Mittwoch, 26. April 2017

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«Alle haben gesagt: Nutz die Chance»


Yannick Erb, neuer Verwaltungsrat des EHC Olten, über seine Hockeybegeisterung, Geld, Investitionen und hohe Ziele.

BILDER
Unternehmer und EHCO-Verwaltungsrat: Der 30-jährige Yannick Erb mit Eishockeyschläger im Hochregallager seiner Alufolien-Firma Korff AG in Oberbipp. (Bild: Mario Heller)

Zur Person
Yannick Erb wurde am 16. Juni 1986 in Vevey geboren, wuchs in Bettlach auf und wohnt heute in der Stadt Solothurn. 2014 hat er die Korff AG von seinem Vater übernommen. Das Unternehmen hat sich auf die massgeschneiderte Bearbeitung von Alufolien spezialisiert. Erstaunlich oft kommt man mit der Oberbipper Firma, die ihre Produkte in 50 Branchen liefert, in Kontakt: So werden zum Beispiel perforierte Folien hergestellt, die Airlines, wie etwa die Swiss, Lufthansa oder Austrian Airlines, für ihre vorgekochten Mahlzeiten benötigen, Dampfsperrfolien für das Baugewerbe, speziell gefaltete Folienstreifen, die Coiffeure für das Haarfärben verwenden, bunte Zuschnitte, mit denen Confiseure ihre Praliné-Kreationen umhüllen oder Folien, die für die Verpackung von Butter gebraucht werden. (sha)

Yannick Erb, Roger Schawinski beginnt seine Talkshow stets mit derselben Frage: Wer sind Sie? 
Yannick Erb: (lacht) Ich habe Maschinenbau und Betriebswirtschaft an der ETH in Zürich studiert, habe zwei Jahre in einem Ingenieurbüro in Oensingen gearbeitet und bin daraufhin im August 2014 in unseren Familienbetrieb eingestiegen. 

Und wie würden Sie sich als Mensch beschreiben? 
Ich bin gewissenhaft, arbeite sehr exakt, habe gerne Ordnung. Als Naturwissenschaftler habe ich gerne Sachen, die man sieht, die Hand und Fuss haben. Und in der Freizeit bin ich sehr sportlich. Ich bin kein Supersportler, zu einer Profikarriere hätte es wohl nie gereicht (lacht)

Sie sind erst 30 Jahre alt. Sind Sie ein guter Chef? 
Ich lege viel Wert darauf, dass wir im Unternehmen einen fairen Umgangston pflegen. Wir können nur als Team bestehen, Einzelkämpfer sind hier erfolglos, das wissen unsere Mitarbeiter und schätzen dies auch. Wir sind ein Familienunternehmen mit 27 Mitarbeitern und sehr flachen Hierarchien. Wenn jemand ein Problem hat, steht die Tür jederzeit offen. 

Sie haben einen steilen Aufstieg hinter sich, sind Geschäftsinhaber und CEO. Erachten Sie das als etwas Spezielles? 
Ja, auf jeden Fall. Das ist etwas Besonderes, was ich auch zu schätzen weiss. Mein Vater hat die Korff AG vor 13 Jahren gekauft. Er wollte im Alter von 48 Jahren, als er in Brügg bei Biel Geschäftsführer eines grösseren Unternehmens war, noch etwas Eigenes. Schon bald stand fest, dass ich dann hier einsteigen werde. Heute arbeitet mein Vater noch rund drei Tage in der Woche, zieht sich sukzessive zurück. 

Wie würden Sie denn Ihre Beziehung zu Ihrem Vater beschreiben? 
Sehr gut, sehr kollegial, auch zu meiner Mutter, die auch im Unternehmen arbeitet. Wir verstehen uns blendend. Ich teile das Büro mit meinem Vater. Viele können sich das nicht vorstellen, mit den Eltern zu arbeiten, dann sogar noch im gleichen Raum. Bei uns funktioniert das bestens. 

Sie steigen beim EHC Olten ein. Was verbindet Sie mit dem Eishockey? 
Ich bin hockeybegeistert. Schon als kleiner Bub hatte ich im Quartier mit Freunden stundenlang Hockey gespielt und ich spiele selber auch Hockey – nicht Eishockey, aber Inlinehockey in Grenchen, was mir grossen Spass bereitet. 

