Dienstag, 27. Juni 2017

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Der Unfug mit dem BMI


Chefredaktor Philippe Pfister über die diese Woche erschienene BLV- Ernährungserhebung.

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Philippe Pfister

Diese Woche haben uns die staatlich besoldeten Gesundheitsschützer wieder einmal ordentlich die Leviten gelesen. Anlass: die erste Nationale Ernährungserhebung, kurz MENU.ch. In Auftrag gegeben hat sie das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). Dieses plant – Achtung! – eine «Ernährungsstrategie», die bis ins Jahr 2024 reichen soll.

Um die nächsten sieben Jahre den Mahnfinger erheben zu können, malt das BLV so schwarz wie nur möglich. Wir essen zu viel Fleisch, hauen gefährlich viel mastige Saucen drauf und stopfen viermal so viel Salziges und Süsses in uns hinein, als uns guttut.

Manches dagegen nimmt die Bevölkerung «in ungenügender Menge zu sich», wie es heisst. Pflanzliche Öle und Nüsse etwa, und etwas mehr Milchprodukte würden auch nicht schaden. Und vor allem: Wasser, Wasser, Wasser!

Um seine Standpauke zu untermauern, schob das BLV eine mehrseitige Auswertung über den Body-Mass-Index (BMI) der 2052 Befragten nach. Sie wissen schon, was jetzt kommt: Wir sind zu dick, vor allem die Männer: Rund 42 Prozent sind – angeblich – übergewichtig, weitere 14 Prozent gar fettleibig.

Man muss es klipp und klar sagen: Was das BLV uns da auftischt, ist grober Unfug. Der BMI taugt nicht, um den Fitnesszustand der Bevölkerung zu messen. Er verzerrt das Bild sogar total. In den USA beispielsweise stempelt der BMI 10 Prozent der Männer zu falschen Übergewichtigen: Sie bringen Muskeln statt Fett auf die Waage.

Viel genauer Auskunft über mögliche Gesundheitsrisiken gibt dagegen der Bauchumfang. Und tatsächlich haben die BLV-Experten in ihrer Studie auch die Bauchumfänge der 2052 Teilnehmer messen lassen. Zieht man diesen Wert heran, sind gerade noch 16,4 Prozent der Schweizer Männer wegen ihres Gewichts erheblich gefährdet.

Davon steht in der Medienmitteilung des BLV natürlich nichts. Lieber fuchtelt es mit der BMI-Keule herum, um den Schweizerinnen und Schweizern ein schlechtes Gewissen einzureden. Eine gute Voraussetzung, damit die Steuergelder für die Ernährungsstrategie weiter fliessen.

Philippe Pfister weilt zurzeit in Berkeley, Kalifornien, wo er eine Weiterbildung absolviert. Die gesammelten Kommentare finden Sie online in unserem Dossier.

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