Mittwoch, 20. September 2017

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Luxuscamper neben Trekkingzelt


Camping ist hip bei allen Alters- und Einkommensklassen. Schweizer Plätze werden überrannt.

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Idylle auf dem Campingplatz «Seeland» in Sempach. Keystone/Martin Rütschi

Vor dem blau metallisierten und topmodernen Wohnmobil, dessen polierte Felgen das Sonnenlicht hell reflektieren, macht es sich das schicke Paar mit Prada-Sonnenbrillen und kühlem Prosecco im Lehnstuhl gemütlich. Der mehrmals anrollende Fussball der Kids, die wenige Meter entfernt vor dem Familienzelt eine Mini-WM durchspielen, stört sie nicht. Und nochmals eine Parzelle weiter zockt ein Rentnerpaar, bedeckt mit riesigen Strohsonnenhüten, in stoischer Ruhe vor dem Wohnwagen «Tschau Sepp».

So geht Ferienalltag auf dem Campingplatz im luzernischen Sempach. Die Szene ist symbolisch für den herrschenden Groove. Jung und Alt, vermögend und traditionell koexistieren wunderbar. Trotz ihrer Verschiedenheit schweisst sie eine wesentliche Leidenschaft irgendwie zusammen: die Lust am Draussensein.

«Glamping» statt «Bünzli-Image»
Camping liegt zurzeit voll im Trend. Beim Marktführer TCS Camping, der neben Sempach noch 23 weitere Plätze in der Schweiz betreibt, haben die Logiernächte schon im letzten Jahr um 7 Prozent auf über eine halbe Million zugenommen. In diesem Jahr geht die Post richtig ab. «Per Ende Juni stehen wir gegenüber 2016 bei einem Plus von 25 Prozent», sagt Oliver Grützner, Leiter Tourismus und Freizeit beim TCS. Woher die zusätzlichen Frequenzen soziografisch stammen, kann er nicht genau sagen. «Den typischen Campinggast gibt es nicht.» Sowohl bei Familien, Paaren und Alleinreisenden aus allen Altersklassen sei der Zulauf spürbar.

Die Frage nach dem «Warum» scheint indes klarer zu beantworten. Man habe in den vergangenen Jahren diverse Investitionen in Millionenhöhe getätigt, um die Campingplätze qualitativ aufzumotzen. Diverse neue Unterkunftsformen wie Safarizelte, kleine Holzhütten (genannt Pods) bis hin zu originellen Zirkus- und Westernwagen oder voll eingerichteten Bungalows haben die TCS-Campingplätze auch für höhere Komfortansprüche attraktiver gemacht.

Man spricht im Fachjargon vom «Glamping», was so viel wie glamourö- ses Camping bedeutet. Zu beobachten ist auch eine Zunahme der rollenden Unterkünfte. Vom bemalten VW-Bus bis zum hochmodernen Luxuscamper formieren sie sich zwischen altgedienten Wohnwagen und Trekking-Einmastzelten. Der kunterbunte Haufen macht das «Bünzli-Image» des Campings aus den 70er- und 80er-Jahren endgültig vergessen.

Mehr Deutsche und Niederländer
Der Trend geht über die TCS-Plätze hinaus. Schweizweit verbuchte der Campingtourismus im letzten Jahr gegen 2,8 Millionen Logiernächte, was gegen- über 2015 einem Plus von rund 5 Prozent entspricht. In Anbetracht der unter der Frankenstärke kriselnden Hotellerie ist das eine herausragende Leistung, zumal zu diesem Wachstum auch die kritischen Euro-Märkte beitrugen. «Nach einem Abwärtstrend über die vergangenen Jahre hatten wir im letzten Jahr erstmals wieder mehr Gäste aus Deutschland und den Niederlanden», sagt Grützner. Dieser Trend habe sich in diesem Jahr sogar verstärkt. Mit 77 Prozent sind es aber immer noch die Schweizer, die auf den Campingplätzen den Ton angeben.

Auffallend ist der grosse Zuspruch für Campings in städtischen Agglomerationen. Auf Plätzen in der Region Zü- rich wurden 2016 rund 140000 Übernachtungen registriert, 25 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Für Oliver Grützner könnte das in den letzten Jahren permanent ausgebaute Angebot an Festivals und Events ein Grund dafür sein. «Man leistet sich teure Tickets und wählt im Gegenzug eine günstige Übernachtungsmöglichkeit.»

In Sempach neigt sich ein weiterer Camping-Sommertag dem Ende zu. Der Vater aus dem Aargau trommelt seine fussballspielenden Kids zusammen. Zeit fürs Abendessen. Sein Familienzelt ist etwas in die Jahre gekommen. «Für das nächste Jahr planen wir mal etwas Neues.» Er hat erfahren, dass der gut 30 Kilometer entfernte Campingplatz in Buochs am Vierwaldstättersee soeben modernisiert und erweitert wurde. Unter anderem wurden dort neue Tipi-Zelte installiert. «Die Kids haben bereits entschieden, wo wir im nächsten Sommer hinfahren.»

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