Weil er zu wenig weiss, werden seine Füsse heiss

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Michael Wyss

Es war am 30. Juni 1990, als ich im zarten Alter von 16 Jahren – es ist nicht nötig, jetzt nachzurechnen! – mit meinem grossen Bruder und Kollegen alleine an ein Foreign-Affair-Tour-Konzert von Tina Turner nach Lausanne reisen durfte. Es war eine sensationelle Show dieser Powerfrau, die alles bot – und auch noch länger dauerte als erhofft. Was erfreulich tönt, war letztlich der Beginn einer kleinen persönlichen Odyssee. Den Zug von Lausanne Richtung Bern erreichten wir noch problemlos, auf dem Hauptbahnhof der Hauptstadt strandeten wir um Mitternacht aber. Ich versuche, mit möglichst wenig Vorurteilen durchs Leben zu gehen. Aber die komischen Figuren, die ihr Nachtlager in der Passage unter dem Bahnhof aufgeschlagen hatten, luden mich – im Gegensatz zu meinen Begleitern – nicht wirklich dazu ein, die Stunden bis zur ersten Verbindung am Morgen dort zu verbringen. Eine Mischung aus Tatendrang, Übermut, Naivität und Unwissenheit veranlasste mich dazu, ganz alleine den Nachhauseweg unter die Füsse zu nehmen.

Es dauerte keine Stunde und ich passierte die Bremgartner Gemeindegrenze. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet: Ich war bereits im Kanton Aargau angekommen. Ich marschierte weiter und kam nach gut 75 weiteren Minuten in Wohlen an, was mich in meiner falschen Annahme nur noch bestätigte. Ich ging pfeifend durch die Nacht, langsam etwas erschöpft, aber guter Dinge, bald in Zofingen anzukommen. Ich marschierte und marschierte und bemerkte nicht, dass ich einen Kreis um die Stadt Bern vollführte. Der Tag war bereits angebrochen, als ich wieder beim Berner Hauptbahnhof ankam – und schliesslich in einen der ersten Züge dieses Morgens Richtung Thutstadt einsteigen konnte.

Unter grossem Gelächter schloss meine Familie nach der Rückkehr meine gut 20 Kilometer lange Bildungslücke. Seither ist mir bewusst, dass Wissen an sich nichts Schlechtes ist – oder: «Wer keinen Kopf hat, hat Beine.»

 

 

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