Samstag, 25. März 2017

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«Ich will mehr Verantwortung»


EHCO-Schillerfalter Marco Truttmann im grossen Interview über Geld, Vertragspoker, Negativismus und hohe Ziele.

BILDER
EHCO-Stürmer Marco Truttmann spricht offen und ehrlich über seine Zukunft. (Bild: Bruno Kissling)

Marco Truttmann
Der 31-jährige Schwyzer ist statistisch der beste Schweizer Skorer beim EHC Olten. Er bestreitet seine fünfte Saison für die Dreitannenstädter und hat in 242 Spielen 290 Punkte erzielt. Nach mehrwöchigen Verhandlungen hat er sich kürzlich entschieden, beim EHC Olten zu bleiben: Er hat einen neuen Dreijahresvertrag unterschrieben.

Marco Truttmann, was wünschen Sie sich zu Weihnachten? 
Marco Truttmann: Also den Lotto-Jackpot würde ich gerne nehmen (lacht). 

Sie spielen Lotto? 
Ja, wenn der Jackpot so hoch ist, muss man doch mitspielen. Ab 10, 15 Millionen Franken im Jackpot spiele ich im Schweizer Lotto jeweils mit und hin und wieder probiere ich mein Glück im Euro Millions. 

Würden Sie mit dem Eishockey aufhören, wenn Sie das Geld gewinnen würden? 
Nicht sofort. Ich würde wohl die Saison noch zu Ende spielen und dann versuchen, beim EHC Olten Präsident zu werden (lacht). Spass beiseite. Ich bin nicht einer, der mit Geld um sich wirft. Ich würde, wie wohl die meisten, viel Geld auf die Seite legen und bestimmt etwas Schönes bauen. 

Und was wünschen Sie sich in sportlicher Hinsicht? 
Ich hoffe, dass es mir persönlich wieder besser läuft, dass ich wieder mehr Punkte mache und dass wir als Team Erfolge feiern können, dass wir mindestens den vierten Platz sichern können und dass wir erfolgreiche Playoffs spielen werden. 

Sie haben einen Dreijahresvertrag unterschrieben. Haben Sie sich damit auch ein Geschenk gemacht? 
Was wollen Sie damit ansprechen? (lacht) 

Das überlassen wir Ihnen. 
Ich erachte die Vertragsverlängerung als eine Win-win-Situation. Für den EHC Olten ist es eine gute Sache und für mich auch. 

Vor allem finanziell? 
Ich äussere mich nicht zu solchen Vertragsdetails. Noch einmal: Im Grossen und Ganzen stimmt es für beide Seiten. 

Aber es scheinen harte Verhandlungen gewesen zu sein. 
Das bestimmt. Es gehört auch zum Business dazu, dass man mit anderen Klubs verhandelt. Ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste, da muss man sich die Angebote anderer Klubs ansehen. 

Weshalb waren Sie sich so lange Zeit uneinig? Ging es um Geld? 
Das Finanzielle war nie ein Thema. Da haben wir uns schon zu Beginn einigen können. Es ging um Details. 

Nahmen Sie die Verhandlungen mit Langenthal ernst oder stand lediglich der Vertragspoker mit Olten im Vordergrund? 
Es waren intensive Verhandlungen mit Langenthal, ich hatte gute Gespräche geführt. Es war nie meine Absicht, dass dies öffentlich wird und Olten dadurch quasi das Portemonnaie öffnen soll. Ich habe mir lediglich die Interessen von Langenthal angehört. 

Haben Sie sich in dieser Zeit gewünscht, Sie hätten einen Agenten? 
Ich bin froh, dass ich selber verhandeln konnte. Aber es ist schon so, dass es sehr anstrengend und belastend sein kann. Man muss alles selber koordinieren, über Wochen hinweg, das kann einen schon kaputtmachen. 

