Mittwoch, 20. September 2017

Zofingen

7 bis 15°C

«Ich bin nicht der König hier in Olten»


Der neue EHCO-Trainer Bengt-Ake Gustafsson über Olten als Gegner, Entlassungen und hohe Ziele.

BILDER
Bengt-Ake Gustafsson hat aufregende Tage hinter sich. (Bild: Bruno Kissling)

Zur Person:
Bengt-Ake Gustafsson bestritt als Spieler (Center) in neun NHL-Saisons 647 Spiele (570 Skorerpunkte). Als Trainer konnte der heute 58-jährige Schwede aus Karlskoga grosse Erfolge feiern: 2006 gewann er als Trainer der schwedischen Nationalmannschaft die Goldmedaille an den Olympischen Winterspielen von Turin und wurde im selben Jahr Weltmeister. 2015 stieg er mit den SCL Tigers in die NLA auf. Ausserdem war er von 1997 bis 2001 unter Ralph Krueger Assistenztrainer der Schweizer Nationalmannschaft.

Die Trainerstationen:
1997 – 2001 Schweiz
1998 – 1999 Feldkirch
1999 – 2001 SC Langnau
2001 – 2005 Färjestad BK
2005 – 2010 Schweden
2010 – 2011 ZSC Lions
2011          Atlant Mytischtschi
2012 – 2013 Nürnberg
2013 – 2015 SCL Tigers

Bengt-Ake Gustafsson, was wissen Sie über den EHC Olten? 
Bengt-Ake Gustafsson: Ich weiss, dass es ein grosser Klub in der Schweiz ist und man in den nächsten zwei, drei Jahren einen Schritt vorwärtsmachen will. Ich hoffe, dass man dann den Aufstieg in die NLA erreicht. Es ist eine grosse Challenge für den Verein und für mich, aber es stimmt mich positiv, dass man solch hohe Ziele anpeilt – das zeigt, dass der Verein lebt. 

Haben Sie Leistungen in dieser Saison mitverfolgt? 
Ich habe mir jeweils die Resultate angesehen und weiss dadurch, dass es ein Auf und Ab gab. Aber ich wüsste nicht, wie sie im Detail gespielt haben. Ich kenne auch die Spieler noch nicht und freue mich deshalb auf die kommenden Tage. 

Maurizio Mansis Assistenztrainer Chris Bartolone bleibt überraschend im Amt. War das Ihr Wunsch? 
Ich habe gesagt, dass es für mich kein Problem ist. Es ist sicher positiv – vor allem zu diesem Zeitpunkt der Saison – , dass jemand da ist, der das Team kennt. Er kann mir viele Türen öffnen. Ob wir auch nächste Saison zusammenarbeiten werden, ist noch offen. Wir werden sehen, ob wir die Chemie finden. Ich habe ein gutes Gefühl. 

Sie haben bei Ihrem ersten Training mehr beobachtet als geleitet. Was ist Ihr erster Eindruck? 
Es ist klar, dass kleine Details noch nicht gut sind, es wurde im Spiel mit der Scheibe zu viel spekuliert. Aber grundsätzlich macht das Team vieles richtig – da ist viel Tempo drin und es wird Gas gegeben. Die Einstellung der Spieler stimmt. 

Haben Sie schon einen Plan, was Sie ändern möchten? 
Es sind bis zu den Playoffs nur noch wenige Spiele zu bestreiten. Ich kann nun nicht einfach alles auf den Kopf stellen. Aber ich hoffe schon, dass wir in den nächsten zweieinhalb Wochen ein paar Sachen verbessern können und gemeinsam den Erfolg finden. 

Olten hat ein sehr anspruchsvolles, kritisches Publikum. Was haben Sie hierzu für Strategien? 
Es ist gut, wenn die Fans etwas hinterfragen. Aber sie sollten einem Team schon die Möglichkeit und die Zeit geben, besser zu werden. Es ist nicht gut, wenn man nur 3000 Experten im Stadion hat, von denen es jeder besser weiss. Die Fans eines Klubs sollten das Team doch lauthals unterstützen, vielleicht die Spieler auch mal aufstellen, ihnen Mut zusprechen, Euphorie versprühen und nicht immer nur das Negative herausstreichen. 

