Sonntag, 30. April 2017

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Brittnau erteilt Asyl-Wanderern keine Bewilligung


Tour de Suisse:Die zwei Asylbewerber dürfen nur Tageswanderungen «ab der Region Zofingen» unternehmen. Was das im Detail bedeutet, ist noch nicht klar.

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Der 26-jährige Asylsuchende Mohammed Rasuli aus Brittnau wollte mit seinem afghanischen Landsmann Hamid Jafari aus Safenwil rund um die Schweiz wandern und jeden Abend bei anderen Schweizern übernachten. Geplanter Start: am 1. Mai in Aarau. Doch das dürfte nun nicht möglich sein. Denn gestern teilte der Gemeinderat von Brittnau mit, er könne «das Vorhaben in dieser Form nicht bewilligen». Man habe die Situation aus rechtlicher Sicht beurteilt, schreibt der Rat in einer Mitteilung. Gründe für die Absage seien die bereits kommunizierten: Die Asylsuchenden müssten per Gesetz ihrer Mitwirkungspflicht nachkommen, durchgängig erreichbar sein, den obligatorischen Deutschkurs besuchen sowie Gemeinderichtlinien einhalten.

Übernachtung in Ausnahmefällen
Stattdessen habe man in Gesprächen mit den Asylsuchenden «eine Kompromissvariante» gefunden: «Es sind Tagesausflüge/-wanderungen ab der Region Zofingen möglich, in Ausnahmefällen und mit Zustimmung der Gemeindebehörde auch einzelne Übernachtungen.» Wie man zu diesem Entscheid kam und welche Argumente für einen solchen Kompromiss sprachen, schreibt die Gemeinde nicht. Gemeindeammann Astrid Haller wollte am Telefon dazu auch keine weiteren Ausführungen machen. Sie sagte: «Im Vordergrund stand, eine gute Lösung zu finden – und das haben wir.» In der Mitteilung wird denn auch betont, der Gemeinderat anerkenne und unterstütze «soweit dies möglich ist» die Eigeninitiative und den Integrationswillen der Asylsuchenden.

Initianten enttäuscht
Ein enttäuschter Hamid Jafari sagte gestern gegenüber dieser Zeitung, man nehme den Entscheid zur Kenntnis: «Wir müssen jetzt überlegen, was wir machen.» Heute Donnerstag will er sich mit Wanderkamerad Mohammed Rasuli besprechen. Ebenfalls für heute vorgesehen ist ein weiteres Gespräch der Initianten mit der Gemeinde Brittnau. Denn: Wie die – möglicherweise bewusst – allgemein gehaltenen Vorschriften umgesetzt werden sollen, ist noch nicht im Detail definiert.

Bereits am Karfreitag war via «Blick» bekannt geworden, dass Brittnau Vorbehalte gegen das Integrationsprojekt hat. Zitiert wurde die für das Ressort Soziales zuständige Gemeinderätin Nadine Sterchi (SP): Sie habe bereits im Februar festgehalten, dass sie die Idee «menschlich gesehen toll» finde, aber leider aus rechtlichen, medizinischen und versicherungstechnischen Gründen nicht zustimmen könne. Sterchi verwies auf die Richtlinien des Bundes: Asylsuchende müssten in ihrer Unterkunft übernachten, seien medizinisch nur im Aargau versichert und müssten jederzeit via eingeschriebenen Briefs erreichbar sein.

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