Donnerstag, 29. Juni 2017

Zofingen

15 bis 21°C

Trennen, was nicht zusammenpasst


Kommentar zur aktuellen Situation beim EHC Olten von Marcel Kuchta.

BILDER

Beim EHC Olten hat sich wieder mal eine Krise breitgemacht. Knapp einen Monat vor dem Auftakt zur entscheidenden Meisterschaftsphase, den Playoffs, ist die Situation so zerfahren und kompliziert wie schon lange nicht mehr. Nach einem guten Start in die Saison haben die Leistungen der Mannschaft je länger, je mehr zu wünschen übrig gelassen.

Lange dauerte es allerdings, bis sich die ungenügenden Darbietungen auch auf die Tabellensituation niedergeschlagen haben. Die vielen Siege gegen die Underdogs aus den Niederungen der Rangliste wirkten wie Schminke, die die Defizite des Teams überdeckte. Wirklich gute Leistungen blieben die Ausnahme. Der 4:1-Sieg beim damaligen Leader La Chaux-de-Fonds zum Ende des letzten Jahrs war ein einsames Highlight, welchem sofort wieder eine enttäuschende Darbietung folgte.

Was sich allerdings wie ein roter Faden durch den bisherigen Saisonverlauf zog, war das Gefühl, dass hier ganz einfach etwas nicht zusammenpasst. Es wäre aber zu einfach, die ganze Schuld dem Trainerteam in die Schuhe zu schieben. Denn die Probleme haben eine tiefere Ursache und sind auf vielen Ebenen zu finden. Der Versuch einer Auslegeordnung. 
 
Die Trainer: Maurizio Mansi und Chris Bartolone leisten, von aussen betrachtet, gute Arbeit. Sie sind seriös vorbereitet, pflichtbewusst – ehrliche, bodenständige Schaffer. Aber trotzdem lässt sich nach ihrer halbjährigen Amtszeit feststellen, dass die beiden bisher nicht in der Lage waren, den Puls der Mannschaft zu spüren und ihr Konzept entsprechend den Stärken dieses (nicht einfachen!) Teams anzupassen. Mansi lässt ein Eishockey spielen, das nicht mit dieser Mannschaft kompatibel ist.

Wie hilflos er inzwischen geworden ist, zeigte eine Szene in Visp exemplarisch. Beim Stand von 2:5 nahm er sechs Minuten vor Schluss, bei doppelter Überzahl, auch noch den Goalie vom Eis. Doch anstatt den sechsten Feldspieler mit in den Angriff zu schicken, ordnete er an, dass dieser Mann im eigenen Verteidigungsdrittel eine Art Libero spielt. Was zur Folge hatte, dass der sechste Spieler (erst Remo Hirt, dann Ramon Diem) dem Treiben vor dem Visper Tor aus der Distanz tatenlos zusehen musste.

Es war derart absurd, dass sich selbst die einheimischen Fans auf der Tribüne verwundert die Augen rieben und belustigt den Kopf schüttelten. Mit (Verzweiflungs-)Aktionen wie diesen tut sich Maurizio Mansi keinen Gefallen. Sie sind vielmehr ein Ausdruck einer tief sitzenden Verunsicherung. Und die spürt auch die Mannschaft. 

Der Sportchef: Köbi Kölliker ist verantwortlich für die Verpflichtung von Trainer Maurizio Mansi, mit dem er freundschaftlich verbunden ist. Er hat sich im letzten Sommer bewusst für eine unkonventionelle, billigere Lösung entschieden. Aber er hat dabei nicht sehr viel Fingerspitzengefühl gezeigt. Seine Philosophie, wonach sich die Mannschaft dem Stil des Trainers anpassen muss, funktioniert nicht. Aus Erfahrung hätte er wissen müssen, dass er für dieses Team einen Mann verpflichten muss, der erstens ein sehr guter Motivator ist und der zweitens mehr Wert auf Kreativität legt.