Es ist bestimmt schwierig, wenn man zu diesem Zeitpunkt der Saison als Trainer neu zu einem Team stösst. Wie findet man in eine Gruppe, was sagt man da? 
Man muss grundsätzlich das Gefühl und das Vertrauen bekommen. Ich habe ihnen gesagt, dass man zuerst die kleinen, vermeintlich einfachen Sachen besser machen muss. Das muss von hinten bis nach vorne stimmen und dann bin ich überzeugt, dass auch der Rest wie von alleine kommt. 

Wichtig ist auch der mentale Aspekt, es gab bislang kaum ein Highlight in dieser Saison. 
Ja, da müssen wir an der Basis arbeiten. Wir müssen konstanter werden. Wichtig ist, dass alle mitziehen, wir können es nur gemeinsam schaffen. Die Bereitschaft, der Wille, etwas erreichen zu wollen, muss von jedem Spieler da sein. Klar, es gibt immer wieder Tage, an diesen will nicht viel funktionieren, aber in diesen Tagen ist es umso wichtiger, dass die Einstellung stimmt. Jeder Spieler muss sich bewusst sein, dass es egal ist, ob man nun gegen Langenthal oder gegen ein Farmteam spielt – die Konzentration, die Vorbereitung auf ein Spiel muss stets dieselbe sein. Mir ist klar, dass das nicht einfach ist, aber darauf kommt es an. 

Daran scheiterte Ihr Vorgänger, Maurizio Mansi, der stets an die Arbeitseinstellung der Spieler appellieren musste. Was kann man als Coach machen, dass im Team eben das Miteinander im Zentrum steht? 
Es ist wichtig, dass man mit den Spielern spricht, viele Einzelgespräche sucht, immer wieder Feedbacks der Spieler einholt und diese auch ernst nimmt. Das Team, das Gemeinsame, muss zwingend im Vordergrund stehen. 

Sie verfügen über sehr, sehr viel Erfahrung, haben als Spieler und Trainer grosse Erfolge gefeiert. Denken Sie, das kommt Ihnen zugute? 
Das kann ein Vorteil sein, dass der eine oder andere vielleicht denkt: «Der weiss, wovon er spricht». Aber noch einmal: Ich habe viele Erfolge feiern dürfen, habe viel erlebt, aber ich bin nicht fehlerlos. Und es ist nicht «mein Weg» hier in Olten, ich bin nicht der König hier. Ich bin der Chef, der die letzten Entscheidungen trifft, das ist keine Frage, aber ich brauche auch die Unterstützung der Spieler und ihre Inputs sind genauso wichtig wie meine. 

Sie gelten als «Players-Coach» – ein Trainer, der den Spielern vertraut. Das wurde Ihnen in Langnau trotz Aufstieg in die NLA zum Verhängnis, weil man Ihnen vorgeworfen hat, Sie hätten keine Taktik. 
Das habe ich überhaupt nicht verstanden, das war für mich unglaublich! Ich habe immer viel Wert auf das taktische Spiel gelegt. Das haben ja eigentlich auch die Resultate gezeigt: Wir haben alles gewonnen. Ich weiss nicht, was das Problem gewesen sein soll. 

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie trotz Erfolg plötzlich keinen Job mehr hatten? 
Das war für mich ein Schock. Ich hatte mich zuvor um einen neuen Vertrag bemüht und sie hatten mich immer vertröstet, dass sie das später angehen wollen. Und dann kam plötzlich die Antwort, dass sie mit einem anderen Trainer planen würden. 

Hat Sie das beschäftigt? 
Ja, am Anfang schon. Sie meinten, sie bräuchten einen aggressiveren Trainer, der auch mal auf den Tisch schlägt. Aber das bin nicht ich. Ich bin nicht ein Clown, der vor der ganzen Mannschaft einen Spieler zusammenstaucht, weil es offenbar gut sein soll – das bringt nichts. Ich habe noch nie die Erfahrung gemacht, dass es einem Team etwas bringt, einen einzelnen Spieler vor allen anderen blosszustellen. Ich suche lieber einen Tag später den Kontakt zum Spieler und sage ihm deutlich, was er nicht gut gemacht hat. 

