Regierungsrätliche Standpauke wegen veraltetem Rost-Wehr

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Das veraltet Wehr Aeschwuhr. fup
 

Nur dank einer schon vor einem Jahr gestarteten Mediation kann der Kanton sein Mega-Hochwasserschutzprojekt in trockene Tücher bringen. Die Wigger ist potenziell gefährlich. Doch am Aeschwuhr-Wehr scheiden sich die Geister.

Knapp 3,5 Millionen kostet der Ersatz des 90 Jahre alten Aeschwuhr-Wehrs, welches das Wasser in den Aarburger Mühletych leitet. Das ist mehr als ein Viertel dessen, was der Regierungsrat in sein Mega-Hochwasserschutzprojekt zur Zähmung der Wigger investieren will (ZT/LN vom Wochenende). Hochwasserkatatrophen wie jene vor zehn Jahren (siehe Video) sollen sich nie mehr wiederholen.

Worüber allerdings bislang niemand offen sprach: Das Aeschwuhr-Projekt würde das Ende einer jahrelangen, ärgerlichen Pattsituation bedeuten.

Seit Jahren wird debattiert, wie das Wehr den neuen Gewässerschutzgesetzen anzupassen ist. Dass sich Kanton und Gemeinden nun massgeblich beteiligen müssen, hat einen pikanten Hintergrund: Der Wehrbesitzerin – der Aeschwuhrgenossenschaft – fehlt schlichtweg das Geld. Dabei wäre es grundsätzlich sie, die für Unterhalt und Hochwasserschutz zuständig ist.

Kanton schreitet als Mediator ein

Die Genossenschaft vertritt die Kraftwerkbetreiber am Tychkanal und die Wässermattenbesitzer, welche ein Interesse an genügend Durchfluss, etwa für die Stromerzeugung haben. Vor einem Jahr riss Regierungsrat Stephan Attiger, Vorsteher Departement Bau, Umwelt und Verkehr, dann der Geduldsfaden.

Eine Mediation wurde gestartet, geleitet durch BVU-Generalsekretär Maurus Büsser, der erklärt: «Die zum Teil unterschiedlichen Interessen von Eigentümer, Nutzern und der öffentlichen Hand hatten zuvor trotz breit abgestützten Variantenstudien und vielen Gesprächen zu keiner Einigung mit der Genossenschaft geführt.» Dem Kanton ist es ernst. Nochmals Büsser: «Falls die Verhandlungen scheitern, könnte das BVU aus Sicherheitsgründen für das alte Wehr eine Abbruchverfügung erlassen.»

Alle möchten ein «Happy end»

Immerhin: Die Standpauke des Kantons scheint gewirkt zu haben. Man sei auf gutem Weg, heisst es – auch von Hans Eichenberger, Präsident der Genossenschaft, der ebenfalls an einer guten und langfristigen Lösung gelegen ist. Allerdings war die Genossenschaft gemäss ihrem Präsident der Meinung, dass kein Ersatz nötig sei, um den Schutz zu gewährleisten.

Da die Mediation noch nicht beendet ist und niemand ein «Happy End» aufs Spiel setzen will, halten sich die Parteien mit ihren Voten zurück. Klar ist dennoch: Aus Sicht der Genossenschaft ist es der Kanton, der ihr die Erneuerung aufzwingt. Warum, ist ebenso offensichtlich: «Bei der Zustandsanalyse des Wehrs wurde festgestellt, dass sich das Bauwerk in einem schadhaften bis schlechten Zustand befindet und nicht saniert werden kann», so Maurus Büsser.

Eine Sanierung statt einem Abbruch zu verfügen, war deshalb keine Variante.

Einigung in greifbarer Nähe

Das baldige Ende der Mediation stimmt die Parteien zuversichtlich. «Es konnten einige Fragen geklärt werden und es sind Zusicherungen für einen Kostenteiler gemacht worden», sagt Generalsekretär Büsser.

Die Genossenschaft soll 710 000 Franken tragen, der Kanton rund 1,14 Millionen, Oftringen, Zofingen, Aarburg und Strengelbach gemeinsam 840 000 Franken. Die an der Mediation beteiligten Gemeindevertreter erachten diese Lösungsvariante als vertretbar.

«Die Beseitigung der Schutzdefizite» sei ein zentrales Anliegen, so die Zofinger Zuständigen, Bauverwalter Werner Ryter und Stadtrat Andreas Rüegger. Wie wichtig das Wehr ist, zeigte sich bei den Unwettern von 2005 und 2007. Laut Ryter liegt das Schadenpotenzial allein in der Zofinger Arbeitszone bei weit über 100 Millionen Franken im Ereignisfall. Auch Oftringens Gemeindeammann Julius Fischer spricht von einem «immensen Schadenpotenzial».

Für Aarburg beispielsweise spielt es zudem eine Rolle, dass in den letzten Jahren bereits einige Hunderttausend Franken in die Renaturierung der aus der Wigger und dem Tychkanal gespiesenen Gewässer Stampfibach und Brühlbach investiert worden sind. Eine noch zu klärende Frage bleibt, wie die Genossenschaft künftig organisiert wird – sollen die Gemeinden ebenfalls Einsitz erhalten? Auch wenn die Zeichen gut stünden, gibt Genossenschaftsvertreter Eichenberger zu bedenken: «Es kann immer noch einer die Türe zuschlagen.» Maurus Büsser hofft, dass auch diese Frage bis im Winter geklärt ist.

 

  • EINE HERKULESAUFGABE
  • Zofingen, Strengelbach und weitere Gemeinden sind zu wenig geschützt vor einem Hochwasser der Wigger. Ein Schutzprojekt des Kantons wurde ausgearbeitet, aber bis heute nicht umgesetzt. Hemmschuh waren vor allem die Diskussionen um das Aeschwuhr-Wehr (siehe Haupttext). Nachdem sich eine Lösung abzeichnet, sollen die Schutzmassnahmen nun für fast 13 Millionen Franken umgesetzt werden. Darüber muss der Grossrat befinden. Bereits 2011 trat das revidierte Gewässerschutzgesetz (GSchG) des Bundes in Kraft.
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