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Aarau: Steht die Eishalle künftig abends leer?


Einsprecher pochen auf Einhaltung der Baubewilligung und fordern Betriebsschluss um 16.30 Uhr.

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Eine perfekte Anlage: Die Kunsteisbahn Region Aarau (Keba) ist für 20,7 Millionen Franken totalsaniert worden. SANDRA ARDIZZONE

Es geht um Anwohner, die mit allen Mitteln für ihre Rechte kämpfen. Und es geht um Behörden, die im Bewilligungsverfahren nicht sorgfältig genug gearbeitet haben. Die Leidtragenden sind Sportler. Eishockeyaner und Fussballer, die abends neue Infrastrukturen im Wert von fast 25 Millionen Franken nicht mehr nutzen können – immer vorausgesetzt, es geschieht nicht noch ein Wunder. Damit ist im Moment eher nicht zu rechnen. Denn die Ereignisse haben sich in den letzten zwei Wochen überstürzt. Nur mittels einer Beschwerde konnte die Betreiberin der Kunsteisbahn Region Aarau (Keba) das Schlimmste verhindern: die sofortige Einstellung des Betriebs jeweils bereits um 16.30 Uhr. All die vielen abendlichen Trainings der Hockeyaner und der Schlittschuhläuferinnen wären nicht mehr möglich, wenn die Beschwerde abgelehnt würde – und das muss im Moment befürchtet werden. Ähnliches droht den Benützern von zwei neuen Fussballfeldern, die sich unmittelbar neben dem Eiskomplex (Halle und gedecktes Aussenfeld) befinden.

Rund 100 Einsprachen
Ende November schien alles noch in bester Ordnung zu sein. Die für 20,7 Millionen Franken totalsanierte Kunsteisbahn wurde feierlich eröffnet. Und der Betrieb funktionierte von Anfang an praktisch reibungslos. Was die Öffentlichkeit nicht wahrnahm und ein Teil der Involvierten verdrängte: Im Verborgenen tickte eine Zeitbombe. Es geht um die Betriebszeiten. Da hatte der Bauherr der Anlage, die Einwohnergemeinde Aarau, im letzten Frühling versucht, alte Versäumnisse auszubügeln. Ab dem 17. März 2016 lagen zwei Baugesuche auf betreffend «Anpassung der bestehenden Betriebszeiten». Sowohl für die Fussball-Trainingsplätze B + C und deren Garderobengebäude als auch für die Keba und deren Aussenfeld.

Dagegen gingen rund 100 Einsprachen ein. Meist standardisierte, vorformulierte Briefe. Eingereicht nicht in erster Linie von unmittelbaren Nachbarn der Sportanlage, sondern von Quartierbewohnern. Gerüchteweise wohnt der Hauptdrahtzieher an der Bachstrasse, also mindestens 200 Meter Luftlinie von den Eisfeldern entfernt. Wie hartnäckig die Opponenten gegen die Sportanlage sein können, hatten sie bereits 2012 bewiesen, als es um die Baubewilligung für die Keba ging.

Suhr musste kontrollieren
Die erste Baubewilligung wurde gegen Ende 2013 erteilt. Darin wurde der Trainingsschluss auf den Fussballfeldern auf 20.30 Uhr festgeschrieben. Und auf den Eisfeldern müsste bereits um 16.30 Uhr Ruhe einkehren. Was die Eisfelder betrifft, hatte die Stadt Aarau einen Fehler gemacht: Statt der Betriebszeiten, in denen auch Vereinstrainings und Eisfeldpflege enthalten sind, beantragte sie bloss die Öffnungszeiten für den öffentlichen Eislauf als Betriebszeit.

Die Mängel im Bereich der Definition der Betriebszeiten bieten nun den Opponenten ideale Angriffsflächen. Sie machten auf die Behörden der Standortgemeinde Suhr derart viel Druck, dass diese nicht mehr anders konnte, als zu handeln. Also vor Ort zu überprüfen, ob die Keba nach 16.30 Uhr nicht mehr benützt wird. Das war nicht der Fall – und Suhr hatte als Baubehörde gar keine andere Wahl, als bei der Keba AG, an der sie ebenfalls beteiligt ist, zu intervenieren. Gegen die Aufforderung, die in der ersten Baubewilligung festgeschriebenen Betriebszeiten einzuhalten, reichte die Keba Beschwerde ein.

Aussergerichtlicher Kompromiss?
Wie weiter? Im Moment läuft der Betrieb auf der Keba normal. Ob das bis zum Saisonschluss (Aussenfeld 5. März, Halle 19. März) so bleibt, ist fraglich. Und wie es im nächsten Winter auf der Keba und ab dem Frühling auf den Fussballfeldern weitergeht, steht in den Sternen. Unter den mittlerweile noch 30 bis 40 Einsprechern hat es einige, die Bereitschaft signalisieren, den ganzen Instanzenweg bis vor Bundesgericht zu gehen. Also droht die Situation, dass die neuen Sportanlagen mehrere Jahre lang nur teilzeitlich genutzt werden können. Es sei denn, es gelingt der Stadt Aarau und allenfalls der Keba, sich aussergerichtlich mit den Einsprechern zu einigen. Der Druck auf die Behörden ist gross.

Keba-Präsident Heinz Zaugg sagt zur ganzen Geschichte nur einen Satz: «Es scheint, dass die Keba ausbaden muss, was andere eingebrockt haben.»

Kommentare zu diesem Artikel (1)

Unbeteiligter, 16.02.2017, 10:53 Uhr

Unabhängig der behörlichen Fehler gesehen (Fehlermachen ist menschlich) ist es immer wieder schön wenn Einwohner sich neben Sportanlagen niederlassen und sich dann ab deren Betrieb und dem Drumherum stören. Umso störender wenn es sich um nicht direkte Anwohner sondern um Quartierbewohner handelt. Gleiches gilt für Schulanlagen. Wäre es nicht besser wenn wir in unserer schönen Schweiz nach dem Motto "Leben und Leben lassen" und mit etwas Toleranz aufeinander reagieren? Wir werden einst ersticken an gesetzlichen Schranken und uns nur noch in den eigenen vier Wänden (wenn überhaupt) frei bewegen können und selbst da dann wohl noch gesetzlich um 20 Uhr ins Bett geschickt, da es der Nachbar stört wenn um 22 Uhr das Licht noch brennt. Einfach traurig diese Intoleranz.


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