«Ich habe so viel erlebt, aber Muttersein hat alles übertroffen»

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Die vielen Facetten der Patricia Schmid: Ob als Mutter mit Sohn Gion Luis unterwegs oder als Model. (Foto: zVg)
 

Patricia Schmid – ursprünglich aus Rothrist – zählt zu den erfolgreichsten Models der Schweiz. Heute designt die 32-Jährige Brillen, gibt als Gesundheitscoach Tipps und geniesst das Familienleben.

Sie zählen zu den erfolgreichsten Topmodels – wie definieren Sie Schönheit?

Patricia Schmid: Für mich ist jeder Mensch schön, der authentisch ist und sein inneres Licht anzündet. Dadurch, dass ich jeden Tag mit wunderschönen Menschen arbeiten darf, ist die äussere Schönheit für mich total vergänglich. Sobald der Mensch oberflächlich und «doof» ist, verfliegt die Schönheit im Nu für mich.

Seit einiger Zeit ist es um Sie als Topmodel etwas ruhiger geworden. Wie sieht Ihr Alltag aus?

Ich bin Mutter, Gesundheitscoach und ab und zu reise ich ins Ausland für Model-aufträge.

Anfang Monat haben Sie eine neue VIU Brillenkollektion lanciert. Es ist bereits Ihre zweite. Wie kommt es überhaupt, dass Sie Brillen designen?

Das war Zufall. Mein Agent hat mir von dieser Brillenmarke erzählt und gefragt, ob ich ihre Brille zu PR-Zwecken tragen würde. Ich wollte aber zuerst diese Typen kennenlernen. So ist der erste Kontakt entstanden und sie haben mich gefragt, ob ich Interesse hätte, eine Brille mit ihnen zu designen. Da Brillen mein Lieblings-Accessoire sind, war es für mich total klar, dass ich so ein tolles Angebot nie ablehnen würde. Ich bin VIU sehr dankbar für so eine neue und wunderbare Erfahrung.

Apropos neue Erfahrung. Ihr Sohn Gion Luis wird im November zwei Jahre alt. Wie stark haben Sie sich an die Mutterrolle gewöhnt?

Ich glaube «gewöhnen» ist das falsche Wort. Man wird ins kalte Wasser geworfen und hat eine Rolle, die man nirgends gelernt hat. Jeder Tag bringt ein neues Abenteuer und man muss offen sein, dieses anzunehmen. Dazu gehört natürlich noch viel Liebe und Geduld.

Inwiefern hat sich Ihr Leben seit der Geburt Ihres Sohnes verändert?

Das ist sehr schwierig in Worte zu fassen. Ich habe so viel in meinem Leben erlebt, aber Muttersein hat alles übertroffen.

Was geben Sie Ihrem Sohn mit auf den Weg?

Mir ist wichtig, dass er eine gute Basis hat und ein gesundes Urvertrauen für sein Leben. Darum schaue ich, dass er seine Mama hat und viel Liebe bekommt. Dann hat er eine gute Grundlage und kann in die wilde Welt hinaus.

In die wilde Welt hinaus – Könnten Sie sich vorstellen, dass Ihr Sohn später als Model tätig ist?

Er darf machen, was er von Herzen will. Wenn ihm das Modelleben gefällt, soll er es versuchen. Es ist eine wunderbare, aber auch anstrengende Lebensschule, die man nirgends sonst lernen kann. Also warum nicht? (lacht)

Haben Sie sich schwergetan, in der Zeit, als Sie 100 Prozent Mama waren, auf die Modeglitzerwelt zu verzichten?

O nein, ich durfte in dieser Modeglitzerwelt, wie Sie es nennen, so viele wunderbare Momente erleben. Vom Metball zu den Promi-VIP-Underground-Parties bis zu den tollen und sehr pompösen Shows. Ich bin dankbar für diese Zeit und durfte so viel lernen. Aber diese Zeit hat zu meinen 20ern gepasst. Jetzt bin ich an einem neuen Punkt angekommen und misse es überhaupt nicht.

Viele Models kehren relativ schnell nach der Geburt auf den Laufsteg zurück. Wie sieht das bei Ihnen aus?

Oh, ich ziehe Foto-Shootings vor. Da geht’s erstens persönlicher und ruhiger zu und her und zweitens entstehen am Set wunderbare Kontakte. Ich mag kein Drama mehr. Bin zu alt dafür (lacht).

Wie meinen Sie das?

Als Laufstegmodel ist man meistens am Anfang der Karriere oder wenn man wieder «bekannt» werden will in der Industrie. Das heisst: Wenn ich wieder Lust hätte voll einzusteigen, müsste ich einen neuen Look kreieren und mich auf dem Laufsteg pushen, damit mich jeder sieht. So bekommt man die guten Magazine und dann die gut bezahlten Kampagnen.

Für Drama seien Sie zu alt, sagten Sie – wann ist man denn zu alt zum Modeln? Haben Sie sich eine Alterslimite gesetzt?

Nein. Ich kann ja auch mit grauen Haaren modeln, wenn ich Lust habe. Ich glaube heute – mit dem ganzen Social-Media- Lifestyle – gibt es kaum noch Grenzen. Alles ist möglich.

Inwiefern hat sich das Modelbusiness – seit Sie erstmals über den Laufsteg geschritten sind – bis heute verändert?