Auch bei den Transfers zeigte er kein gutes Händchen. Letztlich hat sich vor allem der unnötige Abgang von Fabian Ganz negativ ausgewirkt. Erstens war Ganz ein wichtiger Mann in der Kabine, zweitens musste seine Lücke mit der Verpflichtung eines ausländischen Verteidigers kompensiert werden, was wiederum Auswirkungen auf die offensive Feuerkraft der Mannschaft hatte, da im Sturm ein zweiter Söldner fehlte. Curtis Gedig mag ein solider Spieler sein. Den höheren Ansprüchen an einen NLB-Ausländer wird er aber nicht gerecht.

Unter dem Strich hat es Kölliker in seiner Amtszeit in Olten nicht geschafft, die Mannschaft gezielt weiterzuentwickeln. Ein weiteres Handicap: Der Sportchef, das Bindeglied zwischen Mannschaft, Trainer und Chefetage, müsste ein guter Kommunikator und Vermittler zwischen den Interessensgruppen sein. Und das ist der hemdsärmelige Köbi Kölliker definitiv nicht. 

Die Spieler: Verantwortlich für die Leistungen auf dem Eis sind die Spieler. Sie haben am Ende die grösste Macht, entscheiden mit ihrer Performance über das sportliche Wohlergehen des Klubs. Nur scheint man sich dessen in den Reihen der EHCO-Spieler nicht bewusst zu sein. Der Auftritt in Visp war ein Offenbarungseid. Keiner nahm das Heft in die Hand, keiner war in der Lage, ein Zeichen der Stärke zu setzen. Es schien fast so, als ob alle darauf warteten, dass der andere etwas unternimmt.

Kurz: in dieser Mannschaft hat es zu viele Mitläufer und zu wenig Leader. Kommt dazu, dass die Spieler offensichtlich nicht in der Lage sind, das System des Trainers zu adaptieren. Mag sein, dass ein mehr auf läuferische und spielerische Komponenten basierendes Eishockey besser zu diesem Team passen würde. Aber fest steht auch: Ohne Physis und unbedingten Einsatzwillen nützt jedes System nichts. Es sind grundsätzliche Tugenden, die die Spieler vermissen lassen.

Kommt dazu: Der liebe Scott Beattie ist gescheitert, der ruhige Heikki Leime ebenso. Und nun droht dem fordernden Maurizio Mansi dasselbe Schicksal. Es ist an der Zeit, dass man auch die Spieler in die Verantwortung nimmt – auch wenn dies einfacher gesagt, als getan ist. 
 
Die Vereinsführung: Geschäftsführer Peter Rötheli hat sich aus dem sportlichen Alltagsbusiness zurückgezogen. Die Verpflichtung von Sportchef Köbi Kölliker, mit dem er verwandt ist, geht aber auf seine Kappe. Was wiederum die Frage aufwirft, ob hier genügend Distanz vorhanden ist, um die Arbeit des Sportchefs kritisch beurteilen zu können.

Hätten gezielte Inputs aus der Geschäftsleitung den Abwärtstrend der letzten zwei Jahre verhindern können? Der abtretende Präsident Benvenuto Savoldelli hat den Klub finanziell auf Vordermann gebracht, wirkte jedoch hinsichtlich der sportlichen Weiterentwicklung eher als Bremsklotz. Wer sich, wie der EHC Olten, mittelfristig den Aufstieg in die NLA auf die Fahne geschrieben hat, der muss investieren, um dieses hohe Ziel zu erreichen.

Stehen in diesem Klub wirklich alle hinter dieser Vision, an der letztlich auch die Leistungen auf dem Eis gemessen werden? Die Antwort lautet: Nein. 
 
Fazit: Beim EHC Olten passt derzeit nicht mehr viel zusammen. Deshalb bleibt nur ein Schluss. Das, was nicht zusammenpasst, muss getrennt werden. Die grosse Frage ist: Wo ansetzen in diesem kaum mehr überschaubaren Chaos? 

marcel.kuchta@azmedien.ch 

Kommentare zu diesem Artikel (0)
Kommentar zu diesem Artikel schreiben
Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.





Sie befinden sich hier: 

Home / RESSORTS / EHCO Mobile-Website anzeigen


Verlag

Zeitungen





Copyright 2016 © Zofinger Tagblatt