«Wir sind mit dem Männerbund zufrieden»

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Christian Läubli ist seit dem 1. August für ein Jahr stolzer Centralpräsident der Zofingia. Der letzte Zofinger, der dieses Amt innehatte, war Hans Reinhard (†) im Jahr 1988/89. (Foto: Mark Wyss)

Wie fühlt es sich an, als Zofinger neuer Centralpräsident der Zofingia zu sein?

Christian Läubli: Es fühlt sich sehr gut an. Ich kann mit diesem Amt zwei Dinge verbinden, die mir sehr am Herzen liegen. Zum einen ist das meine Heimatstadt Zofingen und zum andern die Verbindung Zofingia, die hier gegründet worden ist und die eine sehr grosse Verbindung zu Zofingen hat.

Sie sind Zofinger Bürger, wohnen und politisieren hier, gehören aber der Zofingia Luzern an. Wie kommt das?

In fast jeder Universitätsstadt der Schweiz gibt es eine Zofingia-Sektion. Man tritt dort der Sektion bei, wo man studiert. Weil ich in Luzern studiert habe, bin ich der Sektion Luzern des Schweizerischen Zofingervereins beigetreten.

Sie sind erst der zweite «Luzerner», der in der bald 200-jährigen Geschichte der Zofingia Centralpräsident geworden ist.

Ja, das stimmt. Meines Wissens hatte Luzern kurz nach der Gründung erstmals den Vorsitz. Nun kommt uns die grosse Ehre zu, diesen erneut übernehmen zu dürfen. Das freut mich umso mehr.

Wann haben Sie das erste Mal mit diesem Amt geliebäugelt?

Wenn man der Verbindung beitritt, tut man dies nicht, um Centralpräsident zu werden. Da lernt man zuerst Mal alles kennen und ist während den Semestern hauptsächlich in der Sektion am Ausbildungsort. Spätestens am Zentralfest in Zofingen lernt man dann andere Zofingia-Sektionen und ihre Mitglieder kennen. Aber auch den Centralausschuss, der ja jährlich wechselt. Ich bin sehr ehrgeizig und weil mir die Zofingia sehr gefällt, habe ich mich für dieses Amt zu interessieren begonnen.

Interesse allein genügt aber nicht?

Nein. Erst als uns vor rund drei Jahren konkret bewusst wurde, dass wir Luzerner 2017/18 den Centralausschuss stellen dürfen, wurde es konkreter für mich. Sektionsintern gab es mehrere Funktionen zu verteilen und so habe ich mich für das Präsidialamt beworben, ganz nach dem Motto: Jetzt oder nie. Die Luzerner sprachen mir dann das Vertrauen aus und am letzten Zentralfest in Zofingen wurden wir als neuer Centralausschuss bestätigt.

Was braucht es, um Centralpräsident zu werden?

Zum einen eine gute Vernetzung im Gesamtverein, aber es braucht auch etwas Glück, dass man zur rechten Zeit am richtigen Ort ist. Ich hätte mich in den letzten Jahren als «Luzerner» lange bewerben können, wenn die Sektion nicht an der Reihe ist, den Centralausschuss zu stellen, bekommt man dieses Amt nie.

Wie vielen Sektionen haben Sie seit der Amtsübernahme am 1. August schon besucht?

Asche auf mein Haupt. Erst eine. Weil die Semester erst am 18. September wieder beginnen und damit auch die Veranstaltungen der Sektionen, kam es erst zu einem offiziellen Besuch. Ich war aber nicht untätig, denn nebst den Repräsentationsaufgaben gibt es auch einen nicht zu unterschätzenden administrativen Aufwand.

Die Welschen sind den Deutschschweizern gegenüber ja nicht immer hold. Bekamen Sie den «Röstigraben» auch schon zu spüren?

«Le röstigraben n’existe pas», hat mir einst ein Genfer Zentralpräsident gesagt und ich finde, es hat etwas Wahres daran. Die Zweisprachigkeit in unserem Verein bekommt man immer wieder zu spüren. Ich arbeite im Kanton Fribourg und dort ist die Zweisprachigkeit omnipräsent. Darum erlebe ich das Ganze eher positiv. Die Zweisprachigkeit in der Zofingia macht uns auch zu etwas Speziellem und deshalb spreche ich nicht von einer Sprachbarriere, sondern von einer Sprachverbindung.

Reich werden Sie in diesem Amt nicht und viel Arbeit gibt es auch. Warum tut sich ein junger Mann das an?

Das sehe ich anders. Ich werde reich, nicht finanziell, sondern an Erfahrungen und Erlebnissen. Was ich in diesem Jahr alles erleben darf, kann man mit Geld nicht kaufen. Ich habe die Chance, dem Verein, der mir in den letzten Jahren viel gegeben hat, etwas zurückzugeben und ich darf diesen bald 200-jährigen Verein an der Spitze führen. Das ist ein grosses Geschenk.

Wie kamen Sie zur Verbindung und warum zur Zofingia?

