Sonntag, 23. Juli 2017

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«Das wird dann die bittere Realität sein»


CEO Peter Rötheli über einen kränkelnden EHC Olten, Sportchef Köbi Kölliker und Komfortzonen.

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Hatte im September noch mehr zu lachen, als in der aktuellen Situation: EHCO-Geschäftsführer Peter Rötheli im sommerlichen Look. (Bild: Bruno Kissling)

Peter Rötheli, wie oft gingen Sie in dieser Saison als Matchbesucher zufrieden nach Hause? 
Peter Rötheli: Auswärts öfter als zu Hause. Es waren nicht sehr viele Spiele, die überzeugend waren. Vor allem im Kleinholz gab es wenige Momente, die mich aus den Socken gehauen haben, wo die Emotionen hochgekommen sind, weil die Mannschaft 60 Minuten Unterhaltung bot und ihre Leistung über die volle Distanz abrufen konnte. 

Wenn der EHC Olten ein Patient wäre: Wie krank ist er? Liegt er schon auf der Intensivstation? 
Der EHC Olten ist nicht krank und auf der Intensivstation erst recht nicht. Gut – seit drei, vier Wochen geht etwas die Grippewelle umher, es hat im Dezember angefangen und ist im Januar verstärkt aufgekommen. Momentan haben wir etwas Temperatur und den Schnudderi, aber mit guten Gegenmitteln bringen wir das wieder hin (schmunzelt). 

Die Grippe dürfte sich auf das Sportliche beziehen. 
Ja, sonst geht es dem Klub gut. Wenn es sportlich nicht so läuft, wie man sich das wünscht, bekommen wir das tagtäglich zu spüren, egal, ob das im Marketing- oder im Event-Bereich ist oder sonst wo. Da kommen umgehend die Reaktionen von den Leuten, die auf der Geschäftsstelle Tickets holen, die E-Mails schreiben, die sich Sorgen machen über den Gesundheitszustand des Vereins, aber das ist auch gut so. 

Wie oft haben Sie sich in dieser Saison schon Gedanken gemacht, wie stark das Image des Vereins Schaden nimmt? 
Klar denkt man darüber nach, wie nun das Umfeld zu diesem oder jenem Thema denkt. Man sieht es an der Mannschaft an: Da ist eine Inkonstanz vorhanden. Wir konnten kaum 60 Minuten auf unserem Niveau durchspielen und genauso sehe ich auch die ganze Saison. Es war das Auf und Ab, das viele beschäftigt hat, mit einer zentralen Frage: Warum macht man immer wieder die gleichen Fehler? 

Als einer aus dem Volk bekommen Sie die Feedbacks der Fans ungefiltert auf den Tisch. Wie geht man als Geschäftsführer damit um? 
Ich werde sehr oft auf den EHCO angesprochen, ob das nun in einem Restaurant ist oder beim Einkaufen. Es ist schön, wenn der Klub hohe Wellen schlägt und sich viele um den Verein kümmern, egal, in welche Richtungen die Meinungen gehen. Ich mag vor allem jene Kritik, die ich in persönlichen Gesprächen eins zu eins erhalte, die ist auch oftmals konstruktiv. Hingegen kann ich nichts anfangen mit anonymem Rundumschlag, der oftmals nicht einmal der Wahrheit entspricht.

Sie selber werden auch oft kritisiert. Haben Sie sich und Ihre Arbeit auch schon hinterfragt? 
Ich hinterfrage mich jeden Tag – ständig. Ich darf seit über 10 Jahren hier beim EHC Olten dabei sein und würde behaupten, dass ich das Herz und die Leidenschaft nach wie vor nicht verloren habe, sonst hätte ich wohl schon lange gehen müssen. Es gibt Momente, da fragt man sich dann aber schon, weshalb man sich das antut, auch wenn die Freude an der Arbeit überwiegt. 

