Endlich vom Rennsport leben

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Fabio Leimer streift sich wieder gerne den Rennhelm über. (Bild: zvg)

Sommerserie Sportmonnaie (5/5) Der Rothrister Autorennfahrer Fabio Leimer hat die Freude am Sport wiedergefunden, seit er nicht mehr im teuren Formel-1-Zirkus unterwegs ist. 

Motorengeräusche sind immer noch Fabio Leimers alltägliche Begleiter. Aber sie dröhnen öfter durchs Fenster seines Büros in seine Ohren, als von einer Rennstrecke. Seit letztem Jahr ist der Rothrister für Octane 126 tätig. Die Ferrari- und Maserati-Garage liegt direkt an der Autobahn in Wallisellen. Leimer arbeitet hier in der Werkstatt und im kaufmännischen Bereich und nimmt in Kürze seine unterbrochene KV-Ausbildung wieder auf. Und er frönt seiner grossen Leidenschaft: er fährt Rennen.

Octane-Inhaber Christian Bertschinger engagierte Fabio Leimer nämlich auch als Pilot, setzt den 28-Jährigen in der Ferrari-Challenge und in GT3- Langstreckenrennen ein. Etwa zwölf Rennen in aller Welt stehen auf Leimers Saisonplan. «Es war immer mein Traum, mein Ziel, als meinen Beruf Autorennfahrer angeben zu können. Nun ist das endlich Tatsache. Ich verdiene Geld mit meinem Sport», sagt Fabio Leimer, «ich bin sehr happy, wies derzeit läuft. Es war nicht immer leicht in der Vergangenheit.»

Auf Jobsuche gehen
Der Aargauer erlebte in den letzten Jahren Hochs und Tiefs, bekam immer wieder zu spüren, dass Geld den Sport regiert. «Ob Motorsport oder Fussball - es ist doch überall dasselbe. Da ist extrem viel Geld im Spiel, zu viel.» Leimer fuhr als Achtjähriger seine ersten Kartrennen. Nach Schulschluss am Freitag ging es im Wohnmobil mit der ganzen Familie los, quer durch Europa zu verschiedensten Rennpisten. Vater und Mutter finanzierten das Hobby des Sohnes. Der zeigte zuerst im Kart Talent, später in Boliden. Er gewann 2009 die Formel Master, träumte von der Formel 1.

Mit seinem Sieg in der GP2, der letzten Stufe vor der «Königsklasse», bewies er 2013, dass er das Zeug zum F1-Piloten hätte. Später gab es Angebote von Lotus, Marussia, Williams. Doch ein Platz im Cockpit hätte ihn 20 Millionen Franken gekostet – mindestens – für eine Saison. Das überschritt auch die Schmerzgrenze Rainer Gantenbeins, Besitzer der Bautro AG und langjähriger Förderer Leimers. Schätzungsweise 20 Millionen hatte Gantenbein bis 2014 schon aufgeworfen für Leimers Karriere und dessen Eltern als Hauptfinanzierer abgelöst.

2015 platzte der Traum endgültig, das letzte offene Angebot eines Formel-1-Teams schnappte Leimer einer weg, den er in früheren Rennen geschlagen hatte. Leimer musste auf Jobsuche und kam beim Altishofer Kartteam Meier unter. Er amtete als Mechaniker, Coach und fuhr selber wieder Rennen. «Da merkte ich, wie mir diese Ernstkämpfe gefehlt hatten. Als F1-Ersatzfahrer durfte ich ja nicht an den Start», sagt Leimer. Nun spürte er auf einmal nur noch den Druck, den er mochte, jenen im Duell mit anderen Fahrern.

Weg war jener, finanzielle Mittel zu finden, um einen Platz im Cockpit zu ergattern. «Ich hatte nie detailliert Einsicht in Geldangelegenheiten, nahm lediglich repräsentative Aufgaben wahr bei Sponsoren und Gönnern», sagt Fabio Leimer. Sponsoringverträge und Partnerschaften regelte sein Management, das ebenfalls bei Bautro angesiedelt war. Die Flüge an die Rennen, Hotelübernachtungen, Rennanzüge, ein Auto, die Trainings mit einem Coach in Einsiedeln, Handy und Telefonrechnung, das Abo fürs Fitnesstraining im Physical-Fitness Zofingen – Fabio Leimer wurde alles finanziert. «Ich erhielt zudem einen Monatslohn, der für die Wohnungsmiete reichte und fürs Essen, wenn ich mal daheim war.» Sogar Langlaufskis und ein Snowboard für die Wintertrainings bekam er von einem Sponsor. «Eigentlich lerne ich erst jetzt, was es heisst, Geld zu verdienen, um den Lebensunterhalt zu bestreiten.» Erstmals überhaupt sei er «ein normaler Angestellter», wie er es nennt, «aber einer mit einem sehr spannenden und für mich perfekten Job.»

Formel 1 noch am TV
Gewisse Privilegien geniesst Fabio Leimer noch immer, etwas das gesponserte Fitnessabo, oder die Reise- und Hotelkosten, die sein Arbeitgeber übernimmt. «Dafür bin ich sehr dankbar.» Die Formel 1 verfolgt Leimer intensiv am Fernsehen, «ich schaue jedes Rennen.» Vermisst er es nicht, mittendrin im grossen Zirkus zu sein? «Nein», sagt der Rothrister bestimmt, «das ist vorbei. Ich habe wohl im falschen Jahr die GP2 gewonnen, es hatte nicht sollen sein.» Fabio Leimer versucht, das Positive aus den letzten Jahren in Erinnerung zu behalten. «Ich absolvierte Rookie-Testfahrten für Sauber. 2013 erlebte ich viel Spannendes bei Marussia. Und ich bin GP2-Champion. Darauf darf ich stolz sein.»

Seinen Trainingsaufwand hat Fabio Leimer reduziert, seit er nicht mehr mit dem Sprung in die Formel 1 liebäugelt. Vorbei sind die Zeiten, in denen ihn Fitnesseinheiten und Leistungstests an seine Grenzen und darüber hinaus brachten. Um in Form zu bleiben, müsse er auch heute kaum Geld ausgeben, lediglich für Sportkleider. «Ich bin oft draussen unterwegs, jogge, fahre Velo, klettere, gehe schwimmen oder spiele mit Kollegen Fussball», sagt er.

Und was für ein Auto steuert der Rennfahrer in seiner Freizeit? «Keines», sagt Fabio Leimer. Obwohl er von Rothrist nach Wallisellen quasi von Autobahnausfahrt zu Autobahnausfahrt düsen könnte. «Für den Arbeitsweg bevorzuge ich den ÖV. Das ist stressfreier.»

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