Sonntag, 20. August 2017

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Im Aargau tobt ein Güggeli-Kampf


Geflügelmäster liegen mit der Firma Kneuss im Streit. Sie wehren sich gegen neue Verträge.

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Poulet ist beliebt: Zwölf Kilogramm landen in der Schweiz pro Jahr und Kopf auf den Tellern. Ein lukratives Geschäft, bei dem die Firma Kneuss vorne mitmischt. Das Mägenwiler Familienunternehmen zählt mit einem Marktanteil von landesweit zehn Prozent zu den vier Grossen der Branche.

Doch nun liegt der Geflügelverarbeiter im Streit mit seinen Produzenten, wie der «Schweizer Bauer» kürzlich publik gemacht hat. Hauptgrund sind die neuen Einzelverträge. Diese hat die Firma Kneuss ihren Mästern im Juli vorgelegt. Künftig sollen die Preise, die den Betreibern pro Güggeli ausbezahlt werden, nicht mehr in Absprache mit deren Vereinigung, dem Verein Kneuss-Güggeli-Produzenten, festgelegt werden.

Die Geflügelmäster befürchten, dadurch in eine schwache Verhandlungsposition zu geraten. «Die Firma Kneuss könnte jederzeit die Preise und die Abnahmemenge ändern, ohne dass wir uns wehren könnten», sagt ein Produzent, der anonym bleiben will, und verweist auf die Aussagen einer beigezogenen Juristin. Das Unternehmen wäre etwa berechtigt, die vereinbarte Abnahmepflicht unter gewissen Umständen zu sistieren, zum Beispiel bei einem «Arbeitskampf». In diesem Fall blieben die Landwirte auf ihren Güggeli sitzen.

Franz Bucher, Präsident des Vereins Kneuss-Güggeli-Produzenten, will sich zurzeit nicht äussern und verweist auf die laufenden Verhandlungen. Aus dem gleichen Grund hält sich auch der Geschäftsführer des Aargauer Bauernverbands, Ralph Bucher, mit Aussagen zum konkreten Fall zurück. Er sagt, zurzeit herrsche in der Geflügelbranche noch kein ruinöser Preiskampf. «Wir müssen darauf achtgeben, dass wir diese guten Bedingungen nicht aufs Spiel setzen.» Dazu sei ein guter Umgang zwischen Produzenten und Abnehmern nötig. «Sollten die Verträge und Abnahmebedingungen künftig mit den Produzenten einzeln ausgehandelt werden, würden wir dies verurteilen», sagt Ralph Bucher.

Konflikt dauert schon länger
Unstimmigkeiten zwischen Kneuss und seinen Produzenten gibt es nicht erst, seit die Firma den Mästern die neuen Verträge geschickt hat. Der Streit begann mit einem Schreiben, datiert vom 24. November 2016, das der az vorliegt. Darin informiert CEO Daniel Kneuss seine Produzenten, dass die Marge kleiner und der Preisdruck höher werde. Die Preise müssten deshalb per 1. Januar 2017 korrigiert werden. Korrigiert heisst, gesenkt werden.

Der Verein Kneuss-Güggeli-Produzenten nimmt vier Tage später in einem Rundschreiben an seine Mitglieder Stellung. Das Vorgehen sei «unzulässig», die Gründe für den Preisabschlag seien «nicht nachvollziehbar». Kneuss sei am derzeitigen Preiszerfall für Geflügelfleisch «wesentlich mitbeteiligt, wenn nicht sogar hauptverantwortlich». Der Vorstand werde abklären, inwiefern sich die Firma vertragswidrig verhalte, sollte sie die neuen Preise durchsetzen.

Am 24. Dezember teilte der Vorstand mit, die Preissenkung per 1. Januar werde nicht umgesetzt. Die Produzenten müssten jedoch einen tieferen Preis per 1. Juli hinnehmen, weil sich die Futterverwertung in den letzten Jahren verbessert habe, wovon sie profitiert hätten. Zwei Tage später folgt bereits der nächste Brief von CEO Kneuss. Man habe mit dem Vorstand einen Konsens gefunden. Die Zahlungsbedingungen würden bereits per 1. März angepasst. Der Preis pro Stück ist etwas höher als der, den Kneuss im ersten Brief Ende November angekündigt hatte.

Krisensitzung auf der Liebegg
Trotz Einigung Ende letzten Jahres blieb die Stimmung angespannt. Nachdem Navin Derks und Beat Etterli, beide leitende Mitarbeiter bei der Firma Kneuss, die Mäster am 7. Juli im bisher letzten Brief über die neuen Verträge informiert hatten, lud der Vorstand zu einer weiteren Krisensitzung. Kampflos wollen die Güggeli-Produzenten die neuen Bedingungen nicht akzeptieren. Vergangenen Freitag haben sich die Vereinsmitglieder im landwirtschaftlichen Zentrum auf der Liebegg getroffen, um das weitere Vorgehen zu klären. Journalisten wollten sie nicht dabeihaben. Es seien etwa 65 Personen gekommen, sagt ein Produzent. Eine Juristin habe den Mästern klargemacht, die bestehenden Verträge seien nicht gekündigt und würden noch mindestens bis zum 31. Dezember 2018 gelten. Ausserdem seien sie vom Vorstand ermutigt worden, einen vorbereiteten Brief an Derks und Etterli zu unterzeichnen, in dem steht, dass sie neue Verträge ohne Mitsprache und Zusage des Vorstandes ablehnen.

«Eine interne Geschichte»
CEO Daniel Kneuss ist erstaunt, dass die Unstimmigkeiten die Öffentlichkeit interessieren: «Das ist eine interne Geschichte zwischen Rohstofflieferant und Verarbeitung.» Ihm geht es darum, die ganze Wertschöpfungskette «fit für die Zukunft zu machen». Dank eines neuen Kommunikationssystems mittels digitaler Unterstützung sollen sich die Produzenten künftig direkt mit ihm in Verbindung setzen können. «Das ist zeitgemässer als Meetings mit dem Vorstand», sagt er. So könnten die Bedürfnisse der einzelnen Landwirte aufgenommen werden. Die Verträge habe er neu aufgesetzt, weil sie zum Teil veraltet waren. Die Preise habe er auch nicht gesenkt, sondern «korrigiert und den heutigen Bedingungen angepasst, so wie es jedes Jahr verhandelt wird».

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