Sonntag, 26. März 2017

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Exportschlager Berufslehre


Die Berufsausbildung nach Schweizer Art wird in Bulgarien eingeführt. Daran hat auch ein Aargauer Unternehmer seinen Anteil geleistet.

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Junge Mitarbeiterinnen sollen vom dualen Ausbildungssystem profitieren. ZVG

Die Arbeitslosigkeit ist hoch: Besonders Bulgarinnen und Bulgaren unter 24 Jahren finden nur schwer einen Job – rund jede vierte Person geht auf dem Arbeitsmarkt leer aus. Entsprechend häufig wandern junge Frauen und Männer ab, in die Stadt oder ins Ausland. Auf der anderen Seite finden Unternehmer nur mit Mühe qualifizierte Mitarbeiter. Eine Erfahrung, die auch Eugen Peterhans machen musste. Obwohl es viele handwerklich talentierte Menschen gebe, finde er kaum gut ausgebildete Handwerker, sagt der Fislisbacher, der seit sieben Jahren halbzeitig in Bulgarien lebt und arbeitet. Der Grund: Die Ausbildung erfolgt meist «on the job», in Form einer Anlehre. Eine Ausbildung in Berufsschule und Lehrbetrieb zusammen gibt es nicht. Genau dort wollte Peterhans ansetzen. Seine Idee: Das duale Schweizer Bildungssystem nach Bulgarien exportieren.

60 Firmen, 366 Lehrlinge
Parallel dazu lancierte das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) eine ähnliche Offensive. Peterhans hielt dennoch vorerst an seinem Vorhaben fest. «Ich habe nicht geglaubt, dass es schnell genug geht.» Doch das Pilotprojekt des Bundes weist bereits erste Erfolge auf. Obwohl erst vor weniger als zwei Jahren damit begonnen wurde, sind bereits über 60 Unternehmen beteiligt, die ihre 366 Lehrlinge an 15 Berufsschulen ausbilden lassen. Die Zahl der Berufe soll weiter ausgebaut werden. Zurzeit wird etwa die Ausbildung zum Milchtechnologen, Koch oder Elektriker angeboten. Das Ziel bis 2019: 1200 bulgarische Lehrlinge nach Schweizer Modell ausbilden. Drei Millionen Franken steuert die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) bei; insgesamt leistet die Schweiz Erweiterungsbeiträge in der Höhe von 76 Millionen Franken an das osteuropäische Land.

Neu ist für Bulgarien nicht nur die Kombination von Berufsschule und Lehrbetrieb, sondern auch der Einbezug des privaten Sektors – bislang war die Ausbildung eine staatliche Angelegenheit. Immer wieder besuchen bulgarische Delegationen die Berufsschule Lenzburg. Rektor Ruedi Suter sagte letzte Woche am Wirtschaftsforum in Lenzburg, die Berufsschule sei nicht zufällig als Tagungsort ausgewählt worden. «Uns verbindet eine gemeinsame Vision mit Bulgarien: die Förderung der dualen Berufslehre.» Christoph Leimgruber, Geschäftsführer der Alesa AG in Seengen, hat schon oft Besucher aus dem osteuropäischen EU-Staat empfangen. In der Metallwerkzeugfabrik mit 60 Mitarbeitenden werden acht Lehrlinge ausgebildet. Die Delegationen erkundigen sich bei Leimgruber, wie die Ausbildung aussieht, was sie kostet, was von den Jugendlichen erwartet wird. «Die bulgarischen Besucher staunen jeweils, was die Lehrlinge bei uns schon alles leisten können. Teilweise übernehmen sie Arbeiten an Maschinen, die in Bulgarien von Ingenieuren bedient werden.» Die Schweiz habe wohl einen der höchsten Ausbildungsstandards weltweit, sagt Leimgruber.

In Targovishte, der ostbulgarischen Stadt, in der Eugen Peterhans den Produktionsstandort der Howag leitet, wird dieses Jahr ebenfalls die erste Klasse einer Berufsschule nach dualem System unterrichtet: Die Elektromonteure sollen erst der Anfang sein.

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