Mein älterer Bruder trägt da eine grosse «Mitschuld». Er hat mich im Schlepptau an sein erstes Centralfest mitgenommen und dort hat es mir den «Ärmel reingenommen.» Als Zofinger war es für mich klar, dass ich der Zofingia beitrete und keiner andern Verbindung.

Was bringt die Mitgliedschaft in der Zofingia oder einer andern Verbindung?

Bei uns steht die Freundschaft unter Gleichgesinnten im Mittelpunkt und nicht das Netzwerken für die Zukunft. Die Zofingia gab und gibt mir eine extreme Horizonterweiterung in ganz vielen Bereichen und dafür bin ich sehr dankbar. Ich lernte hier schon früh Verantwortung zu übernehmen, Anlässe zu organisieren, Streit zu schlichten, gut zu kommunizieren und nun darf ich mit 25 Jahren an der Spitze dieses Vereins stehen.

Ermöglicht die Verbindung auch einen besseren Einstieg in Politik und Wirtschaft?

Es ist durchaus möglich, dass unser gutes Netzwerk ein Vorteil sein kann. Wer aber nur in die Verbindung kommt, um sich Vitamin B zu verschaffen, ist bei uns am falschen Ort. Bei uns stehen echte Freundschaften im Mittelpunkt und nicht die Karriereleiter.

Trinken und Verbindung gehören zusammen: Wie wichtig ist die Trinkkultur in der Zofingia?

Gegenfrage, wie wichtig ist die Trinkkultur am Zapfenstreich in Zofingen oder in einem Turnverein? Spass beiseite. Die Trinkkultur ist Bestandteil unseres Vereins, aber nicht der Wichtigste.

Gibt es bei Euch auch Süssmosttrinker?

Ja, es gibt bei uns auch Süssmosttrinker und die sind nicht fehl am Platz. In unseren Statuten steht festgeschrieben, dass die Zofingia keinen Trinkzwang kennt. Und das ist gut so. Es ist mir viel wichtiger, dass sich unsere Mitglieder mit unseren Werten, die wir vertreten, identifizieren können und nicht, dass einer besonders viel trinken kann.

Es gibt den Paragraph 11, der heisst: «Es wird fortgesoffen!»

Dieser Paragraph ist nicht der wichtigste aller Paragraphen unserer Verbindung! Und er besagt auch nicht das, was man glaubt, darin zu hören. Der Paragraph 11 besagt ursprünglich, dass man im angestammten Lokal bleibt und dort feiert und nicht weiterzieht und andernorts weitertrinkt.

Unter den 150 Punkten im «Comment», den Richtlinien der Zofingia, findet man auch die Trink-strafe. Braucht es so etwas?

Ich würde es nicht als Strafe bezeichnen, sondern als Mittel, ein gewisses Fehlverhalten eines Mitglieds zu korrigieren.

Schön gesagt  ... Mussten Sie auch schon büssen?

Ja natürlich, unzählige Male schon. Es ist ein Korrigiertwerden, damit man die richtigen Verhaltensregeln begreift und lernt, sie zu leben. Diese Korrekturen sind aber ein sekundäres Mittel. Vielmehr steht das Erziehen durch Vorbild im Vordergrund.

In den Verbindungen gilt das Lebensverbindungsprinzip, das heisst, wer einer Verbindung beitritt, bleibt normalerweise ein Leben lang. Wird das noch von allen gelebt?

Das Lebensverbindungsprinzip wird weiterhin gelebt. Das durfte ich schon mehrfach erleben, wenn am Centralfest jeweils aus allen Richtungen Mitglieder im hohen Alter herangefahren werden und sie sich sehr freuen, hier dabei zu sein. Das zeichnet die Zofingia auch aus, dass wir über Generationen hinweg diesen Diskurs miteinander führen können und es wäre schade, wenn das nicht mehr möglich wäre. Natürlich gibt es auch bei uns Austritte, doch nur ganz wenige.

Ein Verbindungswechsel ist aber nicht nur verpönt, sondern gar verboten?

Ja und Nein. Wer in einer Mittelschulverbindung war, kann problemlos in eine Hochschulverbindung wechseln. Dort gibt es dann aber eher Austritte aus der Verbindung als einen Wechsel in eine andere Verbindung.

Die Mitgliederzahl sinkt auch in Ihrem Verein. Auf was führen Sie das zurück?

Es ist leider eine Erscheinung unserer Zeit, dass viele jüngere Leute gerne auf möglichst vielen Hochzeiten tanzen und nicht mehr nur auf einer oder zwei, dort dafür richtig. Es wird immer schwieriger, Mitglieder zu finden, die sich einem Verein voll und ganz hingeben, aber das ist ja nicht nur bei uns Verbindungen so, das erlebt ja ein Grossteil aller Vereine in gleichem Masse.

Frauen sucht man bei der Zofingia vergebens. Wäre es nicht an der Zeit, dass auch sie der Verbindung beitreten können?