Die einzige Veränderung, die ich sehe, ist, dass über die Jahre statt Modelle die Kinder von bekannten Schauspielern oder It-Girls und It-Boys über den Laufsteg gehen.

Models müssen gewisse Masse und Gewichte einhalten. Wie stehen Sie dazu?

Heute ist das nicht mehr so wild. Wenn du dicker wirst, gibt’s dann die Plus-Size-Abteilung. Also jeder kann heute ein Model sein. Wie zum Beispiel auch die Blogger. Sie sind ja auch alle Models, aber haben die Modelmasse nicht dazu.

Seit Mai gilt in Frankreich ein Magermodell-Gesetz – was halten Sie davon?

Ich musste vor drei Wochen in Paris auch zum Arzt. Er fragte nur nach meinem Gewicht und meiner Grösse, hat aber selbst nichts gemessen. Das heisst, er vertraut den Angaben der Models, ohne professionell nachzumessen. Meiner Meinung nach funktioniert es so noch nicht.

Was braucht es Ihrer Meinung nach, damit auch in anderen Ländern etwas dagegen unternommen wird?

Ich habe vor Jahren Shows in Madrid gemacht, bei welchen alle Models vorher auf die Waage gehen mussten. Auf dem Laufsteg gab es immer noch Klappergerüste. Also irgendwie funktioniert dieses System noch nicht.

Was halten Sie von Sendungen wie «Germany’s Next Topmodel»?

Diese Show ist bestimmt unterhaltsam für die jungen Mädels, die entweder Model werden möchten oder sich amüsieren wollen. Es hat wenig mit dem richtigen Modeln zu tun.

Viele der Mädchen träumen davon, viele Kleider und Schuhe zu haben. Wie viele besitzen Sie zu Hause?

Keine Ahnung. Das meiste habe ich weggeräumt oder verschenkt. Ich trage sehr oft dasselbe.

Worin sehen Sie aktuell die grösste Herausforderung im Modelbusiness?

Das Modelbusiness ist so wandelbar. Zurzeit sind die It-People – wie erwähnt – und Blogger zu Models geworden. Wie lange das anhält, kann ich nicht sagen. Es kommt bestimmt irgendwann wieder ein neuer Trend.

Und Sie haben seit 2016 einen Blog mit dem Titel Paddy’s Swiss Kitchen. Der letzte Eintrag datiert allerdings vom November 2016. Ist dieses Projekt vorbei oder haben Sie noch Pläne damit?

Diese Website wird weitergeführt. Ich brauchte eine Pause zwischen Mama- sein und Arbeit. Jetzt wird die Website neu designt und dann kann ich weiter schreiben.

Was möchten Sie damit erreichen?

Für mich ist es wichtig meine vielen Tipps, die ich über die Jahre als Model und durch die Health-Coach-Schule gelernt habe, zu teilen. Jeder soll diese einfachen Tools für innere und äussere Beauty erhalten.

Könnten Sie sich auch vorstellen, selber ein Kochbuch herauszugeben?

Ja, warum nicht? Ich bin offen für alles. Seit ich klein bin, bin ich eine Backtante und ich liebe es zu kochen.

Woher kommt diese Leidenschaft?

Meine Mutter und meine Grossmutter haben alles von scratch gekocht. Es gab nie Fertigprodukte bei uns und das ist mir bis heute geblieben. Ich durfte so viel von ihnen lernen. Zum Beispiel Spätzli werden bei mir selbst- gemacht. Natürlich der heutigen Zeit angepasst. Ein Fertigprodukt zu kochen, ist für mich unnatürlich.

Als Gesundheitscoach wissen Sie, worauf man achten muss. Welche Gerichte landen bei Ihnen auf dem Tisch und worauf legen Sie bei der Ernährung besonders Wert?

Im Allgemeinen kochen wir vegetarisch und viel Gemüse. Es gibt aber auch Ausnahmen mit Fleisch, wie jetzt im Sommer auf dem Grill. Wir essen nach Lust und Laune. Was uns wichtig ist: Nachhaltigkeit und wir bevorzugen Demeter-Produkte oder Produkte direkt von Bauern. Unser Fazit: Lieber 5 Franken mehr pro Einkauf für gute Produkte ausgeben, anstatt später das Geld für Medikamente zu brauchen, weil wir von Pestiziden krank geworden sind.

Rothrist, wo Sie aufgewachsen sind, war früher ein Bauerndorf. Welche Verbindung haben Sie zur Gemeinde und wie oft kehren Sie zurück?

Ich habe leider keine Verbindung mehr zur Gemeinde. Wenn ich länger weg bin, erkenne ich das Dorf kaum noch. So viele neue Gebäude. Für mich ist die Familie das Wichtigste und Freunde, die noch in der Umgebung wohnen.

Sie haben in ihrem Leben bereits viel erlebt, sind Model, Schauspielerin und haben mehrere heilpraktische Ausbildungen absolviert. Wenn Sie heute zurückblicken – was würden Sie in Ihrem Leben anders machen?

Ich wäre nicht hier, wenn ich was anderes gemacht hätte. Somit nichts.

Und wenn Sie einen Wunsch frei hätten, wie würde dieser lauten?

Auf einem schönen, nach unseren Vorstellungen umgebauten Bauernhof leben. Ausgestattet mit einer riesigen Küche, in der ich meine Leidenschaft, das Kochen, ausleben könnte. Dazu natürlich auch ein paar Tiere und viel Gemüse im eigenen Garten.

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