Sonntag, 25. Juni 2017

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Aus der Lethargie erwacht


Marco Truttmann zeichnet sich beim 3:0-Heimsieg des EHC Olten gegen Visp als Doppeltorschütze aus und schweigt.

BILDER
Marco Truttmanns erster Streich: Mit seinen Saisontoren sechs und sieben schuf der Oltner Stürmer (rechts) gegen Visp die Differenz. (Bild: Hr. Aeschbacher)

Olten - Visp 3:0 (1:0, 2:0, 0:0)

Kleinholz. – 3141 Zuschauer. – SR: Erard (Kehrli/ Schüpbach). – Tore: 10. Hirt (Feser, Rouiller) 1:0. 31. Truttmann (Schneuwly) 2:0. 33. Truttmann (Schneuwly, Wüst) 3:0. – Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen Olten, 1-mal 2 Minuten gegen Visp.

Olten: Mischler; Pargätzi, Meister; Grieder, Gedig; Chuard, Rouiller; Bagnoud, Kobach; Schwarzenbach, Diem, Ulmer; Wüst, Schneuwly, Truttmann; Huber, Feser, Hirt; Hürlimann, Mäder, Aeschlimann.

Visp: Schoder; Dubois, Burren; Wiedmer, Heynen, Tim Bucher, Kühni; Lindemann; Rapuzzi, Tobias Bucher, Rheault; Thibaudeau, Neher, Furrer; Dolana, Meyer, Botta; Alihodzic, Ritz, Sturny; Brunold.

Bemerkungen: Olten ohne Heinimann (Genf), Sahli, Morini und Nyffeler. Visp ohne Camperchioli und Wyssen (alle verletzt). 50. Lattenschuss Schneuwly.

Zwar zogen die Gäste aus Visp gegen die Dreitannenstädter eine diskussionslose Niederlage ein. Aber für den EHC Visp dürfte die Momentaufnahme von diesem Freitagabend letztlich belanglos sein. Denn das wichtigste «Spiel» steht für die Walliser am Wochenende abseits der Eisfläche statt. Morgen Sonntag wird in der Lonzastadt an der Urne über den Bau einer 35 Millionen teuren Eishalle abgestimmt. In dieser Angelegenheit wäre eine Niederlage für die Visper fatal, träumen doch auch die Walliser insgeheim von einer Zukunft in der NLA. Dazu würde die 1978 errichtete Litternahalle, die vielmehr an eine Industriehalle, denn an einen Eishockeytempel mahnt, eine ungenügende Grundlage darstellen. Es scheint undenkbar, dass ein derartiges Vorzeigeprojekt im eishockeyverrückten Visp, das hinter Olten den zweithöchsten Zuschauerschnitt aufweist, abgeschmettert würde, auch wenn es sich um eine hohe Investitionssumme handelt. Der Abstimmungskampagne wurde im Umfeld des Visper Eishockeyunternehmens zuletzt viel Aufmerksamkeit geschenkt – auch die Spieler gingen dienten in dieser Phase als Botschafter.

Und trotz potenzieller Ablenkung hinter den Kulissen zeigten die Walliser zuletzt auf dem Eis eine aufsteigende Tendenz. Nicht so aber in Olten. Im schmucken Kleinholz wirkten die Visper über die gesamte Spieldauer gesehen überraschend harmlos. Dass Olten zuletzt vor eigenem Publikum Mühe bekundet hatte, konnten die Gäste nicht zu ihren Gunsten nutzen. Denn nach drei Heimniederlagen war – nicht zuletzt beim Publikum – noch immer eine leichte Lethargie zu spüren. Headcoach Maurizio Mansi hatte zuletzt von einer Anspannung und Frustration gesprochen, die sich beim Auslassen von Möglichkeiten, manifestiere. Erstmals Durchatmen konnten die Oltner daher in der zehnten Minute, als Hirt sich ein Herz fasste und nach einer schönen Einzelaktion den Puck via Pfosten unter die Latte setzte.

Im insgesamt doch ein wenig schläfrig wirkenden, aber ausgeglichenen Startdrittel, kamen die Visper bloss durch ihr schnelles Umschaltspiel vor Matthias Mischler auf. Der Oltner Schlussmann zog in Abwesenheit des angeschlagenen Dominic Nyffeler einen tadellosen Abend ein – die Glanzleistung wurde in der Endabrechnung mit einem Shutout belohnt.

Fanszene ruft zur Unterstützung auf

Es brauchte seine Zeit, ehe das Kleinholz endgültig aus dem Dornröschenschlaf erwachte. Bereits vor dem Spiel hatte die Südkurve mit einem Flugblatt das Ende der negativen Stimmung gefordert, die zuletzt auf die Spieler niedergeprasselt war, weil einige von ihnen ihrer Form hinterherlaufen. Unter anderem Marco Truttmann war im Zuge seiner Vertragsverhandlungen in die Kritik geraten, weil er auf dem Eis zusehends abflachte.

Doch nun hatte der Flügelstürmer gegen die Walliser eine eindrückliche Antwort bereit. Mansi hatte bei der Linienzusammenstellung ein glückliches Händchen bewiesen: Denn mit Cédric Schneuwly und Truttmann hatten sich an diesem Abend offensichtlich zwei gefunden. Schneuwly konnte dank seiner Hartnäckigkeit zweimal ideal für Truttmann auflegen. Und der Oltner Goalgetter wurde wieder seinem Namen gerecht, als er seine zuletzt abhandengekommene Kaltblütigkeit an den Tag legte. Erst lenkte der Oltner Flügelstürmer eine Hereigabe direkt ab, dann traf er aus unmöglichem Winkel präzise ins hohe Eck. Ob Truttmanns Auferstehung mit der sich abzeichnenden Zukunftsregelung zusammenhängt blieb gestern Abend offen, weil Truttmann sich in dieser Thematik mit einem «kein Kommentar» äusserte.

Gewohnt emotionslos zeigte er sich nach dem Spiel, als er seine Leistung einschätzte: «Es ist sicher schön, wenn die Tore wieder fallen». Auf dem Eis hatte er wenige Momente zuvor mit den Kollegen um die Wette gestrahlt – eine gewisse Erleichterung war allemal auszumachen gewesen. Am Sonntag muss sich der EHC Olten beim Leader La Chaux-de-Fonds im Spitzenkampf nicht verstecken, wenn es gelingt die Leistung aus dem Visp-Spiel wiederum abzurufen. (von Yann Schlegel)

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