Was macht für Sie das Eishockey aus? 
Mich fasziniert das schnelle, körperbetonte Spiel, da passiert immer etwas. Für die Zuschauer ist die Spannung nie weg, da endet ein Spiel kaum mit nur einem Treffer. 

Selber haben Sie nie Eishockey gespielt? 
Ich habe früh mit Fussball begonnen. Im Alter von etwa zehn Jahren kam dann doch die Frage auf, ob ich Eishockey spielen soll. Meine Eltern hätten mich unterstützt, aber ich hatte meine Freunde in Bettlach und Grenchen und hätte wohl fürs Eishockey nach Biel fahren müssen, weshalb es nie dazu kam. Ich fühle mich heutzutage auf den Schlittschuhen auch nicht wirklich stabil, das geht mit den Inlineskates doch einiges besser (lacht)

Was verbindet Sie mit dem EHC Olten? 
Mittlerweile sehr viel. Es begann vor etwa vier Jahren, als ich im Ingenieurbüro BSB+Partner in Oensingen gearbeitet hatte. Rolf Riechsteiner, mein damaliger Vorgesetzter, ist ein grosser EHC-Olten-Fan und so fand ich den Weg ins Kleinholz. Vor etwa einem Jahr habe ich dann EHCO-Geschäftsführer Pesche Rötheli kennen gelernt – und so kam der Kontakt zustande. Und Mitte dieses Jahres wurde ich dann angefragt, ob ich mir vorstellen könnte, im Verwaltungsrat mitzuhelfen. 

Wie haben Sie darauf reagiert? 
Ich war baff, dass man mich fragt, aber fühlte mich natürlich gleichzeitig geehrt. Ich habe dann nach einer kurzen Bedenkzeit zugestimmt. Ich musste mir sagen: Warum eigentlich nicht? Schliesslich begeistert mich das Eishockey seit über 20 Jahren. Und als Fan ist es ja immer einfach, eine Mannschaft zu bewerten, im Stadion schauen ja immer 5000 Trainer und Experten zu, da weiss es jeder besser als der andere. Aber einmal hinter die Kulissen zu blicken, erachte ich als grosse Chance. Warum entscheidet man in diesem und jenem Fall so und was steckt dahinter? Ich kann sicher wieder vieles lernen, ich freue mich auf die Zeit. 

Warum wurden Sie Verwaltungsrat? 
Die Idee beim EHC Olten war, dass sie jemand aus der Region zwischen Olten und Biel dazugewinnen wollten, weil viele der Bisherigen ja aus der Region Olten/Aargau stammen. Und junges Blut, ein frischer Blickwinkel, tut einem Gesamt-Verwaltungsrat immer gut. 

Wie hat Ihr Umfeld auf Ihre VR-Position reagiert? 
Sehr positiv und teilweise, genau wie ich, waren sie sehr überrascht. 

Keine blöden Sprüche? 
Überhaupt nicht. Im Gegenteil: Das haben mir alle gegönnt und alle waren der Meinung: Nutz die Chance.

Wie kann der EHC Olten von Ihnen als Verwaltungsrat profitieren? 
Ich denke, ich bringe das Neue mit. Ich habe keine Probleme damit, zu sagen, wie ich es sehe, auch wenn ich dabei vielleicht auf Widerstand stosse. Man soll ja nicht alles abnicken, sondern seine Meinung kundtun. Das wird auch von mir erwartet, eine neutrale Perspektive. Ich kenne noch fast niemanden, bin also nicht vorbelastet. Man entwickelt ganz automatisch mit der Zeit einen gewissen Tunnelblick. 

Was versprechen Sie sich persönlich vom Mandat? 
Dass wir mit den Inputs von uns Verwaltungsräten das grosse Ziel, den Aufstieg in die NLA in den nächsten drei Jahren, erreichen. Die Gefahr, dass sich die NLA zu einer geschlossenen Liga entwickelt, besteht mehr denn je. Die Richtung dazu wurde ja bereits vom Verband in die Wege geleitet. Da müssen wir dagegen ankämpfen. 

Das wäre das Ende für den EHC Olten. 
Ich meine, wenn man ins Stadion geht, geht man vielleicht in der Hoffnung dorthin, Ende Saison aufzusteigen, mal die Ligaqualifikation zu bestreiten. Und wenn das alles nicht mehr da ist, spielt man in der NLB um die goldene Ananas. Was will man dann noch? Dann wird es schwierig, weiter bestehen zu können. 

