Sonntag, 28. Mai 2017

Zofingen

14 bis 30°C

«Wasserkraft wird sich langfristig lohnen»


Energieversorger präsentiert höheren Gewinn und fordert Unterstützung der öffentlichen Hand.

BILDER
Ernst Werthmüller, VR-Präsident der AEW Energie AG, im Kraftwerk Klingnau: «Es braucht dringend gleich lange Spiesse für die Wasserkraft.» ALEX SPICHALE/ARCHIV

«Wir haben viel Positives zu berichten», sagte Ernst Werthmüller, Verwaltungsratspräsident der AEW Energie AG, zu Beginn der Bilanzmedienkonferenz. Eine ziemlich ungewöhnliche Ankündigung für ein Energieunternehmen, hatten doch zuletzt die Axpo eine umfassende Restrukturierung und Alpiq den Verkauf von Firmenteilen angekündigt – beides massgeblich begründet durch die tiefen Strompreise. Damit hat auch die AEW zu kämpfen, dennoch präsentierte das Unternehmen, das vollständig dem Kanton gehört, einen Gewinn von 48,8 Millionen Franken. Das operative Ergebnis des Energiekonzerns fiel rund 6,7 Millionen besser aus als im Vorjahr, die Finanzanlagen brachten einen rund 6 Millionen höheren Ertrag, wie Finanzchef Daniel Schibli ausführte.

Werthmüller hielt mit Blick auf die tiefen Strompreise fest, dies sei für die Wirtschaft und private Konsumenten eigentlich gut. «Nur sind diese Tarife nicht aufgrund von Effizienzsteigerungen entstanden, sondern wurden durch Subventionen künstlich herbeigeführt», hielt er fest. Allein in Deutschland würden die erneuerbaren Energien pro Jahr mit 23 Milliarden Franken gefördert. Die sogenannte Ökostrom-Umlage von fast 7 Euro-Cent pro Kilowattstunde Strom verzerre den Markt völlig. «Dass die Bevölkerung eine derart hohe Abgabe ohne Murren bezahlt, wäre bei uns wohl undenkbar», meinte Ernst Werthmüller. In der Schweiz lag der Zuschlag für erneuerbare Energie im letzten Jahr bei vergleichsweise bescheidenen 1,3 Rappen pro Kilowattstunde.

Subventionen für Wasserkraft?
Aus dem Topf, der durch diese Abgabe gefüllt wird, fliessen unter anderem Beiträge an Solar- oder Windstromprojekte. Werthmüller ist der Meinung, ein Teil dieser Mittel – im Jahr 2015 standen für die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) rund 420 Millionen Franken zur Verfügung – müsste auch der Wasserkraft zugutekommen. Diese bilde mit 60 Prozent das Rückgrat der Schweizer Stromproduktion, sei über die ganze Lebensdauer eines Kraftwerks auch im Vergleich mit erneuerbaren Energien am umweltfreundlichsten und biete Gewähr für die Versorgungssicherheit. Der VR-Präsident warnte: «Wenn die Wasserkraft-Betreiber nicht unterstützt und entlastet werden, fehlt das Geld für nötige Investitionen.»

Werthmüller möchte nicht nur Gelder aus dem KEV-Topf für die Wasserkraft, sondern plädiert auch dafür, Produzenten vom Wasserzins zu entlasten. Im internationalen Wettbewerb mit Firmen in Deutschland oder Österreich, wo es diese Abgabe an Standortgemeinden und -Kantone von Wasserkraftwerken nicht gebe, sei dies ein beträchtlicher Nachteil.

Unabhängig von allfälligen Subventionen investiert die AEW Energie AG weiterhin in die Wasserkraft. So fliessen dieses Jahr 66 Millionen Franken für die neue Konzession des Kraftwerks Klingnau in die Kantonskasse. Zudem übernahm die Firma einen Anteil der Axpo am Wasserkraftwerk Albbruck-Dogern am Rhein.

Investitionen in Fernwärme
Investiert hat die AEW Energie AG im letzten Jahr vor allem bei der Netzinfrastruktur und im Fernwärmegeschäft. Für neue Unterwerke und weitere Anlagen gab die Firma laut CEO Hubert Zimmermann 35,4 Millionen Franken aus. Stolz verwies Zimmermann darauf, dass die AEW-Kunden im Durchschnitt nur während 9,2 Minuten pro Jahr wegen Störungen oder geplanter Ausschaltungen ohne Strom waren. Der Vergleichswert für die ganze Schweiz liegt bei 21 Minuten.

11,5 Millionen Franken investierte die AEW in Wärmeverbunde – einen Bereich, den man weiter ausbauen wolle, wie der CEO sagte. Mit lediglich 700000 Franken fielen die Investitionen für erneuerbare Energie, konkret für Windkraftprojekte im Aargau, im vergangenen Jahr bescheiden aus. Zimmermann erklärte, er sehe beträchtliches Potenzial in der Windenergie, doch weil die Bewilligungsverfahren lange dauerten, liege das Unternehmen in diesem Bereich hinter dem Zeitplan.

Ernst Werthmüller betonte, die AEW sei mit einem hohen Eigenkapitalanteil von fast 80 Prozent gut aufgestellt, gerade für neue Geschäftsfelder. Man prüfe überdies eine Beteiligung an der neuen «Axpo Solutions», also dem künftigen Unternehmensbereich der Axpo mit erneuerbaren Energien, gewissen Wasserkraftwerken, dem Handel und dem Netzgeschäft. «Wasserkraft wird sich langfristig lohnen» AEW Energie AG Energieversorger präsentiert höheren Gewinn und fordert Unterstützung der öffentlichen Hand.

Kommentare zu diesem Artikel (0)
Kommentar zu diesem Artikel schreiben
Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.





Sie befinden sich hier: 

Home / RESSORTS / Region Mobile-Website anzeigen


Verlag

Zeitungen





Copyright 2016 © Zofinger Tagblatt