Der Verein, den (fast) niemand kennt

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Mitglieder von «Lions Eleven» mit ihren Kindern in Dagmersellen: Roger Staub, André Häberli, Marco Döös, Kilian Berwert und Martin Huber (von links). RZU
 

Die «Lions Eleven» treffen sich jeden Samstag um 11 Uhr im «Löwen» – damit ist schon fast alles über den Verein aus Dagmersellen erzählt. Wieso sie dennoch seit zwölf Jahren Statuten haben, erklären sie hier.

Auf dem Tisch stehen farbige milchigschimmernde Becher. In der Mitte eine Karaffe mit Himbeersirup. Und rundherum sitzen fünf Männer. Sportliche Typen mit Dreitagebart. Es ist 11 Uhr im Gasthof Löwen in Dagmersellen. Dieses Bild zeigt sich jeden Samstag um diese Zeit. Sie sitzen im «Löwen» und trinken Kaffee – das ist der Zweck ihres Vereins, der «Lions Eleven». Heute sitzen sie zu fünft da. «Der harte Kern», sagt Präsident André Häberli. Ihre Kinder spielen draussen auf dem Spielplatz, zwischendurch schleicht eins zwischen den Stühlen hindurch und nimmt einen Schluck Sirup. Seit zwölf Jahren setzen sich die Männer – inzwischen alle rund 40 Jahre alt– immer an den gleichen Tisch im «Löwen». Zum Stammtisch hat es noch nicht gereicht. Sie sind alles Dagmerseller, die zusammen die Schule besuchten. Früher, als es noch kaum Handys gab, hätten sie sich immer um 20 Uhr getroffen. Der Tisch damals war noch nicht mit Sirup überstellt. Eigentlich wären sie zu zwölft. Die anderen sind verhindert: Der Polizist, der Musiklehrer und der Landwirt arbeiten.

Eineinhalb Jahre fürs Doodlen
Der Vereinsname erinnert an den Spielfilm «Ocean’s Eleven», eine Gaunerkomödie aus dem Jahr 2001. Eine Anlehnung? Entweder vertuscht der Verein seine kriminellen Machenschaften ziemlich gut oder es stimmt, was der Präsident sagt: «Spektakel wird bei uns kleingeschrieben.» Nicht einmal das 10-Jahr-Jubiläum hätten sie gefeiert. Oder in den Worten des Aktuars: «Wir sind nichts anderes als ein Kaffeekränzchen. Es wird ‹chli schnö- red›». Über Sport und vor allem übers Dorfleben, meint André Häberli. Sie kennen das Dorf Dagmersellen, wo sie alle aufgewachsen sind. Auch die Vereinsmitglieder kennt man in der Gemeinde, zumal viele noch in anderen Vereinen wie im Fussball- oder im Handballclub engagiert sind. Nur: den Verein «Lions Eleven» kenne kaum jemand.

Wieso es überhaupt einen Verein brauche, um samstags einen Kaffee zu trinken, begründet André Häberli damit, dass es sicherlich ein Vorteil sei, wenn man strukturiert ist. Gleichzeitig distanzieren sich die Mitglieder von jeglicher Ernsthaftigkeit mit ironischen Aussagen. Das klingt dann etwa so: Man könne solche Treffen in der Familie besser begründen, wenn man ein Verein sei. Man merkt schnell: Die «Lions Eleven» sind eine lustige Runde. Ironie liegt in der Luft. Und Gelassenheit – selbst wenn eine weinende Tochter ins Gasthaus stürmt. Dann wird sie getröstet und sitzt auf den Schoss des Vaters. «Jetzt hast du die Zähne immer noch nicht bekommen?», fragt einer der Papas. 26 Kinder haben die zwölf Vereinsmitglieder mittlerweile insgesamt.

Sie alle treffen sich mindestens einmal im Jahr auf dem zweitägigen Vereinsausflug oder der obligaten Napfwanderung. Im Herbst will der Verein erneut eine Reise unternehmen. Aber es wird knapp – noch ist kein Datum festgelegt. «Normalerweise erhalten wir eine DoodleAnfrage eineinhalb Jahre vorher», sagt Kilian Berwert und schmunzelt. Die GV findet jeweils in den Räumlichkeiten des Fussballclubs Dagmersellen statt. Neumitglieder kommen keine dazu. «Im GVProtokoll steht immer, es gebe keine Bewerbungen», sagt Kilian Berwert.

Und nach einer Stunde, nach Kaffees und einem Glas Wasser, löst sich die Runde auf. Der harte Kern der «Lions Eleven» trommelt die Kinder zusammen und posiert für ein Foto. Dann zahlt jeder seine Getränke – die sind im Jahresbeitrag von 150 Franken nicht inbegriffen. Dann heisst es tschüss sagen – «man sieht sich spätestens nächsten Samstag.»

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