Freitag, 30. September 2016

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Hanfdealer vor Bezirksgericht


Das Bezirksgericht verurteilt den Betreiber einer Hanfindooranlage in Safenwil zu einer Gefängnisstrafe von 15 Monaten bedingt. Er dealte anlässlich von FCB-Spielen. 

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Es war nicht die erste Hanfindooranlage, die Frank Walter* gebaut hat. Bevor die Polizei die Plantage im Industriegebäude in Safenwil fand, war er bereits wegen dem Betrieb einer Anlage im Baselland zu neun Monaten Haftstrafe bedingt verurteilt worden, bei einer Probezeit von zwei Jahren. Sein Geschäft in Safenwil flog am 27. März 2014 per Zufall auf – die Polizei kam wegen Einbruchalarm im selben Gebäude vorbei. Die Staatsanwaltschaft beschlagnahmte 30 grosse Pflanzen und einige Setzlinge. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Beschuldigte noch auf Bewährung. Am Donnerstag musste sich der 31-jährige Betreiber der Plantage nun vor Bezirksgericht Zofingen verantworten. Vorgeworfen wurden ihm qualifizierte Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, mehrfache Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes und mehrfache Widerhandlungen gegen das Sprengstoffgesetz. Auch hat er einen Waldbrand in Diegten BL verursacht. Mit einem Kollegen liess er eine Feuerstelle unbeaufsichtigt, was zu einem Sachschaden von 4640 Franken führte. Für diesen muss der Beschuldigte in Raten aufkommen.

Er ist grosser FCB-Fan und an Matches seit Jahren in der Muttenzerkurve anzutreffen. Auch Auswärtsspiele besuchte er regelmässig, bis er vor drei Monaten Vater wurde. «Meine Kumpels wussten, dass es im letzten Wagen des Extrazuges Gras zu kaufen gab», hatte er der Staatsanwaltschaft zu Protokoll gegeben. Tatsächlich hat Walter zwischen Anfang 2013 und dem Tag, als die Polizei dem Hanfanbau in Safenwil ein Ende bereitete, Gras in Säckli à 5 Gramm für 50 Franken in Extrazügen zu Spielen des FC Basel oder vor dem Fussballstadion verkauft. Insgesamt soll er an rund 36 Spieltagen einen Umsatz von mindestens 70 000 Franken erwirtschaftet haben, was bei einem Aufwand für Produktion, Unterhalt und Fixkosten von etwa 30 000 Franken einen Reingewinn von mindestens 40 000 Franken ergab. «Das Geschäft hat aber nie rentiert, ich habe 20 000 Franken Schulden und noch immer offene Unterhaltsrechnungen.»

Weiter gab er einem Kollegen zwischen 400 und 600 Gramm Marihuana ab, weil dieser ihm beim Giessen der Pflanzen behilflich war. Tagsüber arbeitete der Beschuldigte, nachts baute er an seiner Anlage. «Ich kam ganz schön an die Grenzen», sagte er. Auch selber soll Walter regelmässig gekifft haben. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurden zudem Halluzinogene in Form von Pilzen gefunden. Auch wurde eine illegal erworbene Kugelbombe sichergestellt. Walter hat entgegen dem Sprengstoffgesetz verbotene pyrotechnische Gegenstände aus dem Ausland eingeführt und besessen. «Probleme habe ich nun wegen Marihuana, Pyrotechnik und Fussball», brachte er es auf den Punkt. Seit er ein Kind habe, sei ihm aber klar, dass das so nicht weitergehe. Vor Gericht war er geständig, auch darin, dass er gedealt hatte. «Ich will nichts schönreden», sagte er. Anderer Meinung als Gericht und Staatsanwaltschaft war Walter hingegen, was die Menge des von ihm produzierten Marihuanas anging. Gemäss Anklageschrift pflanzte er in der selber erbauten, professionellen Anlage anfangs 100 Hanfpflanzen an. Jeden Monat kamen 30 bis 40 dazu. Er soll aus den rund 490 Pflanzen 10 bis 12 Kilogramm Marihuana geerntet haben. Er behauptete aber, es seien 6 bis 8 Kilogramm gewesen. Er habe das Gras zu Forschungszwecken angebaut. Sein Wissen habe er sich im Internet angeeignet und bei einem früheren Job in einer Firma, die Indooranlagen baute. «Meine Motivation war, ein Exkret aus Hanf gegen meine Hautkrankheit zu erstellen», sagte er. Das kaufte ihm das Gericht nicht ab. Es verurteilte den Mann zu einer bedingten Gefängnisstrafe von 15 Monaten bei einer Probezeit von 5 Jahren unter Anrechnung der bereits abgesessenen 78 Tage Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft hatte 18 Monate unbedingt beantragt. Da er die Tat auf Bewährung beging, muss er nun die Strafe von 9 Monaten absitzen. Das Strafgericht Baselland hat diese widerrufen. Weiter wurde er zu einer Ersatzforderung von 10 000 Franken, resultierend aus dem Drogenhandel, verurteilt.

 

*Name von der Redaktion geändert 

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