Manchmal mehr, manchmal weniger

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Melek Sarikurt

In einem Restaurant in der Region Zofingen. Vorfreudig setze ich mich mit meiner Freundin an den Tisch. «Oh, halloooo! Willkommen!», begrüsst uns der Chef persönlich überschwänglich. Wie nett, denke ich mir. «Sie waren aber jetzt schon lange nicht mehr hier, sicher sieben oder acht Monate», meint er. Ich lächle, fühle mich geschmeichelt. «Wie aufmerksam von ihm», denke ich mir. «Ach, wissen Sie, in letzter Zeit hatte ich nicht mehr wirklich gross Zeit zum Mittagessen», antworte ich ihm. Und bevor ich auch nur erahnen kann, wie mir geschieht, kommt der verbale Faustschlag: «Aber abgenommen haben Sie in dieser Zeit auch nicht.» – Wie bitte?!


Zum Glück hatte ich an diesem Tag eh keinen grossen Appetit, denn es wäre schade gewesen, hätte er mir diesen verdorben. Nein, ich trage keine Kleidergrösse 34 und das letzte Mal, als ich 50 Kilo wog, war ich wohl in der Primarschule. Der Jojo-Effekt begleitet mich schon mein Leben lang. Aktuell könnte ich mich mit meiner Statur eher bei «Curvy Super Model» bewerben denn bei Heidi Klums Topmodels.
Was solls?

Eine Woche später. Meine Freundin und ich sitzen wieder in einem Restaurant in der Region Zofingen, natürlich in einem anderen. Wir essen, lachen und amüsieren uns. Als die Kellnerin zum Einkassieren vorbeischaut, kommen wir auf das Erlebte im anderen Restaurant zu sprechen. Der Kellnerin klappt die Kinnlade herunter, sie ist schockiert und meint: «Das ist ja unglaublich, was für eine Frechheit!»
«Wie empathisch! Wir Frauen müssen zusammenhalten», denke ich mir. «Wir kommen nur noch zu Ihnen, Sie sind viel netter», sage ich scherzhaft. «Ja, machen Sie das», antwortet sie und fügt dann einen Satz an, der dann doch leicht übers Ziel hinausschiesst: «Ich verstehe Sie so gut. Ich war früher auch dick.» – AUCH DICK?! Irgendwie auch nicht schmeichelhaft.

Wie wichtig ist Ihnen die Statur eines Menschen? Für mich ist es irrelevant, ob jemand dünn, dick, gross oder klein, ja sogar quadratisch oder dreieckig ist. Es ist mir schnurz. Solange wir auf der gleichen Wellenlänge sind, ist alles in Butter.

Letzthin war ich kurz bei einem Kollegen in seiner Autogarage, um ein paar Räder bei ihm vorbeizubringen. «Dein Auto hast du jetzt auch schon ein paar Jährchen», sagt er grinsend. «Ich liebe mein Auto! Es ist das beste und schönste auf der Welt», antworte ich ihm strahlend, worauf er meint: «Es passt auch gut zu dir. Es ist irgendwie pummelig und süss, wie du.» – War das nun ein Kompliment oder eine Beleidigung?

Kürzlich im Büro dann. Ich muss zum Kopierer, wo bereits zwei Kollegen vom Radio stehen. «Tschuldigung, ich muss ein bisschen drängeln», sage ich. «Soooo dick bist du jetzt auch wieder nicht», meint der eine Kollege. Der andere hakt gleich nach: «SOOOO dick?!» Ich fühle mich wie ein begossener Pudel. Da meint der Erstere charmant: «Ach, du bist doch einfach Melek und das ist gut so!» Mir bleibt nicht viel mehr, als zu sagen: «Stimmt! Manchmal bin ich halt mehr Melek und manchmal weniger.»

Ganz ehrlich: Wer mich nicht mag, so wie ich bin, ob dick, ob dünn, der kann mich so was von gern haben.

 

 

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