Das ist ein heisses Eisen und wird auch bei uns in der Zofingia sehr konträr diskutiert. Einerseits sind wir mit unserem Männerbund zufrieden, wie er ist. Man muss nicht immer alles konformieren, nur um nicht anzuecken. Andererseits verstecken wir uns oft noch hinter der Tradition und schieben sie als Hauptgrund gegen die Aufnahme von Frauen vor. Als schweizweiter Verein von dieser Grösse und Breite, wäre die Aufnahme von Frauen ein sinnvoller Entwicklungsschritt, um einer modernen Zofingia zu entsprechen. Diese Entscheidung unterliegt aber einem vereinsdemokratischen Entscheid und keinem Diktat.

Glauben Sie, dass die Basis das möchte?

Es gibt Stimmen dafür und dagegen.

Sie haben den Verbindungsnamen «Tümpel», wie kam es dazu und welche Bedeutung hat er?

Der Verbindungsname ist etwas sehr Persönliches und den Hintergrund dazu verrät man nicht einfach so.

Zofingen ist Eure Bundesstadt, mit der Ihr sehr verbunden seid. Welche Verbindung haben Studenten aus Zürich, Basel, Bern oder Lausanne mit der Thutstadt?

Es gehört sich, dass jeder Zofinger diese Stadt kennt und an den Centralfesten teilnimmt. Wer hier im Thutbrunnen getauft wurde, hat natürlich eine weitere bleibende Erinnerung an Zofingen, nebst den vielen Freundschaften, die man hier geschlossen hat. Ans Centralfest nach Zofingen zu reisen gehört für viele Mitglieder zu den Höhepunkten im Vereinsjahr.

Ist das auch der Grund, warum sich die Zofingia mit 10'000 Franken und dem Einsatz von Mitgliedern am Helferfest rund ums Unwetter so stark engagiert hat?

Ja natürlich. Wir wollen nicht nur hier sein, wenn es allen gut geht, sondern auch, wenn wir helfen können. Ich persönlich erhielt schon kurz nach dem Unwetter sehr viele SMS von Mitgliedern, die sich nach dem Zustand der Stadt und der Bevölkerung erkundigten und sofort helfen wollten. Sicherlich ein gutes Zeichen, dass viele diese Stadt lieben. Mit dem finanziellen Beitrag und den Arbeitseinsätzen haben wir jetzt eine gute Lösung gefunden einen Beitrag zu leisten.

Die Zofingia zeigte sich in der Vergangenheit immer wieder grosszügig, so wurden unter anderem der Thutbrunnen, das Löwentor mit den beiden Brunnen, aber auch das Glockenspiel gespendet. Darf die Stadt auch zu Eurem 200-Jahr-Jubiläum wieder etwas erwarten?

Ja bestimmt. Diesbezüglich sind die Gespräche mit der Stadt im Gange.

Am 4. bis 6. Mai 2018 findet das Centralfest in Zofingen statt. Wie möchten Sie das Fest prägen?

Wir wollen die Zofinger Bevölkerung besser ins Fest einbeziehen. Sie soll erfahren, wer wir sind und was wir tun und dass sich unser Verein nicht nur einmal pro Jahr am Centralfest in Zofingen trifft, sondern, dass wir sehr aktiv sind in allen Sektionen. Zum andern würden wir es sehr begrüssen, wenn die Bevölkerung dem Cortège (Umzug) durch die Stadt und der Festrede und den Taufen auf dem Thutplatz beiwohnen würde. Unsere Mitglieder sind auch jederzeit offen für Gespräche und Kontakte mit den Einwohnern und Gästen in Zofingen.

Wann waren Sie erstmals an einem Centralfest und welche Erinnerungen haben Sie daran?

Im Herbst 2010 bin ich der Zofingia beigetreten und im Frühling 2011 habe ich mein erstes offizielles Centralfest erlebt. Dort lernte ich den Genfer Zentralpräsidenten kennen und habe mich auf Anhieb gut mit ihm verstanden. Er hat mir als Zeichen der Freundschaft und Wertschätzung seinen Namen mit einer Widmung in meinen Hut geschrieben. Das machte mich sehr stolz und zeigte mir, welchen positiven Einfluss ältere Mitglieder auf uns jüngere haben können und wie toll das Konstrukt Zofingia funktioniert.

Zur Person: Christian Läubli wird am Sonntag 25 Jahre alt. Der Zofinger Ortsbürger ist bis zum 1. August 2018 Centralpräsident des Schweizerischen Zofingervereins, kurz Zofingia. Die älteste Studentenverbindung der Schweiz wurde 1819 im Restaurant zum Goldenen Ochsen in Zofingen gegründet. Er selber gehört der Zofingia Sektion Luzern an. Christian Läubli hat in Zofingen die Schulen besucht und bei der GIA Informatik AG in Oftringen eine kaufmännische Lehre absolviert. Danach begann er an der Hochschule in Luzern, in der Fachrichtung Real Estate Management, zu studieren. Er schloss mit dem Bachelor of Science in Business Administration ab. Dazwischen leistete er Militärdienst und ist heute Zugführer der Panzersappeur- Kompanie 11/3. Zurzeit arbeitet er als Immobilienprojektentwickler und Makler bei der Bulliard Immobilien in Granges-Paccot im Kanton Fribourg. Christian Läubli ist seit 2016 FDP-Einwohnerrat in Zofingen.
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