Hatten Sie viele schlaflose Nächte? 
Schlaflose Nächte nicht, aber ich musste mich schon um vieles kümmern. Aber als Spieler weisst du bei den Verhandlungen sofort, woran du bist. Ein Agent sagt vielleicht nicht immer die Wahrheit, schaut vielleicht eher auch mal für sich statt für den Spieler. 

Haben Sie mit jemandem über die Offerte gesprochen? 
Ich habe in meinem Umfeld Leute, von denen ich quasi den Vertrag absegnen lassen konnte – auch was das Rechtliche betrifft, Versicherungen, Krankenkasse und vieles mehr. 

Was hätte für einen Wechsel gesprochen? 
Ich hatte vor der Anfrage Langenthals nie ein Gespräch mit Olten. Es ist deshalb nur logisch, dass ich mir über meine Zukunft Gedanken mache und die Angebote prüfe, die ich erhalte. Grundsätzlich muss bei einem Wechsel das ganze Paket stimmen. 

Hätten Sie gewünscht, Olten hätte Sie früher kontaktiert? 
Die Anfrage Langenthals kam zu einer Zeit, in der ich sportlich nicht meine Topleistungen abrufen konnte. Aber es ist so, dass ich Klarheit schaffen wollte, niemand hat gerne eine ungewisse Zukunft. Ich wollte wissen, ob Olten nach wie vor mit mir plant. 

Was glauben Sie: Wie wären Sie in Langenthal aufgenommen worden? 
(zögert) Ich kann mir vorstellen, dass es vielleicht schon den einen oder anderen gegeben hätte, der sich darüber genervt hätte, dass ich von Olten komme. Aber sie hätten auch schnell gemerkt und wären bestimmt froh gewesen, einen Spieler im Kader zu haben, von dem man weiss, zu welchen Leistungen er fähig ist. 

Hatten Sie nebst Langenthal noch andere Angebote? 
Ja, aber das ist nun passé. Ich bleibe in Olten. 

Weitere Vereine von der NLB-Spitze? 
Das sagen Sie (lacht). 

Aber die NLA kam nicht mehr infrage? 
Nein. Es war ja auch ein Zeichen meinerseits, als ich damals in Olten unterschrieben hatte und nicht bei einem NLA-Team. Die NLA wird nur wieder zum Thema, wenn wir mit Olten unsere Ziele erreichen (ballt die Faust). 

Sobald öffentlich wurde, dass Sie mit Langenthal verhandeln, haben Sie auch einige Oltner wütend gemacht. Wie geht man damit um? 
Das darf dich als Spieler nicht belasten. Das Verhandeln gehört zum Geschäft, da kann ich mich nicht dagegen wehren. Ich finde es schade, dass es in Olten so viele negativ denkende Leute gibt. 

Woran liegt denn diese hohe Erwartungshaltung und dieser Negativismus? 
Das müssen Sie vielleicht die Fans fragen. Ich weiss es nicht. Man hat seit x-Jahren das Ziel, NLB-Meister zu werden, endlich mal diese Ligaqualifikation zu bestreiten. Aber das sieht man als selbstverständlich an. Die anderen Vereine machen auch ihre Fortschritte und verstärken sich mit guten Spielern. Es wird von Jahr zu Jahr schwieriger, aufzusteigen. Es muss vieles stimmen, dass dieses Ziel erreicht werden kann. 

Damit als Spieler umzugehen, dürfte extrem schwierig sein.
Ja, klar. Vor allem bekommst du es als Spieler mit – die Pfiffe, die Enttäuschung, das Raunen nach einem Fehlpass. Die Fans würden am liebsten perfektes Eishockey sehen, wie wir jedes Spiel dominieren, wenn möglich 10:0 gewinnen. Aber das ist nicht die Realität. Man kann nun mal nicht alle 48 Spiele gewinnen und schon im September den Pokal holen. Ich erlebe diese Einstellung hier in Olten als besonders extrem. Ich weiss nicht, warum so viele unzufrieden sind. 

