Samstag, 24. Juni 2017

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Luzerner Polizeispitze verteidigt ihr Vorgehen


Der Luzerner Polizeikommandant Adi Achermann und Kripochef Daniel Bussmann haben ihr Vorgehen beim Polizeieinsatz in Malters verteidigt, bei dem eine Rentnerin Suizid begangen hatte. Die Frau habe den Kontakt abgebrochen und sei eine Gefahr für das Umfeld gewesen

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Der Kommandant der Luzerner Polizei Adi Achermann trifft am Montagmorgen im Kantonsgericht Luzern ein. (Foto: sda)

Die Frau sei mit einem Revolver bewaffnet gewesen und habe keinen Kontakt mehr gewollt, sagte Bussmann bei der Verhandlung vor dem Bezirksgericht Kriens, die in Luzern stattfand. Ein Schuss aus der Waffe hätte auf mehrere 100 Meter jemanden töten können.

Dass die Frau betont hatte, dass sie niemandem etwas antun werde, sei ihm nicht bekannt gewesen, sagte der Kripochef. Er sei davon ausgegangen, dass sie auf Polizisten schiessen könnte. Ausserdem sei die Frau bereits in einem früheren Fall im Kanton Aargau als gefährlich eingestuft worden.

Auch der Psychologe habe ihm keine Strategie zum weiteren Vorgehen empfehlen können, sagte Bussmann. Er habe ausserdem den Anwalt der Frau kontaktiert, dieser habe ihn aber nicht zurückgerufen. Seine grösste Angst sei gewesen, dass sich die Frau verbarrikadiere, und er dadurch seine Leute in Gefahr gebracht hätte.

Interventionshund sollte Frau überwältigen

Gemäss der Anklageschrift plante die Polizei, die Frau durch ein Telefongespräch in den hinteren Teil der Wohnung in die Nähe der Eingangstüre zu locken. Währenddessen sollte beim Wald ein Feuerwerk gezündet werden. Damit wollten die Beamten vom Aufbrechen der Türe ablenken. Danach sollte ein Interventionshund hineingeschickt werden und die Frau überwältigen.

Doch die Intervention misslang: Nach Angaben des ausserordentlichen Staatsanwaltes brach die Türe bereits auf, als die Beamten versuchten, die Hydraulikeinrichtung anzubringen. Daraufhin erschoss die Frau laut Polizeiangaben im Badezimmer erst ihre Katze und richtete sich schliesslich selber. Sie hätten nicht voraussehen können, dass sich die Türe bereits bei den Vorbereitungen öffnen könne, sagte Bussmann.

Grosses Medieninteresse

Polizeikommandant Adi Achermann sagte, er sei zwar nur bruchstückhaft in den Entscheid eingebunden gewesen. Doch er sei mit Bussmann einverstanden gewesen. Wichtig sei für ihn gewesen, dass die Varianten geprüft worden seien: «Sonst hätte ich mein Einverständnis nicht gegeben». Er sei davon ausgegangen, dass die Verhandlungen in einer Endlosschleife feststeckten.

Der Prozess stösst nicht nur in Luzern auf grosses Medieninteresse. Zahlreiche Journalisten verfolgten die Verhandlung, Kameraleute und Fotografen empfingen die Angeklagten vor dem Gerichtsgebäude.

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