Warum hat sich in Olten diese Negativkultur so stark entwickelt? 
Ich weiss es nicht. Mir ist es ein Rätsel, warum man mit einer bereits griesgrämigen Stimmung ins Kleinholz kommt und dann nur auf den ersten Fehlpass wartet, bis man seinen Frust loswerden kann. Ich weiss, wir leben immer mehr in einer Wutbürgergesellschaft, aber manchmal wünsche ich mir etwas mehr Gelassenheit, nicht nur beim Eishockey. Vielleicht braucht es eine etwas aufgewecktere Stimmung gegenüber neuen Projekten, gegenüber wagemutigen Leuten, die etwas ausprobieren und vorwärtskommen wollen. 

Wie haben die Partner und Sponsoren auf das Tief reagiert? 
Sie sprechen uns vor allem Mut zu oder geben uns hin und wieder Ratschläge. Mit unseren Toppartnern pflegen wir ein äusserst kollegiales Verhältnis. Es sind auch jene Partner, die nachhaltig mit dem EHC Olten eine Partnerschaft eingehen, da spüren wir die Unterstützung vollumfänglich. 

Man erwartet im Kleinholz nicht erst seit dieser Saison Erfolg. Auf die Euphorie folgte jedoch stets die Ernüchterung. Sie sind jemand, der offensiv kommuniziert, von der NLA spricht und damit eine Erwartungshaltung schürt, andere hingegen treten auf die Bremse. Irgendwo passt etwas nicht zusammen. 
Wenn alle mit Überzeugung hinter der beschlossenen Strategie – in den nächsten drei Jahren den Aufstieg zu erreichen – stehen und alle in eine Richtung rudern, vom Grillmeister über die Ticketverkäuferin bis hin zu den Spielern und Verwaltungsräten, dann kann man solch hohe Ziele in Angriff nehmen und realisieren.

Der Schritt in die NLA ist ungemein gross. Es muss vieles stimmen. 
Die NLB hat mit der Entwicklung zur Farmteamliga deutlich an Attraktivität und Qualität verloren. Wenn wir dieses NLA-Ziel in den nächsten drei Jahren nicht erreichen, dann können wir den ganzen finanziellen, wirtschaftlichen Kuchen nicht mehr halten. Es ist einfach Fakt, dass wir mehrere Grosskonzerne in der Region haben, die uns erst unterstützen wollen, wenn wir in der NLA spielen. Und wenn wir das nicht schaffen, wird es so sein, dass wir den ganzen Apparat herunterfahren müssen. Wir mussten bereits auf diese Saison hin das Budget der Mannschaft um zehn Prozent senken. 

Ganz offensichtlich passen Anspruch und Realität nicht zusammen. 
Die Reduktion war vor dem Beschluss des Dreijahresplanes erfolgt. Ja, vielleicht scheitert der Plan, aber wir machen uns jetzt auf den Weg und nehmen dieses grosse Ziel in Angriff. Wenn man es nicht versucht, hat man schon verloren. 

Droht längerfristig die erste Liga, wenn man scheitert? 
Wenn wir in fünf, sechs Jahren noch immer in der NLB spielen – auf Rang 6, 7 oder 8 platziert sind – haben wir vielleicht noch eine Top-Sturmlinie und der Rest sind Junioren. Das wird dann die bittere Realität sein. Aber ich bin überzeugt, dass wir das Potenzial für Grosses haben, sonst würden wir ja solche Ziele auch nicht anstreben. 

Es wird ein neuer Verwaltungsratspräsident gewählt. Es muss einer sein, der diese Vorwärts-Strategie mit Herzblut verfolgt. 
Er wird eine zentrale Figur sein. Aber es ist auch ein absolutes Schlüsselelement, dass wir den Verwaltungsrat verstärken können. Da müssen bis zu sieben Personen Einsitz haben, die unternehmerisch denken und auch ein gewisses Netzwerk und Know-how mitbringen. Wir brauchen Türöffner, die uns helfen können. So funktionieren alle anderen Vereine in der Schweiz. Dort müssen wir uns besser aufstellen und da sind wir mit dem Beirat, den wir geschaffen haben, auf gutem Weg. Dieser wird im Februar die Arbeit aufnehmen. Ich verspreche mir sehr viel davon. 

