Kölliken muss wieder ausbaggern

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Von Mitte März bis am 27. April brachten grosse Lastwagen Ausbruchsmaterial aus dem Eppenberg-Tunnel in die SMDK. (Foto: Mario Heller)
 

Vom Eppenberg-Tunnel wurde ölverschmutztes Material angeliefert.

Die schier endlose Geschichte der Sondermülldeponie Kölliken (SMDK) ist reich an Überraschungen. Mit der aktuellen hat allerdings niemand gerechnet: Es ist wieder verunreinigtes Material angeliefert und deponiert worden. Es gibt einen kleinen Trost: Dank Kontrollen hat man das Problem nach etwa dreieinhalb Tagen erkannt und die Ablagerung von Ausbruchmaterial aus dem Eppenberg-Tunnel der SBB sofort gestoppt. Aber dennoch müssen ca. 20000 Tonnen geraspelter Fels wieder ausgebaggert und in einer anderen, für ölhaltiges Gestein geeigneten Deponie entsorgt werden. Wer zahlt? Weder die SMDK noch der Kanton Aargau, wohl aber die SBB oder die Bauunternehmen.

Erdöl aus dem Eppenberg

Die Ausgangslage: Zwischen Wöschnau und Gretzenbach lassen die SBB den Eppenbergtunnel, die Umfahrung Schönenwerd, bauen. Etwa die Hälfte der 2616 Meter langen Röhre ist bereits gebohrt. Ein grosser Teil des Ausbruchsmaterials, etwa 350000 Tonnen, wird dafür verwendet, die Sondermülldeponie Kölliken wieder aufzufüllen. Sie ist in einem jahrelangen, sehr kostspieligen Prozess giftfrei gemacht worden.

Seit Ende März waren täglich 200 grosse Lastwagen von Wöschnau über Hunzenschwil nach Kölliken unterwegs. Doch vor zwei Wochen, am Donnerstagmittag, musste die Transportkette abrupt gestoppt werden. Das gaben die SBB gestern bekannt. Im Ausbruchmaterial seien geringe Mengen natürliches Erdöl gefunden worden.

Nichts gerochen

Wie das? Jeder Lastwagen, der in die riesige SMDK-Halle hineingefahren ist, wurde gewogen. Zudem hat man ein bis zwei Mal täglich Proben aus dem geraspelten Fels entnommen und in einem Labor untersuchen lassen. Die Analyse dauert zweieinhalb Tage. Am Morgen des 27. April gab es Alarm: Öl! «Wir sahen und rochen nichts. Es handelt sich um unlösliches, ganz dickflüssiges Öl, das nicht davonläuft. Es befand sich mehrere Millionen Jahre lang im Gestein», erklärt SMDK-Geschäftsführer Benjamin Müller.

Das ölhaltige Gestein stammt aus einer 50 Meter breiten Schicht, die zwischenzeitlich von der Bohrmaschine durchfahren worden ist. Aktuell wird wieder sauberer Fels abgemeisselt.

In Kölliken ist der Schaden allerdings angerichtet. «Aus vertraglichen, bewilligungstechnischen und psychologischen Gründen können wir das Material nicht in der Deponie lassen», erklärt SMDK-Chef Müller. Er betont: «Die SMDK und der Kanton Aargau haben von den SBB von Anfang an gefordert, dass nur garantiert sauberes Material angeliefert wird. Das steht so in einem Vertrag.» Normalerweise würde Ausbruchsmaterial aus einem Tunnel gar nicht auf Verunreinigungen getestet.

Künftig wird beim Tunnel getestet

Und jetzt? «Wir haben insgesamt 20 000 Tonnen mit ölhaltigem Material bekommen. Das entspricht in etwa der Anlieferung von drei bis dreieinhalb Tagen», erklärt Müller. Da es sich nicht um sehr stark verschmutztes Material handelt, könnte das Material dank einer kantonalen Ausnahmebewilligung in der Grube bleiben. Das ginge allenfalls bei einer normalen Deponie, aber nicht bei der historisch extrem vorbelasteten SMDK. Darum wird ausgebaggert, sobald alle Fragen geklärt sind. Und es wird künftig bereits in Wöschnau getestet, ob das Material auch tatsächlich sauber ist. Wie genau die Abläufe sein werden, ist noch offen. Bis dahin wächst beim Tunneleingang der Abraumberg – und die Transportkette bleibt unterbrochen. (Urs Helbling)

 

 

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