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Der Vielschreiber


«Ich finde es wichtig, dass sich der Einzelne engagiert», sagt Pascal Merz. Jährlich verfasst er rund 200 Leserbriefe.

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Pascal Merz: Nur 15 bis 30 Minuten schreibt er an einem Beitrag. (Foto: awi)

Nahostkonflikt, die ökonomische Bilanz der Fussball-WM für Brasilien, die Privilegien der Pharmaindustrie. Pascal Merz aus Sursee hat seine eigenen Meinungen dazu. Was ihn von vielen Zeitgenossen unterscheidet, ist, dass er aus diesen Ansichten aber keinen Hehl macht. NZZ am Sonntag, Zofinger Tagblatt, Weltwoche, Basler Zeitung: Mit durchschnittlich 200 Leserbriefen pro Jahr in verschiedenen Zeitungen gehört er zu den meistveröffentlichten Schreibern schweizweit. Alleine in den letzten acht Tagen wurden seine drei Beiträge zu eingangs erwähnten Themen abgedruckt.

Woher kommt dieser Drang zur Meinungsäusserung? «Von meinem Interesse an Politik und Wirtschaft. Um das Jahr 2000 habe ich angefangen, meine Gedanken in Worte zu fassen. Früher las ich die Leserbriefspalten nie.» Ein Schlüsselerlebnis habe er während der Berufsmaturität gehabt, als der Geschichtslehrer den Schülern Niklaus Meienberg und dessen Ansichten zum Golfkrieg näherbrachte. «Damals habe ich begonnen, Bücher zu lesen und die Zusammenhänge besser zu verstehen, mich auch kritischer auseinanderzusetzen», sagt Pascal Merz.

Auch Noah Chomsky - ein amerikanischer, globalisierungskritischer Intellektueller - und dessen Ansichten habe der Lehrer gerne thematisiert. «Chomsky kannte ich vorher gar nicht. Mittlerweile habe ich alle seine politischen Bücher gelesen.» Auch wenn Chomsky zuweilen extreme Meinungen vertrete, so würden dessen Aussagen meist den Kern gut begründet treffen, denkt Merz.

Analytisch und differenziert

Aufgrund dieser Prägung ist es wohl auch kein Wunder, warum Pascal Merz vor allem ein Thema stark interessiert, zu welchem er auch regelmässig in die Tasten greift: «Der Umgang mit den Nachbarn, der EU und wichtigen Partnern beschäftigt mich am meisten. Wie verhält sich die Schweiz im westlichen Block? Wie entwickelt sich die Globalisierung weiter?» Diese Wechselwirkungen im Getriebe des Zeitgeschehens sind natürlich spannend und ergiebig. Merz ist ein sympathisch wirkender, junger Mann und entspricht überhaupt nicht dem Bild eines vom Lauf der Geschichte zermürbten Zeitgenossen, wie man sich einen Leserbriefautor vorstellen könnte.

Im Gespräch wird schnell klar, dass man mit Pascal Merz eine Person vor sich hat, die das politische Geschehen analytisch und differenziert betrachtet. Seine Leserbriefe sind gut strukturiert, kurz, sachlich und pointiert. Eine gute Mischung, um auch abgedruckt zu werden. Wichtig sei auch, dass die Texte möglichst einen Bezug auf vorgängig veröffentlichte Artikel nehmen, erklärt Merz. Auf Onlineforen treibt er sich selten herum. Weil er bei der Arbeit schon den ganzen Tag mit IT zu tun hat, legte er seinen Blog auf Eis. Reaktionen auf die Leserbriefe erhält er gelegentlich - manchmal konstruktiv kritische, zuweilen aber auch anonyme.

«Gedankengänge ergeben sich»

Pascal Merz hat mittlerweile eine gewisse Routine entwickelt, auch wenn er als Vielschreiber sich überhaupt nicht als eine Art Schreibautomat sieht, der nach Schema F seine Meinung zum Besten gibt. Dennoch dauert es meist nur 15 bis 30 Minuten, bis er seine Gedanken quasi zu Papier gebracht hat. Umschreiben müsse er die Texte selten. «Zuerst lese ich einen Artikel, dann folgt eine Kreativphase. Die Gedankengänge ergeben sich», erklärt Merz. Wichtig ist ihm ein ausgeglichenes Leben neben der Arbeit. Allzu viel Zeit will Pascal Merz dann doch nicht für die Leserbriefe aufwenden. Schliesslich lebt er mit seiner Lebenspartnerin zusammen und betreibt noch etwas Sport.

Kann Pascal Merz sich eine Karriere als Politiker oder Journalist vorstellen? Derzeit eher nicht, erklärt er. Merz gehört zwar dem Vorstand der SP Sursee an, hat aber 2011 erfolglos für den Kantonsrat kandidiert. Diese Laufbahn fasst er derzeit nicht ins Auge. Auch der schreibenden Zunft wird er, der derzeit im Webbereich des Category Management bei Hornbach Baumarkt Schweiz tätig ist, sich nicht so schnell anschliessen. «Ich habe schon ab und zu mit dem Gedanken gespielt. Gespräche mit Journalisten über die Schnelllebigkeit in der Branche schrecken mich aber ab.»

Pascal Merz macht es nichts aus, dass er sich als Leserbriefschreiber wie im Kampf gegen Windmühlen befindet. Das sei man als Individuum so oder so angesichts solch grosser Ereignisse wie eines Nahostkonflikts. Schliesslich sei vieles ein Tropfen auf den heissen Stein. Dennoch sagt Pascal Merz: «Ich finde es aber wichtig, sich als Einzelner zu engagieren.»

 

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