Sonntag, 20. August 2017

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Den Elektroautos fehlen Steckdosen


Eine Idee wäre, Strassenlaternen mit Ladestationen für E-Mobile auszurüsten.

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Die Achillesferse: Der Ladevorgang erfolgt nicht ruckzuck, wie das Betanken mit Treibstoff, und das Netz der Ladestationen ist noch zu weitmaschig. BKR

Rudolf Diesel hat kein Grab, in welchem er sich angesichts des aktuellen Skandals umdrehen könnte. Lebend wurde er 1913 zuletzt an Bord eines Fährschiffs auf dem Ärmelkanal gesehen. Sein Verbrennungsmotor aber ist nach wie vor jener mit dem besten Wirkungsgrad – wenig Treibstoff für viele Kilometer.

Die Sache hat leider eine Nase: Ungereinigt enthalten die Abgase grosse Mengen an Stickoxiden und an krebserregendem Russ. Letzteren fangen Partikelfilter auf. Bei den Stickoxiden ist die Lösung aufwendig und teuer – für Lastwagen in der Schweiz umgesetzte Norm. Anders ist die Situation – wie die Schlagzeilen der letzten Wochen gezeigt haben – bei DieselPersonenautos. Die Kaufpreise für Kleinwagen drohen bei einer korrekten Abgasreinigung unattraktiv hoch zu werden. Aus diesem Grund – respektive wegen der Geschäftigkeit einer ratlosen Politik – stehen in Deutschland und Frankreich Fahrverbote für Dieselfahrzeuge an. Es wird gar über ein generelles Verbot für neue Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor nachgedacht.

Elektroauto als Alternative?
Alternativen gibt es. Die bedeutendste ist das Elektroauto. Nicht nur Tesla, auch andere Hersteller haben solche Fahrzeuge im Angebot. Die Nachfrage entspricht im Aargau jedoch jener eines Nischenprodukts, wie ein Blick in die Motorfahrzeugstatistik zeigt. 70,5 Prozent der Personenwagen werden mit Benzin und 27,7 Prozent mit Diesel betrieben. Nur 1,8 Prozent laufen mit anderen Aggregaten. 4809 Personenwagen sind «Hybride», 1289 nutzen Gas und nur 893 ausschliesslich Strom – dies bei total 386 521 Personenautos. Wie viele Elektromobile es in Wiliberg oder Oftringen gibt? Darüber schweigt sich die Statistik aus. Auf dieser Ebene geht es nur um Fahrzeugtypen – 53 Lastwagen in Oftringen oder 23 Traktoren in Wiliberg.

Weshalb so wenige Elektrofahrzeuge? Weil sie teuer sind? Das Problem dürfte viel mehr in der Infrastruktur zu suchen sein. Leute ohne Eigenheim haben in ihrer Garage kaum eine Lademöglichkeit, beklagen sich Autoimporteure und -händler. Die öffentliche Hand mache wenig – es gebe nahezu keine öffentlichen Parkplätze, die mit Steckdosen ausgerüstet seien.

Was tun die Städte, was der Bund zur Förderung der Elektromobilität? Werner Ryter, Leiter Planung und Tiefbau der Stadt Zofingen, erinnert an die Ziele der Energie-Wende. Bis 2050 soll sich 40 Prozent des Fahrzeugbestands aus Elektromobilen zusammensetzen. Die Gemeinden seien in vielerlei Hinsicht gefordert. In Vordergrund stehe ein öffentliches Lade-Netz. Der Bund unterstützt ein solches entlang der Nationalstrassen – die Raststätte Kölliken Süd verfügt bereits über zwei Ladestationen. «Ansonsten engagiert sich der Bund finanziell nicht. Er will sich aber bei der Koordination und Planung des Ausbaus eines öffentlich zugänglichen Ladenetzes einbringen», sagt Ryter.

Engagiert zeigen sich Stromversorger – die StWZ Energie AG, das EW Oftringen oder die AEW Energie AG, welche Ladestationen betreiben, die aber nicht auf Engmaschigkeit ausgerichtet sind. In Zofingen habe der Stadtrat – so Ryter – verschiedene Standorte für zusätzliche Ladestation geprüft.

Laden an der Laterne
Eine Anlage ist im Bereich der Turnhallen BZZ vorgesehen. Eine entsprechende Konzessionsvereinbarung sei bereits mit der Firma Green Motion SA, Le MontSur-Lausanne, abgeschlossen. Green Motion beziehe den Strom von der StWZ Energie AG. «Weitere vier Ladestationen befinden sich im Bahnhof-Parking. Ein Standort in der Altstadt wird zusätzlich geprüft.» Einen interessanten Ansatz für die Zukunft sieht Ryter in einem Pilotprojekt des Elektrizitätswerks des Kantons Zürich (EKZ). Sein Konzept: Laden an Strassenlaternen – «eine einfache und kostengünstige Möglichkeit, die bestehende Infrastruktur für öffentliche Ladestationen zu nutzen».

Dringenden Handlungsbedarf sieht Ryter in der Schaffung einer einheitlichen Signalisation und Markierung der Ladeininfrastruktur. Die erwähnte Ladestation der Autobahnraststätte Kölliken Nord ist nicht signalisiert. Wer sich als E-Mobile-Fahrer nicht im Internet schlaugemacht hat, erfährt auf der Autobahn von deren Existenz nichts. Dessen ist man sich beim Bundesamt für Strassen (Astra) bewusst. Für Gas-Tankstellen gebe es bereits Hinweistafeln. Aus Gleichbehandlungsgründen sollen die Hinweistafeln auf Raststätten künftig auch E-Ladestationen ankündigen, heisst es.

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