Mittwoch, 20. September 2017

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Die Spital-Rechnung gibt es nur auf Wunsch


Spitäler müssten ihre Rechnungen auch an die Patienten weiterleiten, doch die Spitäler halten sich nur bedingt daran. Dagegen geht die BDP nun politisch vor.

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Symbolbild Archiv

Erst prüfen, dann zahlen. Ein Vorgehen, das sich besonders bei Rechnungen für teure medizinische Behandlungen lohnen kann. Doch nicht alle Spitäler leiten die Übersicht über die Kosten an die Patienten weiter. Oftmals landen die Informationen stattdessen nur bei den Krankenkassen. Dabei wäre die rechtliche Lage eindeutig: «Der Leistungserbringer muss dem Schuldner eine detaillierte und verständliche Rechnung zustellen», steht im Krankenversicherungs-Gesetz. Zahlt die Krankenkasse den ganzen Betrag und fordert beim Versicherten dessen Anteil ein, muss dieser eine Rechnungskopie erhalten.

Ein Gesetz, das vielerorts allerdings nur toter Buchstabe ist. Die Vorgabe werde vom Luzerner Kantonsspital ignoriert, schreibt etwa die «Luzerner Zeitung». Rechnungskopien würden nur auf Wunsch verschickt. Das ist in den Aargauer Kantonsspitälern nicht anders. «Ein Grossteil der Schweizer Spitäler hat sich darauf geeinigt, Rechnungen nur auf Verlangen von Patienten zu verschicken», sagt Andrea Rüegg, Sprecherin des Kantonsspitals Aarau, auf Anfrage.

Wer auf dem Eintrittsformular an der entsprechenden Stelle ein Kreuz macht, erhält die Rechnungen später per BPost. Unter einem Prozent der Patienten nutzten dieses Angebot, sagt Rüegg. Wären es alle, müsste das KSA weit mehr als eine halbe Million Kopien verschicken – wobei eine Rechnung im Durchschnitt fünf Franken koste. Ähnlich tönt es im Kantonsspital Baden, das pro Jahr 270000 Rechnungen ausstellt: «Wie in der Branche üblich, schicken wir den Patienten eine Kopie der Rechnung, falls sie dies bei der Aufnahme wünschen oder nachträglich anfordern», sagt Sprecher Omar Gisler. «Die einfachste und wohl auch aus Patientensicht effizienteste Lösung wäre, wenn die Krankenkassen die Spitalrechnungen in den Versand ihrer Abrechnungen integrieren würden.»

Das sieht der Krankenkassenverband Santésuisse anders: «Wir finden es sehr fragwürdig, dass Ärzte und sogar öffentliche Spitäler das Gesetz nicht respektieren», sagt Sprecher Christophe Kaempf. Es sei wichtig, dass die Patienten systematisch eine Rechnungskopie ihrer Behandlung erhalten. In diesem Bereich gebe es Sparpotenzial. Wie hoch dieses ist, kann Santésuisse jedoch nicht abschätzen.

Unterstützung erhalten die Spitäler vom kantonalen Gesundheitsdepartement. Ein konsequenter Versand werde nicht als sinnvoll erachtet, sagt Sprecherin Anja Kopetz. «Dies würde zu unnötigem administrativem und finanziellem Mehraufwand führen, ohne den Nutzen für den Patienten zu erhöhen.»

BDP verlangt Antworten
Der Aargauer BDP-Nationalrat Bernhard Guhl erhofft sich hingegen einen positiven Effekt auf die Gesundheitskosten. «Nur der Patient weiss, welche Leistungen er bezogen hat, welcher Arzt welche Operation durchgeführt hat, wie viele Nächte er im Spital verbracht und welche Medikamente er erhalten hat.» Ihm seien Beispiele von fehlerhaften Rechnungen bekannt, die von der Krankenkasse unbemerkt blieben: Eine künstliche Beatmung für 46000 Franken; drei Nächte im Spital für eine Routineuntersuchung für 24000 Franken. Beide Betroffenen hätten die viel zu hohen Beträge nur deshalb entdeckt, weil sie die Rechnungen von sich aus einforderten.

Dabei handle es sich nicht um Einzelfälle, ist Guhl überzeugt. 2015 verlangte er in einem Vorstoss vom Bundesrat Vorschläge, wie der Versand der Rechnungen sichergestellt werden kann. Alain Berset lehnte das Postulat zwar kürzlich ab, anerkannte aber, dass es sich dabei um «ein echtes Problem» handle. Der Gesundheitsminister kündigte an, Änderungen in Betracht zu ziehen, sollte sich die Situation nicht verbessern.

Damit wollen sich Bernhard Guhl und seine Aargauer Partei nicht zufriedengeben. Die BDP will heute im Grossen Rat einen Vorstoss einreichen. Eine der Fragen: «Was gedenkt der Regierungsrat zu unternehmen, falls die Vorgabe, dass die Patienten unaufgefordert eine Rechnung oder Rechnungskopie erhalten müssen, nicht eingehalten wird?»

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