Braucht es über dem Sportchef mehr sportliche Kompetenz? 
Ich weiss nicht, ob es jemanden braucht, der viel sportliche Erfahrung mitbringt. Es wäre natürlich schön, wenn es jemanden gäbe. Wir haben es bei Leuten versucht, die viel Erfahrung im Sportbusiness gesammelt haben. Leute, die auch selber professionell gespielt haben, doch hat es sich nichts ergeben. Aber schliesslich ist der EHC Olten eine wirtschaftliche Unternehmung, das darf man auch nicht vergessen. 

Ist Köbi Kölliker denn der richtige Mann, um die sportliche Vision umzusetzen? 
Wir haben Köbi verpflichtet, weil man jemand wollte, der viel vom Eishockey versteht, viel Erfahrungen gesammelt hat, viele Leute kennt, viele Kontakte pflegt und auch mal das Telefon in die Hand nehmen kann. Und nun ist das auch wieder nicht recht, weil dann kritisiert wird, Köbi würde nur seine Freunde verpflichten. Das ist schon fast schizophren. 

Wir behaupten: Er hat einen wahnsinnigen Erfahrungsschatz, aber er ist nicht der Typ, der anspruchsvolle Strategien umsetzen kann. 
Wenn Köbi das Ganze nicht durchziehen könnte, wäre ich der Erste, der Kontakt mit dem Verwaltungsrat suchen würde. Ich finde aber, dass Köbi gute Arbeit leistet. Vor etwa einer Woche hat er mir etwas Gutes gesagt: «Weisst du, Pesche, ich muss hier in Olten keine Freunde finden. Ich habe hier einen Auftrag und den gilt es zu verfolgen.» Das hat mich beeindruckt. Köbi ist einer, der auch harte Entscheidungen umsetzen kann. Es wird in den nächsten Monaten solche geben, die auch wehtun. 

Bezüglich Mannschaft? 
Es laufen bekanntlich etwa 12 Verträge aus, wir werden bis Ende Saison mit keinem Feldspieler vorzeitig verlängern. Die Jungs haben nun die Chance, zu beweisen, dass sie hart an sich arbeiten und für den EHC Olten spielen wollen. Sie müssen die Klubziele in den Vordergrund stellen und einen Schritt aus ihrer Komfortzone machen. Und wer nicht dahinter stehen will oder kann, von dem müssen wir uns leider trennen. Die Zeit der Ausreden ist vorbei. 

Hat Köbi Kölliker denn die Munition zur Verfügung, sprich das Geld, 12 oder 13 qualitativ bessere Spieler zu verpflichten? 
Es ist nicht der Zeitpunkt, um über andere Spieler zu reden. Wir glauben an unser Team und jeder hier hat jetzt die Gelegenheit, zu zeigen, wozu er fähig ist. Man kann nun darüber diskutieren, ob vielleicht nicht der eine oder andere den Zenit überschritten hat, warum er nicht die gewohnten Leistungen erbringt. Aber grundsätzlich bin ich schon der Meinung, dass wir qualitativ mit dem derzeitigen Kader zu den Top-3-Teams der NLB zählen. Klar ist: Wir arbeiten hart daran, dass das Geld vorhanden ist, zumal Rapperswil das Budget um zwei Millionen Franken erhöhen wird. Wir konnten es für unsere Mannschaft für die kommende Saison bereits um zehn Prozent erhöhen. Köbi wird die Möglichkeiten haben, ein schlagkräftiges Team zusammenzustellen. (von Marcel Kuchta und Silvan Hartmann)

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