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15. EM-Endrunde mit Neuerungen und aufwändigen Vorkehrungen

Am Freitag beginnt mit Frankreich gegen Rumänien die 15. Europameisterschaft. Es ist der Start zu einem Turnier, das Neues zu bieten hat und unter spezieller Beobachtung steht.

Die Zeit der Testspiele ist vorbei, viele EM-Teilnehmer haben ihre Camps in Frankreich in den letzten Tagen bezogen. Die Fans füllen ihre Toto-Tipps aus. Einige Kinder und jung Gebliebene sind daran, ihr bereits zweites Panini-Album zu füllen. Die Spannung steigt. Es beginnen gut vier Wochen, in denen der Fussball den Ton angeben soll und wird, sofern nicht Sicherheitsaspekte einen Schatten auf das Turnier werfen. 51 Partien finden vom 10. Juni bis 10. Juli statt, so viele wie noch nie in der EM-Geschichte. Halb Europa verdiente sich in den letzten fast zwei Jahren ein Ticket für Frankreich.

Die erneute Erweiterung des Turniers, das bis 1992 nur einer Elite vorbehalten war, stiess auf Kritik. Zu viele Mannschaften, die eigentlich an einer EM-Endrunde nichts zu suchen hätten, seien dabei. Dass die Qualifikation längst nicht für jeden Favoriten der erwartete Selbstläufer war, und die Niederlande, vor zwei Jahren WM-Halbfinalist, sogar zum Zuschauen verdammt ist, nimmt den Skeptikern etwas den Wind aus den Segeln.

Die 24 Teilnehmer machen zwar den Modus kompliziert, weil auch die besten vier Gruppendritten in den Achtelfinal vorstossen. Aber man kann auch Neues entdecken, neue Spieler, neue Mannschaften. In einer Zeit, in der das Jahr auf internationaler Ebene vor allem aus Champions League mit den fast immer gleichen Teams und Spielern besteht, ist das eine willkommene Abwechslung. Albanien und Island sind zum ersten Mal an einem grossen Turnier dabei. Wales, Nordirland und die Slowakei geben ihr Debüt bei einer Europameisterschaft.

Der Traum vom Coup

Die Schweiz ist seit 2004 fast ein Stammgast bei Endrunden: Nur 2012 verpasste sie seither eine Endrunden-Teilnahme. Mit Johan Vonlanthen stellt sie den bis anhin jüngsten EM-Torschützen. Darauf beschränkt sich ihre historische Bedeutung für den Wettbewerb aber fast gänzlich, zumindest in sportlicher Hinsicht. Bei allen drei Teilnahmen beendete sie die Gruppenphase auf dem letzten Platz. Das einzige Spiel gewann die Schweiz zum Vorrunden-Abschluss der Heim-EM 2008 gegen Portugal, als das Out schon besiegelt war.

Im Gegensatz zur Weltmeisterschaft hat die Europameisterschaft schon wirklich überraschende Sieger hervor gebracht: Dänemark 1992 und Griechenland 2004 düpierten die Konkurrenz und die Prognostiker. Von einem ähnlichen Coup träumt die Schweiz. Wie wahrscheinlich er ist, wird sich während der Gruppenspiele herausstellen. Am 11. Juni spielt sie gegen Albanien, am 15. Juni gegen Rumänien und zum Abschluss am 19. Juni gegen Frankreich.

Frankreich gehört mit seiner offensiven Mannschaft und mit dem Vorteil des Gastgebers zum Favoritenkreis. Nur Weltmeister Deutschland und Titelverteidiger Spanien dürften noch besser gerüstet sein. Ein Titelgewinn von England, Belgien, Portugal oder Italien wäre zumindest keine Sensation. Andere Teams hoffen wie die Schweiz, dass für sie perfekte Umstände einen Höhenflug ermöglichen, der sie bis in den Final am 10. Juli im Stade de France führen kann.

Im gut 80'000 Zuschauer fassenden Stade de France beginnt und endet die Europameisterschaft. Die für die WM 1998 gebaute Arena in Saint-Denis, nahe Paris, ist eines von zehn EM-Stadien. In Lyon, Bordeaux, Nizza und Lille entstanden in den letzten Jahren neue Arenen, in Marseille wurde das Stade Vélodrome komplett renoviert. Die Schweiz bestreitet ihren ersten Match in Lens (38'223 Plätze), spielt dann im Parc des Princes (47'929) in Paris und zum Abschluss in Lille (50'186), wo das Schweizer Davis-Cup-Team 2014 den Final gegen Frankreich gewann.

Die Sicherheit im Blickpunkt

Zum bereits fünften Mal ist Frankreich Gastgeber eines grossen Fussballturniers. Noch nie waren die Herausforderungen allerdings so gross. Die Terroranschläge vom 13. November letzten Jahres in Paris haben den Sicherheitsaspekt noch mehr in den Vordergrund rücken lassen, als er es ohnehin gewesen wäre. Bei jedem Sport-Grossanlass ist die Sicherheit ein Thema, Jahr für Jahr steigt der personelle und finanzielle Aufwand in diesem Bereich.

In der Vergangenheit verlor das Thema Sicherheit bei Olympischen Spielen oder Fussball-Turnieren jeweils dann frappant an Bedeutung, wenn die ersten Tore oder Entscheidungen fielen. Bei der EM 2016 dürfte das anders sein, weil die zwei Terroranschläge vom letzten Jahr in Paris noch so präsent sind und beim zweiten auch ein Anschlag auf das Stade de France geplant war, wo das Testspiel zwischen Frankreich und Deutschland gerade stattfand. Das Sicherheitskonzept wird ganz speziell in den ersten EM-Tagen kritisch beäugt werden.

Das Sicherheitspersonal, etwa 100'000 Personen, steht vor einer Mammut-Aufgabe. Es muss die 24 teilnehmenden Mannschaften schützen, die zehn Stadien und grossen Fanzonen sowie 10 Millionen erwartete Fussballanhänger. Zudem sollten die Ressourcen auch noch reichen, um Hooligans im Zaun zu halten. Vor dem Eintritt ins Stadion wird jeder Zuschauer mehrfach kontrolliert werden. Die Fanmeilen mit Public Viewing, die einige Politiker in Frankreich als potenzielle Gefahrenzonen sehen, werden den gleichen Sicherheitsbestimmungen unterliegen wie die Stadien.

Die Angst, auch wenn es nur eine diffuse ist, wird sich in den kommenden Wochen in Frankreich nicht ganz abstellen lassen, zumal unzählige Soldaten und Polizisten an die drohende Gefahr erinnern. In Schockstarre befinden sich aber weder Paris noch die anderen Spielstätten. Längst hat man sich an das Leben im Ausnahmezustand gewöhnt.

sda, 09.06.2016 05:00



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