Wie reagiert ihr als Team darauf? 
Wir versuchen natürlich, stets positiv zu bleiben, motivieren uns gegenseitig. Ich wünsche mir, dass wir alle das gleiche Ziel verfolgen, die Spieler, der Staff, die Fans. Wir müssen miteinander diesen Aufstieg anstreben und auf diesem Weg kann nicht alles perfekt sein. 

Apropos Team: Wie haben Ihre Teamkollegen auf Ihre Vertragsverhandlungen reagiert? 
Einige wollten wissen, was dahinter steckt. Aber sonst haben wir nie gross darüber gesprochen, da ist jeder Profi genug. Nach der Unterschrift haben mir einige gratuliert, es dürften einige Freude gehabt haben, andere vielleicht weniger. Neider gibt es überall, das ist doch in jedem Geschäft so. 

Die Verhandlungen haben Energie geraubt. Hat das auch einen Einfluss auf Ihre Leistung auf dem Eis? 
Auf dem Eis denkt man nicht über seinen Vertrag nach. Vielleicht ist es irgendwo im Hinterkopf präsent, aber das darf dich nicht beeinflussen. Ich habe immer versucht, mein bestes Eishockey zu spielen. 

Wie gehen Sie mit Druck um? 
Ich weiss, dass ich den Druck habe, und kann damit gut umgehen. Ich hatte die letzten vier Jahre nicht weniger Druck als heute. Vielleicht bekommt man ihn etwas mehr zu spüren, wenn man seine Leistungen nicht abrufen kann, aber damit muss man klarkommen. 

Was ist denn Ihre Selbstanalyse, dass es derzeit nicht so rund läuft? 
Wenn ich es wüsste, würde ich es ändern. Das Glück fehlt mir ein wenig, einmal habe ich das leere Tor vor mir und treffe nur den Pfosten, das andere mal ist gerade noch die Fanghand des Torhüters im Weg. Früher hätte ich diese Chancen blind gemacht, das ist nicht zu erklären. Manchmal gibt es solche Phasen, in denen einfach vieles nicht klappt. 

Man hat generell das Gefühl, dass das Team etwas verkrampft spielt. 
(verwirft die Hände) Vielleicht überlegen wir in vielen Situation zu viel. Dabei sollten wir einfach unbekümmert aufspielen. Vielleicht wollen wir selber zu viel, ich weiss es nicht. 

Nun schwebt dieser Dreijahresplan am Horizont. Wie realistisch schätzen Sie den Aufstieg ein? 
Es laufen ja viele Verträge aus. Es liegt auch an der Führung, in dieser Zeit ein schlagkräftiges Team zusammenzustellen. Der Erfolg kostet etwas, es müssen auch Spieler kommen, die das Potenzial haben, solch hohe Ziele zu erreichen. 

Sie sind ein Leistungsträger. Wünschen Sie sich Unterstützung? 
Es braucht sicher ein breites Kader. Ein ambitioniertes Team kann nicht nur von einem Block leben. 

In welcher Rolle sehen Sie sich? 
Sicher als Führungsspieler. Ich würde behaupten: Ich weiss, wie man solche Ziele erreicht, und hoffe daher auch, dass ich in gewissen Sachen mehr Verantwortung übernehmen kann. 

Sie gelten als Finesse-Spieler. Braucht Olten noch mehr Härte? 
Wir sind nicht eine Mannschaft, die körperlich spielt. Klar, wir haben robuste Spieler, aber dennoch überzeugen wir mit unseren spielerischen Qualitäten. Ich glaube, dass wir mehr Spielmacher-Typen brauchen, die ein Spiel an sich reissen können. 

Zum Abschluss: Was nehmen Sie sich für Vorsätze im neuen Jahr? 
Es wäre schön, wenn wir schon in dieser Saison Meister werden und mal an der Ligaqualifikation schnuppern könnten. (von Silvan Hartmann und Marcel Kuchta)

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