«Whisky ist wie Gold, aber besser»

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Remo Zimmermann mit einem Glas Whisky. (Foto: kf)
 

Einen Kilt zu tragen, ist für Remo Zimmermann nichts Aussergewöhnliches. Der 36-Jährige, der nebenberuflich ein Whisky-Geschäft führt, bezeichnet Schottland als seine zweite Heimat. Dieses Wochenende organisierte er den schottisch-mittelalterlichen Markt in Rothrist.

Was einen guten Whisky ausmacht und weshalb sich Branntwein als Geldanlage lohnt, erzählt Remo Zimmermann im Gespräch. Zudem gibt er für die nächste Reise einen Geheimtipp mit auf den Weg.

Bei welchen Gelegenheiten gönnen Sie sich einen Whisky?

Remo Zimmermann: Ich trinke jeden Tag ein Glas à zwei Zentiliter. Ich würde es nicht als Ritual bezeichnen, trotzdem gehört es für mich dazu. Oft degustiere ich auch Neuanschaffungen für meinen Laden.

Sie führen seit 2012 in Rothrist nebenberuflich ein Whisky-Geschäft. Was trinken Herr und Frau Schweizer am liebsten?

Überraschend ist, dass die starken Whiskys direkt aus dem Fass von den Frauen mehr geschätzt werden als von den Männern. Generell kann ich sagen, dass das weibliche Geschlecht die rauchigen Whiskys den fruchtigeren vorzieht. Die Männer trinken sich querbeet durchs Sortiment. Interessant ist auch, dass die Frauen meist nicht auf den Preis achten. Sie kaufen, egal, was es kostet.

Der Preis ist ein gutes Stichwort. Ein chinesischer Tourist hat Anfang August in St. Moritz zwei Zentiliter Whisky für 9999 Franken bestellt. Wie viel sind Sie bereit, für guten Branntwein zu bezahlen?

200 bis 300 Franken gebe ich gerne für ein Glas aus, sofern die Qualität stimmt. Ein Limit habe ich mir aber nicht gesetzt. In St. Moritz hat es sich um einen speziellen «Macallan» gehandelt. Es war weltweit die einzige noch nicht geöffnete Flasche des Jahrgangs 1878. Der Sammlerwert für die Flasche ist bei rund 50‘000 Franken gelegen. Das ist noch gar nicht einmal so viel. Im asiatischen Raum ist Whisky auch schon für 1,5 Millionen Dollar verkauft worden. Ich bewege mich meist nicht in dieser Preisklasse, habe aber in meiner privaten Sammlung auch Flaschen im fünfstelligen Bereich. Wenn man die Gelegenheit hat, einen Whisky zu degustieren, dessen Flasche im fünf- bis sechsstelligen Bereich gehandelt wird, dann beisse ich gerne in den sauren Apfel.

Sie haben Ihre persönliche Sammlung angesprochen. Wie sieht diese konkret aus?

Im Privatbesitz habe ich 250 verschiedene Flaschen aus Schottland. Die einen sind Raritäten, bei den anderen hoffe ich, dass sie es noch werden. Wenn ich mich ab zu mal wieder von einem trenne -– und meist hat man ja zwei, drei Flaschen von einem, – dann fällt mir das schon schwer.

Dann geht es Ihnen weniger darum, den Whisky zu trinken, sondern eher, ihn möglichst lange zu horten?

Ja, Whisky ist ganz klar eine Geldanlage. Je weniger Flaschen es von einem Whisky gibt, um so teurer wird er gehandelt. Ich setze deshalb vor allem auf Sonderabfüllungen, bei denen es weltweit beispielsweise nur 6000 Flaschen gibt. In diesen Fällen ist die Chance grösser, dass es einmal nicht mehr so viele Exemplare davon gibt. Der Wert legt dann exponentiell an Wert zu. Whisky ist wie Gold, aber besser. Sollte die Flasche einmal keinen Wert mehr haben, hat man immer noch etwas Tolles zum Trinken.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach einen guten Branntwein aus?

Das ist geschmacksabhängig, es gibt keine Faustregel. Die einen mögen lieber fruchtigen Whisky, andere lieber rauchigen. Es geht nichts übers Probieren. Ich persönlich bevorzuge fassstarken Whisky mit 55 bis 60 Volumenprozent. Es gibt kaum einen Whisky, der mir zu stark ist.

Eis und Wasser im Whisky ist auch immer wieder ein Thema. Wie stehen Sie dazu?

Eis im Whisky ist für mich ganz klar ein No-Go. Es verfälscht den Geschmack und verwässert den Whisky. Die Nuancen und das Aroma gehen durch die Kälte verloren. Einen Tropfen Wasser kann man aber ungeniert mal beifügen. Ich empfehle allerdings, den Whisky zuerst pur zu probieren, damit man vergleichen kann.

In der Schweiz wird auch Whisky hergestellt. Trotzdem finden sich in Ihrem Laden einzig zwei heimische Branntweine. Weshalb?

