichen, noch wirtschaftliche Anreize. Dass der Cup auch als Nullnummer enden kann, musste Olten vor drei Jahren erfahren, als man auswärts beim damaligen NLB-Ligisten Langnau ran musste und ausschied.

«Mit der Zeit wird sich der Cup etablieren», versprüht Savoldelli als NLB-Klub-Vertreter wenig überraschend Zuversicht, wenn es um die Zukunft des Wettbewerbs geht. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass der Wettbewerb in der obersten Liga ernst genommen werde. «Dann könnte das Format auch für NLA-Vereine attraktiv werden.»

Helblings Ernstkampf-Rückkehr
In Zug ist der Cup-Ehrgeiz in diesem Jahr gross. «Schon im ersten Spiel bei Wiki-Münsingen traten wir in Bestbesetzung auf», unterstreicht Timo Helbling, welchen Stellenwert der EVZ dem Schweizer Cup beimisst. In Hägendorf aufgewachsen, zog Helbling nach zehn Nachwuchsjahren beim EHC Olten als 15-Jähriger aus, um sich via Nordamerika als polarisierender Verteidiger-Haudegen in der NLA einen Namen zu machen. Der Ex-Oltner spielte in den vergangenen Jahren auch für Davos, Lugano, Fribourg, Zug und Bern – wo er im vergangenen Frühjahr beim unerwarteten Meistermärchen dabei sein durfte.

Mit dem Meistertitel dekoriert, hätte bei den Kloten Flyers für den mittlerweile 35-Jährigen (schon wieder) ein neues Kapitel beginnen sollen. Aber aufgrund Klotens fianziellem Kollaps wurde sein Vertrag aufgelöst – Zug war auf der Suche nach Verdrängungsmasse dankender Abnehmer.

Erinnerungen werden wach
Zwanzig Jahre nachdem der Hägendörfer das Kleinholz als Teenager hinter sich liess, kehrt er heute also erstmals für einen Ernstkampf nach Olten zurück. «Es kommen viele Erinnerungen hoch, zumal meine Familie und Kollegen das Spiel besuchen werden», spricht Timo Helbling viel mehr von Emotionen, denn von einem erhöhten Nervositätspegel.

Zwei Dekaden benötigte Helbling auch, um es zum ersehnten Titel zu schaffen. Wäre es nach vollbrachtem Meistertitel nicht reizvoll, in einer Leaderrolle beim EHC Olten den Aufsteig anzustreben und somit den Kreis zu schliessen? Helbling lacht mit der für ihn typischen Ruhe. «Momentan ist dies noch kein Thema, ich habe in Zug einen zwei Jahre laufenden Vertrag». Zwar fühle er sich noch sehr gut, so der 84-fache Internationale. Und solange es gut laufe, wolle er noch spielen. «Aber ich will nicht spielen, bis ich umfalle – Olten ist jedoch nach wie vor im Hinterkopf», lässt Helbling ein Türchen für eine allfällige Rückkehr in die Dreitannenstadt offen.

Zunächst müssen sich die Oltner in Acht nehmen, dass sie am Ende nicht von Timo Helbling abgeschossen werden. Immerhin traf Helbling bisher in fünf Cup-Spielen drei Mal. Für den Defensivverteidiger aus Hägendorf ist diese Quote nicht gerade alltäglich. (von Yann Schlegl)

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