Aber Emotionen gehören doch auch zum Sport. Können Sie nicht wütend werden? 
Ja, natürlich gehören Emotionen dazu, ich zeige am liebsten die positiven Emotionen (lacht und streckt die Arme in die Luft). Funktioniert jedoch etwas nicht, dann bin ich wütend für mich. 

Sie können auch im Einzelgespräch nicht hart sein? 
Ich bin hart im Aufzeigen von Fehlern und sage dem jeweiligen Spieler, was er nicht gut gemacht hat. Und dann braucht es vielleicht ein Extratraining oder sonst etwas. Aber das geht auch mit einem fairen Umgangston. Kein einziger Spieler wird besser, weil der Trainer rumbrüllt.

Was haben Sie in der Zeit ohne Job gemacht? 
Ich bin viel rumgelegen, viel Golf gespielt (lacht) – Spass beiseite: Ich war viel unterwegs und habe viele Eishockeyspiele gesehen – in der Schweiz, in Österreich, in Deutschland, in Schweden. 

Also eher langweilig. 
Man hat plötzlich fast zu viel Zeit. Sagen wir es mal so: Das Leben als aktiver Eishockeytrainer ist sicher interessanter: Die Arbeit mit den Spielern, die Trainings, die Vorbereitung auf ein Spiel, das Match, den Moment nach einem Sieg – für all das lebe ich.

Umso turbulenter war bislang Ihre Woche. Erzählen Sie. 
Ich bekam am Montag die Anfrage und habe dann mein Interesse deponiert. Daraufhin haben wir uns gefunden, am Dienstagabend um 20.45 Uhr, während des Spiels gegen die EVZ Academy, bekam ich die mündliche Zusage. Ich habe umgehend meine Sachen gepackt und bin mit dem Auto von Zuhause in Karlskoga – 250 km östlich von Stockholm – losgefahren. Am Mittwochabend gegen 21 Uhr bin ich dann in Olten angekommen.

Sie haben noch nichts unterschrieben? 
Bislang noch nicht.

Sie haben heute sozusagen gratis gearbeitet. 
Kann man so sehen (schmunzelt). Aber das regeln wir in den nächsten Tagen, das ist kein Problem. Es war einfach nur schön, wieder einmal auf dem Eis zu stehen. 

Sie waren in Ihrer arbeitslosen Zeit oft nahe dran, einen Trainerjob zu bekommen. 
Das stimmt. Ich habe immer gehofft, dass es irgendwo klappen würde. Doch es hat nicht sein sollen. 

Mit Olten hatten Sie auch schon im Frühsommer verhandelt. 
Ich war einer der Kandidaten, aber der Verwaltungsrat entschied sich schliesslich für eine andere Lösung. Das muss man akzeptieren. 

Sonst hatten Sie keine Angebote
Ich hatte mit zwei, drei Klubs in Schweden verhandelt, auch mit schwedischen Klubs aus der zweiten Liga. Ich wollte mir aber stets die Türe für ein Engagement in der Schweiz offenhalten. 

Was ist denn so reizvoll an der Schweiz? 
Mir gefällt das Land sehr und nicht zuletzt sind die Reisezeiten an die Eishockeyspiele sehr kurz. Ich habe viele gute Jahre hier erlebt, habe viele gute Leute kennengelernt. Die Hockeyfans gefallen mir sehr, es gibt eine sehr lebhafte Hockeykultur. Selbst kleinste Dörfer füllen ein Stadion mit 6000 Zuschauern. In den Stadien herrscht immer eine gute Atmosphäre. 

Und das Geld? 
Das hat keine Priorität. 

Als Ihnen immer wieder abgesagt wurde, hat sie das besonders gestresst? 
Man macht sich schon seine Gedanken, ob man denn jetzt schon zu alt ist für das Business. Aber ich weiss, dass ich das Wissen und die Erfahrungen habe, Teams zu helfen. Ich hoffe, dass ich das auch hier in Olten beweisen kann. (von Marcel Kuchta und Silvan Hartmann)

Kommentare zu diesem Artikel (0)
Kommentar zu diesem Artikel schreiben
Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.





Sie befinden sich hier: 

Home / RESSORTS / EHCO Mobile-Website anzeigen


Verlag

Zeitungen





Copyright 2016 © Zofinger Tagblatt