Sonntag, 20. August 2017

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Bäuerliche Burleske auf barocke Art


Hintergründiges und Zusammenhänge in J. S. Bachs Bauernkantate beleuchtet.

BILDER
Der Vortrag von Christian Friedli gab Einblick in Geschichte, Thema, Aufbau und Eigenart der «Bauernkantate» von Johann Sebastian Bach. KBB

Wer von Johann Sebastian Bach (1685–1750) spricht, denkt voran an den Thomaskantor, der zum Inbegriff von unvergänglicher geistlicher Musik geworden ist. Als er im Alter von 57 Jahren 1742 die Bauernkantate (BWV 212) schrieb, hatte er sich weitgehend von kirchlichen Neukompositionen zurückgezogen. Im gleichen Zeitraum entstanden die Goldberg-Variationen (BWV 988) und die Sammlung «Wohltemperiertes Klavier» (BWV 846–893).

Komposition in Auftrag
Die «Bauernkantate» war eine Auftragskomposition des Erb-, Lehn- und Gerichtsherrn Carl Heinrich von Dieskau, kurfürstlich-sächsischer Kammerherr, der am 30. August 1742 auf dem Rittergut «Kleinzschocher» bei Leipzig mit einem grossen Feuerwerk seinen 36. Geburtstag feierte und gleichzeitig die Huldigung, der ihm untergebenen Bauern entgegennahm. Bach selber bezeichnete das Stück im Faksimile als «Cantate burlesque». Er beweist darin, dass er mit weltlichen Themen ebenso einleuchtend und verständnisvoll umgehen kann wie mit geistlichen. Den Text dazu verfasste Christian Friedrich Henrici, genannt Picander. Thema ist die Diskussion zwischen einem Bauern (Bass) und der Bäuerin Mieke (Sopran) in einer teilweise recht derben Sprache: «Wenn ein Paar recht freundlich tut, ei, da braust es in dem Ranzen, als wenn eitel Flöh und Wanzen.» Hauptthema der Kantate ist jedoch das Lob des Gutsherrn Dieskau. Am Schluss singt der Chor: «Es lebe Dieskau und sein Haus, ihm sei beschert, was er begehrt». Gemeint war damit auch Dieskaus Gattin, die noch keinen Sohn geboren hatte: «Gib, Schöne, viel Söhne, von art’ger Gestalt.» Einer dieser Nachkommen war übrigens der berühmte Sänger Dietrich Fischer-Dieskau (1925–2012).

Zwischen Volks- und Kunstmusik
Die kunst- und humorvollen Eigenarten der Bauernkantate beschrieb der Referent Christian Friedli, beruflich ein Biobauer und nebenberuflich jahrzehntelang Schulmusiker und Dirigent verschiedener Chöre. Aufschlussreiche Hörproben und die Auslegung ihrer Raffinessen durch die Hinweise des Referenten machten fassbar, mit welchen musikalischen Mitteln und Kunstgriffen die Dialoge zwischen Bauer und Bäuerin inhaltlich kommuniziert werden. Die Kantate wird durch eine Ouvertüre aus einer Folge verschiedener höfischer Tänze ohne Übergänge, ohne Rücksicht auf Takt- und Tonartenwechsel (von ADur nach a-Moll und wieder zurück) eingeleitet. Diese gewissermassen bäuerliche Kompositionsart wird auch als ironische Anspielung auf die Thematik seitens Bachs verstanden. Die einzelnen Episoden im Dialog zwischen Sopran und Bass benützen die ganze Kantate hindurch das gleiche Konzept: Einem erklärenden Rezitativ folgt die ausmalende, beteuernde Arie, wichtige Aussagen mehrmals in Varianten wiederholend, woran sich auch das Instrumental-Ensemble aus Violine, Viola Basso continuo, Traversflöte und Horn auf ihre Art unterstützend beteiligen. Es sind die Stimmungsbilder und das dichte musikalische Geflecht, die die Bauernkantate so ansprechend machen.

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