Beabsichtigen Sie auch, persönlich Profit aus dem Mandat zu schlagen? 
Kaum. Wir sind ein Nischenplayer, der 85 Prozent in den Euroraum exportiert, unser grösster Markt ist Deutschland. Ich erhoffe mir keine Geschäfte, auch nicht mit einem Beitritt in den Club Pentadon beim EHC Olten. Das ist alles Goodwill, weil wir es gerne machen. 

Was denken Sie: Wird es ein zeitlich aufwändiges Mandat sein? 
Diese Frage habe ich mir vorgängig natürlich auch gestellt. Ich weile geschäftlich viel im Ausland, bin viel unterwegs und da bringt es dann für beide Seiten nicht viel, wenn man mehr ab- als anwesend ist. Der Aufwand dürfte sich auf rund vier bis sechs Stunden pro Monat belaufen und wenn es mal brennen sollte und eine Entscheidung gefällt werden muss, dann sitzen wir kurz zusammen oder organisieren eine Telefonkonferenz. 

Tritt ein vermögender Verwaltungsrat einem Verein bei, fragt man sich sofort: Wird jetzt tatkräftig investiert? 
Vermögend? Das ist immer die Presse, die so etwas schreibt (schmunzelt). Ich habe schon der EHCO-Führung gesagt: Das, was ich bringe, ist eine neue, neutrale Sichtweise und meine unbegrenzte Hockeybegeisterung, aber sicher nicht irgendwelche Unsummen. Wir sind im Club Pentadon mit von der Partie – und das ist es. 

EHCO-Präsident Benvenuto Savoldelli kalkulierte stets vorsichtig, gab nur das Geld aus, das er zur Verfügung hatte. Werden mit Ihnen die schwarzen Zahlen der Vergangenheit angehören? 
Warum? Nein, mit Sicherheit nicht. 

Sie garantieren also keinen Defizitausgleich? 
Von mir? Bestimmt nicht. Ich weiss, dass der EHC Olten immer darauf bedacht ist, mit positiven Zahlen abzuschliessen. Da ist man drauf und dran, dass das auch zukünftig der Fall sein wird. Es ist wie überall: Man kann nur das Geld ausgeben, das man effektiv hat, das ist in Olten nicht anders. 

Aber Olten will aufsteigen. Ihnen ist bewusst, dass man tatkräftig investieren muss, um diese Ziele zu erreichen? 
Ja, natürlich. Wenn man das Budget betrachtet, das der EHC Olten zur Verfügung hat, dann stehen wir in der NLB sehr gut da – auch in der nächsten Saison. Wenn man ein Rapperswil anschaut, muss man auch klar festhalten: Geld alleine bringt noch keinen Erfolg. Das hat auch der SC Bern in der Saison 2013/14 bewiesen, als man mit dem zweitgrössten Budget die Playoffs verpasst hatte. Es muss auch ein Wille da sein. Wenn wir einst den Aufstieg schaffen, bin ich der Meinung, dass sich noch mehr Geldgeber finden lassen, die den EHC Olten in der NLA unterstützen wollen. 

Ihr Vater war Mäzen des FC Grenchen. Warum sind Sie nicht dieser Tradition gefolgt? 
Mein Vater ist eher der Fussballer. Er hat eigentlich den FC Grenchen vor dem Bankrott gerettet, als der aus der NLB abgestiegen ist. Er war hoch verschuldet und mein Vater hat geholfen, ihn aus dem Loch zu führen. Nicht mit Geld, sondern viel mehr mit seiner Erfahrung. 

Ihre Firma ist in Oberbipp, Kanton Bern, ansässig. Es würde mehr Sinn machen, beim SC Langenthal einzusteigen. 
Ich bin kein Fan des Kantönligeists. Zudem bin ich in einer Viertelstunde sowohl in Olten wie auch in Langenthal. 

Also Langenthal war nie ein Thema? 
Nein. 

Es ist bald Weihnachten. Was legen Sie dem EHC Olten unter den Baum? 
(lacht) Einen sehr guten Schlussspurt in der Qualifikation mit möglichst vielen Punkten. Der EHC Olten hat mehr Qualitäten als bloss für einen 4. Platz. (von Silvan Hartmann)

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