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Biker gegen Hiker - Krieg im Wald


Biker und Wanderer, Hundehalter und Reiter – treffen im Wald Menschen aufeinander, kann es zu Konflikten kommen.

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Treffen Biker und Wanderer im Wald aufeinander, kann es zu Konflikten kommen. Die Gemeinden fordern daher mehr Verständnis von beiden Seiten. SYMBOLBILD/ARCHIV

Die Anrufe auf der Kaiseraugster Gemeindekanzlei haben sich in den letzten Wochen gehäuft: Einwohner nerven sich «über das teilweise rücksichtslose Verhalten von Menschen, die mit dem Velo unterwegs sind», heisst es in einer Mitteilung der Gemeinde. Zu Problemen kommt es auf normalen Wegen, Waldpfaden oder Wanderwegen. «Immer wieder werden Fussgänger von Fahrradfahrenden überrascht, die entweder schnell auf engen Wegen entgegenkommen oder aber ohne irgendeinen Hinweis überholen», schreibt die Gemeinde weiter.

Die Wege trennen
Das Problem ist derweil nicht nur in Kaiseraugst bekannt. Auch andere Gemeinden wissen, dass die Begegnung von Spaziergängern und Velofahrern im Erholungsgebiet Wald für Ärger sorgen kann. Das zeigt eine Umfrage bei mehreren Gemeinden. «Zu Konflikten kommt es dort, wo unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen, etwa jene von Natur- und Wildschutz, Jagd und Freizeitsport», sagt etwa Roger Erdin, Stadtschreiber von Rheinfelden. Und Urs Treier, Gemeindeschreiber von Gipf-Oberfrick, sagt: «Es wird auch bei uns Fälle geben, wo sich Biker und Spaziergänger oder Hundehalter oder Reiter im Wald begegnen und es zu Friktionen kommt.»

Die Freizeitnutzung der Wälder habe in den letzten Jahren zugenommen, sagt Treier. «Das ist aber auch gewollt, der Wald gehört allen und es ist sinnvoll, wenn sich die Einwohnerinnen und Einwohner in der nahen Umgebung bewegen.»

Als Lenkungsmassnahme haben bereits verschiedene Gemeinden spezielle Bikerouten angelegt. Ein Beispiel ist die im Frühjahr eröffnete Route von «Schweizmobil» im Gebiet Tiersteinberg. Auch beim Netzwerk für Langsamverkehr ist die Problematik bekannt.

Die Organisation spricht sich deshalb unter anderem für die Entflechtung von Wanderwegen und Velorouten aus. Ein Rezept, das gerade in den Tourismusregionen gut funktioniere, sagt Bruno Hirschi von «Schweizmobil». Dort halten sich Wanderer und Velofahrer dann an die jeweils ausgeschilderten Routen und treffen seltener aufeinander.

Das ist auch eines der Ziele bei der Rundstrecke von Frick via Schupfart, Wegenstetten, Wittnau und Gipf-Oberfrick zurück nach Frick. Sie soll den Velofahrern eine attraktive Route bieten und sie so kanalisieren. Auf den ausgeschilderten Wegen wissen Fussgänger zudem, dass sie mit Bikern rechnen müssen. Das kann helfen, Hirschi sagt allerdings auch: «Es zeigt sich, dass es in Regionen, wo hauptsächlich Einheimische unterwegs sind, schwieriger ist, Velofahrer und Fussgänger zu kanalisieren.»

Gegenseitiges Verständnis
Deshalb empfiehlt Hirschi den Velofahrern, sich möglichst früh bemerkbar zu machen. Neben der Klingel am Lenker oder Rufen gibt es etwa kleine Glöckchen, die am Velo befestigt werden können und durchgehend läuten. «Mit gegenseitigem Verständnis ist eine Koexistenz möglich», ist Hirschi überzeugt. Ein Votum, das auch die Fricktaler Gemeinden unterstützen: «Die individuellen Bedürfnisse jedes Einzelnen müssen so vorgenommen werden, dass ein Miteinander möglich ist», heisst es in Kaiseraugst.

Urs Treier beschreibt das perfekte Szenario: Biker bremsen ab und machen sich bemerkbar, Spaziergänger machen falls notwendig etwas Platz und nehmen ihre Hunde unter Kontrolle und Biker bedanken sich im Vorbeifahren freundlich dafür. «Grundsätzlich einfache Anstandsregeln, die ohne viel Energie und mit gegenseitiger Rücksichtnahme eingehalten werden können», sagt Treier.

Kommentare zu diesem Artikel (1)

Michael Oelting, 15.06.2017, 05:47 Uhr

Derartige Probleme gibt es nicht nur im Wald, sondern überall. Und sie treten auch dann auf, wenn keine Velos unterwegs sind. Es hat sich die Unsitte durchgesetzt, dass (nicht selten übergewichtige) Menschen auch auf Trottoirs NEBENEINANDER gehen und statt auf den Verkehr nur aufs "Wischphon" starren und dank "Knopf im Ohr" nicht einmal was hören. Als entgegenkommender Fussgänger bleibt nur die Wahl, auf die Fahrbahn auszuweichen, Meistens reagieren sie nicht, wenn man sie bittet, hintereinander zu gehen. Und bei Menschen mit nicht-europäischem Migrationshintergrund ist die Gefahr gross, dass sie gewalttätig werden. Die Polizei geht nicht gegen derartiges Verhalten vor.


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