Dienstag, 27. Juni 2017

Zofingen

14 bis 31°C

Der Beruhiger


Der neue Olten-Trainer Bengt-Ake Gustafsson soll Ordnung ins Chaos bringen.

BILDER
Ein bekannter Name an der Bande des EHC Olten: Bengt-Ake Gustafsson. (Bild: Keystone)

Falls sich die Geschichte wiederholt, dann steht der EHC Olten vor einer wunderbaren Zukunft. Als Bengt-Ake Gustafsson im Oktober 2013 in Langnau den glücklosen (No-name) Tomas Tamfal als Trainer ablöste, da übernahm er ein NLB-Team, welches den hohen Erwartungen in keinster Weise gerecht geworden war.

Der damalige NLA-Absteiger wollte sofort wieder aufsteigen, hatte aber einen fürchterlichen Fehlstart hingelegt. Die erste Saison konnte Nothelfer Gustafsson nicht mehr vollends retten. Aber in der darauffolgenden Kampagne führte er die Tigers zurück in die höchste Spielklasse. 

Parallelen zu Langnau 
Seit Dienstagabend steht nun fest, dass der 58-jährige Gustafsson ab Donnerstag die Geschicke an der Bande des EHC Olten in die Hand nehmen wird. Die Situation ist im Kanton Solothurn dabei ganz ähnlich wie jene im Herbst 2013 in Langnau. Die Mannschaft ist weit unter den Erwartungen geblieben. Der (No-name)-Trainer Maurizio Mansi musste gehen.

Gustafsson ist der Mann, der in der laufenden Meisterschaft noch das retten soll, was zu retten ist. Und der in der kommenden Saison dem Team helfen soll, die gesteckten, hohen Ziele – den Aufstieg in die NLA – zu erreichen. So sähe also die wunderbare Zukunft in Olten aus.

Natürlich lässt sich die Situation nicht eins zu eins vergleichen. Die Mannschaft der Tigers war damals qualitativ besser besetzt, als es jene der Oltner aktuell (und vermutlich auch in der kommenden Saison) ist. Aber grundsätzlich muss Bengt-Ake Gustafsson beim EHCO dieselbe Rolle spielen, wie vor etwas mehr als drei Jahren in Langnau. Er soll als ruhender Pol Ordnung bringen in einen Klub, der von einem leidenschaftlichen, aber fordernden Umfeld ständig kritisch beobachtet wird und von einem Sturm ordentlich durchgeschüttelt wurde. Dass dem Schweden dieses Unterfangen auch bei den Powermäusen glücken wird, ist nicht ausgeschlossen. 

Enormer Erfahrungsschatz 
Dank seinem enormen Erfahrungsschatz (661 NHL-Spiele, zweifacher Weltmeister als Spieler und Olympiasieger als Trainer mit der schwedischen Nationalmannschaft) weiss er genau, wie er in solchen schwierigen Phasen handeln muss. Ein Szene-Kenner nennt ihn einen «Beruhiger», der das aufgeregte Umfeld mit seinem Pragmatismus auf den Boden der Tatsachen zurückzubringen vermag.

Gustafsson gilt als Trainer, bei dem sich die Spieler wohlfühlen und der ihnen ein relativ simples taktisches Korsett vermittelt, das aber trotzdem genügend Raum für Kreativität und Eigenverantwortung bietet. In Langnau wurde ihm dies kurioserweise zum Verhängnis. Der Vertrag mit dem Aufstiegstrainer wurde gemäss offizieller Lesart hauptsächlich deshalb nicht verlängert, weil er seinen Spielern «zu wenig Taktik» vermittelt habe.

Es gibt auch Stimmen aus gut informierten Kreisen, die behaupten, dass die Tigers nicht wegen Gustafsson aufgestiegen sind, sondern vornehmlich deshalb, weil sie eine gute Mannschaft hatten. Kritiker unterstellen dem Schweden auch, dass er nicht gerade ein akribischer Arbeiter sei, der vor allem gerne mit «fertigen» Spielern arbeitet und weniger die Talente fördert. 

Enge Beziehung
Gespannt darf man sein, wie sich Bengt-Ake Gustafssons Verhältnis zu seinem alten Kumpel Köbi Kölliker auswirken wird. Zusammen mit dem Oltner Sportchef wirkte er unter Ralph Krueger während fünf Jahren als Assistenztrainer der Schweizer Nationalmannschaft. Diese enge Beziehung könnte insofern von Vorteil sein, dass sich Kölliker nicht in die Belange des Headcoaches einmischt, weil er ihm blind vertraut.

Möglich ist aber auch, dass sich Gustafsson bei seinen Entscheidungen oft auf Köllikers Einschätzungen verlässt, was dessen Einfluss auf die Mannschaft wieder vergrössern – und somit nicht zur Beruhigung der Lage beitragen würde. 

Voller Tatendrang 
Am Mittwochabend kam Bengt-Ake Gustafsson nach fast 20-stündiger Autofahrt aus seiner schwedischen Heimat in Olten an. Und das nach seiner eineinhalbjährigen Auszeit voller Tatendrang. Am Donnerstag wird er seine neue Mannschaft erstmals trainieren. Der Beruhiger beginnt seine Mission in eine hoffentlich erfolgreiche Zukunft. (von Marcel Kuchta)

Kommentare zu diesem Artikel (0)
Kommentar zu diesem Artikel schreiben
Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.





Sie befinden sich hier: 

Home / RESSORTS / EHCO Mobile-Website anzeigen


Verlag

Zeitungen





Copyright 2016 © Zofinger Tagblatt