Ich bin der Meinung, dass wir in der Schweiz noch keinen erstklassigen Whisky herstellen können. Einige Brennereien stecken noch tief in den Kinderschuhen, andere sind schon etwas weiter. Ich denke, dass wir in zehn Jahren auf einem hohen Niveau sind. Es handelt sich jetzt schon um guten Whisky, aber nicht erstklassigen. Wir brauchen noch Zeit, das ist nicht böse gemeint.

Was fehlt diesem Whisky denn noch?

Ich vermisse die Geschmacksexplosion, wie ich sie von einem guten erstklassigen Scotch, also einem Whisky aus Schottland, kenne. Die Nuancen sind nicht genügend fein abgestimmt und die Fässerauswahl muss noch etwas besser werden. Die Reifung bzw. die Lagerung ist entscheidend für einen guten Whisky. Daher ist es wichtig, dass das Lebenswasser genügend lang – sechs Jahre und mehr – im Fass bleibt. Ich glaube, den Brennereien fehlt noch etwas die Erfahrung. In Schottland wird seit Mitte des 18. Jahrhunderts Whisky gebrannt. Dort hat man das auch nicht von heute auf morgen gelernt.

Whisky ist nur eine Tradition aus Schottland, eine andere der Kilt. Wie oft und bei welchen Gelegenheiten tragen Sie das farbenfrohe Wickelgewand?

Wenn ich zu einer Hochzeit oder zu einer Taufe eingeladen bin, dann erscheine ich im Kilt. Mit einem Anzug kann ich nicht mehr viel anfangen. Oft trage ich den Kilt auch im Winter. Da er aus Wolle hergestellt ist, gibt er warm. Zudem kann man Wollsocken und ein Thermohemd dazu tragen. Wir haben übrigens auch traditionell schottisch geheiratet. Im Kilt fällt man sicher immer auf.

Wie gehen Sie damit um?

Für mich ist das kein Problem. Sie dürfen mir gerne auch die altbewährte Frage stellen, ob man etwas darunter trägt oder nicht. Wenn ich im öffentlichen Bereich unterwegs bin, trage ich etwas darunter. Wenn es privat ist – wie eine Taufe, Hochzeit – dann trage ich keine Unterwäsche. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz in Schottland. Wenn man einen eigenen Kilt hat, dann darf man nichts darunter tragen.

Wie viele dieser Faltenröcke dürfen Sie Ihr Eigen nennen?

Ich habe dezentere und farbenfrohere, insgesamt über zehn Stück. Die Mehrheit habe ich in Schottland von Hand fertigen lassen. Ich habe nur zwei, die ich in Touristenläden gekauft habe. Diese trage ich etwa an der Fasnacht oder an Märkten – wie dieses Wochenende in Rothrist –, da diese einfach gereinigt werden können.

Gestern und heute standen Sie am schottisch-mittelalterlichen Markt in Rothrist im Einsatz. Zum zweiten Mal haben Sie diesen Anlass organisiert. Was erhoffen Sie sich davon?

Wir möchten in erster Linie Werbung für Schottland machen. 19 Aussteller sind vor Ort. Unter anderem ein Kiltmacher, zudem wird schottisches und mittelalterliches Handwerk präsentiert, die Swiss Midland Pipe Band spielt und die Highland Dancers aus Basel geben ihre Show zum Besten. Ich erhoffe mir, dass wir dadurch auch regional, kantonal und national ins Gespräch kommen Wir wollen die Leute bewegen, sich mit Schottland zu befassen.

Sie haben schottisch geheiratet, handeln mit Whisky und tragen den Kilt. Woher kommt Ihre Faszination für das Land?

Begonnen hat es mit dem Film «Braveheart» über den schottischen Freiheitskämpfer William Wallace. Als 12-Jähriger habe ich den Film mindestens fünf Mal im Kino gesehen. Dabei bin ich auf Schottland aufmerksam geworden. Kurz darauf habe ich einen Kurztrip nach Edinburgh unternommen. Seither sind wir unzählige Male dort gewesen, mindestens einmal im Jahr verbringen wir Ferien in Schottland. Es gibt keinen Fleck Schottland, an dem wir nicht schon einmal durchgefahren oder angehalten haben.

Sie kennen Schottland wie Ihre Westentasche. Haben Sie einen Geheimtipp?

Lossiemouth. Das ist ein Ort, der sich auf der Höhe Iverness befindet, und über 30 Kilometer Sandstrand verfügt. Wenn man sich noch für Flugzeuge interessiert, ist das wahrlich ein Geheimtipp, denn nebenan befindet sich eine Station der Royal Air Force.

War Auswandern nie ein Thema?

Doch, aber für meine Ehefrau kommt es nicht infrage. Es muss für beide stimmen. Jedes Mal, wenn wir nach Schottland fahren – meist mit dem Camper –, ist es für mich wie ein Nach-Hause-Kehren. Ich habe zwei Heimaten – eine bürgerliche, das ist die Schweiz, und eine im Herzen, das ist Schottland.

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