Mathematik ist auch Auslegungssache

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Michael Wyss

«Meine Tochter hat gestern 23 Punkte erzielt und 17 Rebounds gemacht», sagte ein sichtlich zufriedener Vater auf der Zuschauertribüne einer Turnhalle zu seinem Sitznachbarn. «Super, meine Tochter ist sogar auf 32 Punkte und 18 Rebounds gekommen», erwiderte dieser. Wahnsinn, dachte ich, da müssen zwei Riesentalente heranwachsen. Komisch, dass ich noch nie etwas von den beiden jungen Frauen gehört habe. Oder hat der Vaterstolz vielleicht etwas die objektive Sicht verschleiert? Ich bin auch Vater und auch ich habe manchmal eine rosarote Brille auf. Gewinnt das Team meiner Kinder, sind selbstverständlich sie dafür verantwortlich, verliert die Mannschaft allerdings, lag es entweder an unfairen Gegnern oder einem schlechten Schiedsrichter. Auch die Anzahl Tore oder die Häufigkeit guter Aktionen wird von Erzählung zu Erzählung höher. Wenn man schon selbst nicht mehr aktiv Sport treibt, möchte man doch zumindest der Vater eines erfolgreichen Athleten sein – und das sollen auch ruhig alle anderen wissen. Das ist normal und verhilft den Kindern bei der richtigen Dosierung auch zum nötigen Selbstvertrauen. Übrigens: Ich habe mich kundig gemacht, das Team der beiden Männer auf der Tribüne hat tatsächlich mit 52:23 gewonnen. Das Rechnen überlasse ich Ihnen.

 

Die Achillesferse stammt als Begriff aus der griechischen Mythologie: Sagenheld Achilleus war nur an der rechten Ferse verwundbar. Verletzliche Stellen im System sind auch Thema dieser Kolumne.

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