Montag, 21. August 2017

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Ein Schnäppchen, das kaum hilft


Chefredaktor Philippe Pfister über die Zofinger Parkhaus-Initiative.

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Philippe Pfister, Chefredaktor

Die Idee ist verlockend – und könnte über Zofingen hinaus Schule machen: Am 12. Februar stimmen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger über die so genannte Parkhaus-Initiative ab. Diese verlangt, dass alle Besucher des Bahnhof-Parkings ihre Autos zwei Stunden lang gratis abstellen können. Heute beträgt die Gratis-Parkzeit 30 Minuten – für einen Lunch oder einen längeren Einkauf in der Altstadt reicht eine halbe Stunde natürlich nicht. Lanciert hat die Parkhaus-Initiative ein Komitee aus Gewerbekreisen. FDP und SVP unterstützen das Anliegen, glp, SP, CVP, EVP und GP sind dagegen.

Wir wissen: Kaum ein Thema ist besser geeignet, die Emotionen höher kochen zu lassen, als unser geliebtes Auto. Mal schlägt das Pendel in die eine, dann wieder in die andere Richtung aus. So scheiterte die Autolobby mit ihrer Milchkuh-Initiative im letzten Juni deutlich. Zweieinhalb Jahre zuvor hatten Autokreise noch einen grossen Sieg gegen Verkehrsministerin Doris Leuthard gefeiert: Das Volk schickte die Preiserhöhung für die Autobahnvignette von 40 auf 100 Franken überraschend deutlich bachab.

Und nun also steht in Zofingen eine kommunale Auto-Abstimmung an. Wie sie ausgehen wird, ist vollkommen offen – wie so oft werden die Menschen eher mit dem Bauch als mit dem Kopf abstimmen. Ich will mich hier weder auf die eine noch auf die andere Seite schlagen. Klar: Gegen ein kleines Geschenk in Form eines zweistündigen Parkgutscheins hätte ich nichts einzuwenden. Nur: So richtig einzuleuchten vermögen mir die Argumente der Initianten offen gestanden nicht. Sie erhoffen sich mehr Betrieb in Beizen und Läden. Angelockt von einem Gratis-Parkplatz – so das Kalkül – würden mehr Besucher in die Altstadt strömen, um dort einzukaufen, zu essen oder ganz einfach zu flanieren. «Sympathische Werbung» für Zofingen sei das, meint etwa die FDP.

Mag sein. Ich frage mich bloss: Kann diese Rechnung aufgehen? Sind es tatsächlich die 2 Franken und 10 Rappen für ein zweistündiges Parking, die die Leute bewegen, statt die heimelige Zofinger Altstadt eines der vielen grossen Einkaufszentren in der Region anzusteuern? Machen sich die Initianten nicht ganz einfach falsche Hoffnungen?

Zweifellos braucht eine Stadt wie Zofingen genug und möglichst günstige Parkplätze, um auf Dauer attraktiv zu bleiben. Autofeindliche Politik wäre das Letzte, was sie gebrauchen könnte. Andererseits sind die Herausforderungen, vor der die Betriebe in jeder Altstadt stehen, so fundamental, dass eine längere Gratis-Parkzeit kaum die Antwort darauf sein kann. Es steht zu befürchten, dass die Annahme der Initiative keines der Probleme, vor der manche Betriebe stehen, lösen würde.

In einem Punkt haben die Unterstützer sicher recht: Ein bisschen Werbung kann nie schaden. Deshalb sage ich es an dieser Stelle gern: Die besten Schnäppchen finde ich fast nie in grossen Einkaufstempeln, sondern meist in Altstadtgassen – egal ob in Zofingen oder Zürich.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.

Alle bislang erschienenen «Zum Wochenende» finden Sie online in unserem Dossier 

Kommentare zu diesem Artikel (2)

Beat, 13.02.2017, 11:19 Uhr

Lärmobergrenze für alle FZ in der Altstatt einführen und Parkgebühren verdopeln Bitte. Nachzahlern Ausweis entziehen!!!!


Fibo Deutsch, 22.01.2017, 16:01 Uhr

Eine bessere Idee, um den Umsatz in der Altstadt zu fördern: Alle Geschäfte und Restaurants geben bei Einkäufen und Konsumationen über SRF 25.00 ein Gratis-Ausfahrtticket ab. Ist doch sympathischer, als diese dauernden Rabattschlachten.


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